Die Bahn hat jahrelang ein- und ausgehende E-Mails auf etwaige Pressekontakte überprüft. Die Dimension der Angelegenheit ist - was die Journalisten angeht - größer als der Fall Telekom.
Um den Abfluss von Material an Medien zu verhindern, hat die Deutsche Bahn jahrelang und systematisch die bei dem größten Staatsunternehmen ein- und ausgehenden E-Mails auf etwaige Pressekontakte überprüft.
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In einer Fotoillustration ist eine E-Mail mit dem Betreff "Daten" an den scheidenden Vorstandsvorsitzenden der Bahn AG, Hartmut Mehdorn, zu sehen. Der Datenskandal bei dem Unternehmen weitet sich zunehmend aus. (© Foto: ddp)
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Das ist aus Unternehmenskreisen zu erfahren. Erste Hinweise auf die systematische Suche nach Kontakten zwischen Bahnmitarbeitern und Journalisten waren vorige Woche bekannt geworden. Inzwischen wird die Dimension des Falles erkennbar - sie ist, was die Journalisten angeht, größer als der Fall Telekom.
Den Schilderungen mehrerer Quellen zufolge soll im Frühjahr 2005 bei der Bahn die Ausforschung gestartet worden sein. Ins Visier seien damals mehr als ein Dutzend Blätter, Agenturen und Magazine geraten - darunter Manager Magazin, Spiegel, Tagesspiegel, Capital, Wirtschaftswoche, Focus, Financial Times Deutschland, das Handelsblatt, die Agenturen Reuters und Deutsche-Presse-Agentur, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Welt sowie die Süddeutsche Zeitung.
Öffentlichkeit war trotzdem informiert
Öffentlich-rechtliche Anstalten oder private Fernseh- oder Rundfunksender sollen sich nicht auf den ersten Ausspählisten befunden haben. Die Überwachung durch den Apparat konnte allerdings nicht verhindern, dass die Öffentlichkeit über kritische Vorgänge bei dem Staatskonzern informiert wurde.
Fast zeitgleich soll von der Bahn nach elektronischem Briefverkehr mit etwa zehn namentlich genannten Journalisten gefahndet worden sein. Darunter sollen sich allein drei Journalisten der Süddeutschen Zeitung befunden haben.
Besonders intensiv sollen sich die Schnüffler der Bahn auch bemüht haben, die Quellen des Berliner Agenturjournalisten Markus Wacket ausfindig zu machen. Wacket ist auch Autor des Buches "Mehdorn, die Bahn und die Börse".
Die Listen mit den Namen der ins Visier geratenen Medien sollen etliche Male überarbeitet und auch aktualisiert worden sein. Die Suche nach Medienkontakten erfolgte demnach bei der Bahn weit systematischer und auch gründlicher als bei der Telekom.
Anders als die Bahn hatte die Telekom illegal die Verbindungsdaten von Vorständen, Aufsichtsräten und Gewerkschaftern mit den Anschlussdaten von Wirtschaftsjournalisten verglichen, die über die Telekom berichteten.
Auf Anfrage wollten die Sonderermittler im Datenskandal der Bahn, die früheren Bundesminister Herta Däubler-Gmelin (SPD) und Gerhart Rudolf Baum (FDP), keinerlei Angabe machen, ob ihnen bei ihrer bisherigen Arbeit Listen mit den Namen der Medien und/oder der Journalisten bekanntgeworden sind.
Bereits im Jahr 2001 hatte ein damaliger Konzernsprecher angeregt, "sehr schnell" eine Sondereinheit zu bilden, die versuchen solle, "die Informanten bei der Bahn zu ermitteln". Weil die Konzernsicherheit nicht in der Lage war, die Lecks aufzuspüren, soll später zusätzlich sogar die Revision eingeschaltet worden sein, um Abflüsse an Medien zu untersuchen. Konzernchef Hartmut Mehdorn hatte intern immer wieder über Lecks bei der Bahn geklagt.
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(SZ vom 02.04.2009/pak)
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Ich verstehe nicht, warum Herr L. für die Journalisten einen Sonderstatus beansprucht? Seit Monaten beobachte ich, wie gerade seine Kollegen bei der Online-SZ sich immer mehr vom Pressekodex entfernen und eine Sensationsmeldung nach der anderen bringt, die sich nicht mehr an den Tatsachen, sondern an der Chance auf hohe Quoten orientiert. Gerade heute wurde damit aufgemacht, daß es im Zusammenhang mit den Demonstrationen in London einen Toten gab. So steht es in der Überschrift. Im Text ist dann zu lesen, daß der Mann ohne Fremdeinwirkung gestorben ist und somit kein Zusammenhang mit den Demonstrationen hergestellt werden kann. Wer derart großzügig mit der Wahrheit umgeht, der hat auch keinen Anspruch darauf, sich auf die Pressefreiheit zu berufen oder die Arbeit der Journalisten als schützenswert zu verstehen.
Gerade die äußerst großzügige und unkontrollierte Auslegung von Geschehnissen ist doch genau der Grund für die Angst der großen Konzerne. Bis da dann durch ein Gericht eine Richtigstellung erreicht wird, hat sich die Meldung doch schon verselbständigt und nicht mehr umkehrbaren Schaden angerichtet.
..wie immer nichts. Es werden einfach keine Lehren aus diesen Skandalen gezogen. Weder von der schreibenden Zunft, die ja in diesem Fall besonders betroffen ist, noch von Seiten der Politik, die anscheinend die schützende Hand über die Verantwortlichen hält.
Was ist los in den Redaktionsstuben? Warum wehren sich die Jounalisten nicht? Sie hätten doch alle Möglichkeiten, kritische Artikel in der Presse erscheinen zu lassen. Oder sind die Parteibücher von Chefredakteuren und Verlegern das Hemmnis?
Ob der Skandal nun größer ist als bei der Telekom sei dahingestellt:
wehwehweh.sueddeutsche.de/wirtschaft/189/463794/text/
Unternehmen scheinen als Stasiersatz fungiert zu haben.
Welche Unternehmen sind noch betroffen? Alle? Alle großen?
Wie lange geht das schon so?
Niergendwo wird man besser ausspioniert als am Arbeitsplatz.
Man muß davon ausgehen, daß alle Regierungen möglichst gut über das Volk Bescheid wissen wollen.