Druckerei-Schließung Schwarzer Tag für Itzehoe

In der 30.000-Einwohner-Stadt Itzehoe werden Magazine wie "Spiegel" und "Stern" gedruckt. Bald ist damit Schluss. Bertelsmann und Springer schließen den norddeutschen Druckstandort Itzehoe, 1000 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Von Caspar Busse und Oliver Hollenstein

Die meisten Deutschen dürften schon einmal ein Produkt aus Itzehoe in der Hand gehalten haben: In der 30.000-Einwohner-Stadt knapp 60 Kilometer nordwestlich von Hamburg werden Magazine wie Spiegel und Stern, aber auch Versandkataloge gedruckt. Damit ist 2014, möglicherweise schon im Sommer, Schluss. Die Bertelsmann-Tochter Prinovis hat am Mittwoch das Aus für ihren zweitgrößten Tiefdruck-Standort verkündet. 1000 Jobs fallen damit in Itzehoe weg, 750 Mitarbeiter und 250 Leiharbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Auf einer Betriebsversammlung gingen die Emotionen hoch. "Wir sind innerlich total aufgewühlt", sagte der Betriebsratsvorsitzende Stefan Lützen, seit 24 Jahren im Betrieb. Itzehoes Bürgermeister Andreas Koeppen (SPD) sprach von einem "rabenschwarzen Tag". Prinovis gehört zu den größten Arbeitgebern der Region. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sagte, er werde sich dafür einsetzen, dass so wenige Arbeitsplätze wie möglich verloren gehen.

"Die Entscheidung, den Standort Itzehoe und damit eine der großen deutschen Traditionsdruckereien schließen zu wollen, ist uns sehr schwer gefallen", sagte Prinovis-Chef Bertram Stausberg. Grund sei die Krise in der Druckindustrie. Weil Magazinleser immer öfter online lesen, die Auflagen zurückgehen und sich auch das klassische Kataloggeschäft zunehmend ins Internet verlagert, werden weniger Printprodukte nachgefragt. Prinovis hatte beispielsweise den Quelle-Katalog in Millionenauflage gedruckt, nach der Insolvenz des Fürther Versenders fiel der lukrative Auftrag ersatzlos weg.

Massive Überkapazitäten

Noch bis 2005 hatte die Branche kräftig investiert, seitdem leidet sie unter massiven Überkapazitäten. Das hatte in den vergangenen Jahren bereits einige Großdruckereien in die Insolvenz getrieben. Auch die vier deutschen Prinovis-Standorte in Ahrensburg, Dresden, Nürnberg und Itzehoe seien dauerhaft nicht mehr auszulasten, teilte das Unternehmen nach der Betriebsversammlung mit. Die Geschäftsleitung habe sich daher entschieden, einen Standort zu schließen, um die anderen Standorte zu erhalten.

Die Prinovis-Gruppe ist eines der größten Druckerei-Unternehmen in Deutschland. Durch die Schließung fallen mehr als Fünftel der insgesamt 3800 Arbeitsplätze weg. Der Umsatz lag zuletzt Schätzungen zufolge bei 600 bis 650 Millionen Euro. Das Unternehmen gehört inzwischen zu 74,9 Prozent dem Bertelsmann-Konzern und zu 24,9 Prozent der Axel Springer AG.

Beide Unternehmen werden in diesem Jahr die Probleme bei Prinovis zu spüren bekommen. Denn die Kosten für die Schließung von Itzehoe werden Prinovis möglicherweise einen Verlust einbringen, der sich dann in den Bilanzen von Bertelsmann von Springer negativ bemerkbar machen wird. Das Werk Itzehoe habe zuletzt Verluste in Millionenhöhe verbucht. Die Schließung soll nun nach Schätzungen 50 bis 60 Millionen Euro kosten. Das Unternehmen erhofft sich dauerhaft Einsparungen von rund 20 Millionen Euro.

Das Druckgeschäft ist für Bertelsmann seit langem ein Problem. Vorstandschef Thomas Rabe hatte im vergangenen Jahr die Druckereien in eine eigene Geschäftseinheit mit dem Namen Be-Printers ausgelagert. Damals schon gab es Spekulationen um Standortschließungen. Im vergangenen Frühling hatte Bertelsmann zudem die Prinovis-Führung ausgetauscht.