Cloud-Computing Auf Wolke sieben

Die Business Software Alliance mehrerer Anbieter hat untersucht, welches Land beste Voraussetzungen für die Technik bietet. Der überraschende Sieger: Das als rückständig geltende Deutschland. Sieben Kriterien standen im Mittelpunkt.

Von Helmut Martin-Jung

In den sozialen Medien kursiert schon seit einiger Zeit eine Liste mit zehn Ratschlägen, wie man als Führungskraft um die Digitalisierung herumkommt. Die Liste - Punkt eins: "Haben Sie keine Ahnung von IT und seien Sie stolz darauf" - ist natürlich ironisch gemeint. Aber wie das oft so ist mit Ironie, nicht jeder versteht sie. Und überhaupt wirkt die Liste in vielen Punkten auf so manchen eher wie eine leicht übertriebene Bestandsaufnahme denn wie eine längst überholte Sichtweise. Besonders die Deutschen gelten als übervorsichtig, wenn es darum geht, neue Technologien einzusetzen, die zwar eine Menge an Vorteilen versprechen, aber auch Risiken bergen.

"Die Bedingungen wären da, Deutschland ist bereit."

Doch ganz so schlimm ist es mittlerweile gar nicht mehr. Im Gegenteil. Die Anbieter kommen zum Beispiel kaum nach damit, neue Kapazitäten für Cloud Computing aufzubauen, also die technische Neuerung, bei der Daten aus dem heimischen PC in Rechenzentren gespeichert und verarbeitet werden. Oder über die man Software-Anwendungen nutzt. Deutschland mag auf diesem Gebiet zwar nicht Weltmeister sein, doch es bietet zumindest weltmeisterliche Voraussetzungen dafür.

Zu diesem Schluss kommt jedenfalls die Business Software Alliance (BSA). Der weltweit tätige Verband, dem vor allem Anbieter von Geschäftskunden-Software wie IBM, Salesforce oder Oracle angehören, hat in der jüngsten, der vierten Auflage seiner Studie unter dem Titel Global Cloud Scorecard untersucht, wie gut die Voraussetzungen für diese IT-technische Umwälzung in 24 Ländern sind. Und der Sieger ist: Deutschland.

Abschottung ist schlecht für eine Technik, die freien Datenverkehr braucht

Wie aber kommt es dazu? In der Studie habe man den Blick auf sieben Kriterien gerichtet, sagt Thomas Boué, der bei der BSA für die politischen Interessen des Verbandes in Europa, Nahost und Afrika zuständig ist. Vor allem bei IT-Sicherheit und im Kampf gegen Cyberkriminalität habe Deutschland dabei überzeugt. Die Bundesrepublik sei zudem offen für Freihandel. Das Versagen bei Letzterem brachte Länder wie Russland oder China auf der Liste weit nach hinten, denn sagt Boué, wer den Markt für Cloud Computing so reguliert, dass möglichst keine Daten das Land verlassen sollen, gebe damit einen der großen Vorteile dieser Technologie auf. Im Fall Russland habe sich schon gezeigt, dass die IT-technische Abschottung des Landes das Wachstum beim Cloud Computing gebremst habe. "Das ist nicht geeignet für eine weltweite Zusammenarbeit, bei der die Daten keine Grenzen kennen."

Die Studie ist allerdings eine reine Schreibtisch-Arbeit. "Wir haben nur in die Bücher geschaut, wie es sich zum Beispiel mit gesetzgeberischen Bedingungen verhält, aber wie haben nicht untersucht, wie es in Wirklichkeit aussieht." Ob zum Beispiel die Vorhaben der einzelnen Staaten also wirklich in die Tat umgesetzt würden, "können wir nicht überprüfen".

Boués Fazit für Deutschland: "Die Bedingungen wären da, Deutschland ist bereit." Nun müsse die Regierung etwas tun, um diesen Vorteil zu nutzen. Immerhin wird in Dorothee Bär erstmals eine Staatsministerin für Digitales mit am Kabinettstisch sitzen. Und man muss hoffen, dass nicht ein möglicher Handelskrieg auch die IT betrifft. Noch, sagt Boué, könne man nicht sagen, ob es dazu komme. Die BSA befürwortet den freien Verkehr von Waren und Daten.