Frank Appel, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Post

Es ist ruhig geworden um die Krise in Europa. Ist das Schlimmste überstanden?

Keiner sollte erwarten, dass wir ein Problem, das über Jahrzehnte entstanden ist, innerhalb von drei oder vier Jahren lösen können. Es braucht Zeit, bis wir in ganz Europa wieder mit starken Wachstumsraten rechnen können. Wichtig ist: Wir sind in die richtige Richtung unterwegs. Aber wir haben auch noch einen längeren Weg vor uns, bis die Staatshaushalte wieder im Lot sind.

Woran lesen Sie das ab und was muss jetzt geschehen?

Europa hat in den vergangenen Monaten wichtige politische Fortschritte gemacht, und zwar weitgehend dank des Konsenses der europäischen Regierungschefs. Nur so kann es gehen, denn klar ist: Wir brauchen mehr und nicht weniger Europa. Das heißt konkret: Europas Fiskalpolitik muss jetzt wirklich zusammenwachsen, wir brauchen eine besser abgestimmte europäische Wirtschaftspolitik, eine schlagkräftige europäische Bankenaufsicht und vor allem eine umfassende Wachstumsstrategie für Europa, um die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents zu sichern. Das sind gewaltige Aufgaben, die wir nur durch die gemeinsame Anstrengung aller Akteure bewältigen können. Die Weichen dafür sind jedenfalls gestellt.

Wie geht es mit der Konjunktur in Deutschland im Jahr 2013 weiter?

Wir gehen davon aus, dass 2013 kein einfaches Jahr wird. Die wirtschaftliche Volatilität dürfte hoch bleiben. Allerdings haben sich viele deutsche Konzerne wie Deutsche Post DHL in den vergangenen Jahren robust aufgestellt und schlanke, flexible Strukturen geschaffen. Das ist in einem solchen Umfeld erfolgskritisch und strahlt natürlich auch auf die Gesamtwirtschaft aus. Daher erwarten wir in diesem Jahr trotz aller Herausforderungen ein niedriges aber robustes Wachstum in Deutschland.

Bild: REUTERS 25. Januar 2013, 07:252013-01-25 07:25:40 © Süddeutsche.de/ale/jab