BMW und die Absatzkrise Fremdfahren unerwünscht

Protektionismus im Freistaat: BMW klemmt seinen Mitarbeitern Werbekarten unter die Scheibenwischer - und fordert sie damit auf, die Autos des Hauses zu kaufen.

Von Michael Kuntz, München

Die Karte ist weiss-blau wie das Firmenlogo von BMW. Sie steckte unter den Scheibenwischern vieler Mitarbeiter des Autoherstellers, die keinen BMW oder Mini fahren, sondern ein anderes Fabrikat. "Was stimmt hier nicht?", heißt es. "Sie arbeiten gerne bei uns. Sie wissen Ihren Arbeitsplatz und Ihr Einkommen zu schätzen. Aber Sie fahren ein Fahrzeug der Konkurrenz." Etwa jeder zehnte der 73.252 Mitarbeiter in den deutschen BMW-Werken fand die ungewöhnliche Werbung für die Produkte seines Arbeitgebers an seinem Privatwagen.

Verteilt wurden die Karten auf den Parkflächen der Werke München, Dingolfing, Landshut, Regensburg, Leipzig und Berlin. Nicht jeder bekam sie. Wer etwa mit einem Chrysler Voyager, dem VW Sharan oder einem anderen Van zu seinem Arbeitsplatz bei BMW kommt, der blieb außen vor. Vergleichbare Großraumautos hat die BMW-Gruppe nämlich nicht im Angebot. Mit Werbekarten bedacht wurden nur direkte Konkurrenzprodukte wie die Volkswagen-Modelle Golf und Passat oder etwa der Audi A4.

Deutlich weniger verkauft

"Wir wollen einen Denkprozess anregen", sagt ein Sprecher des Konzerns, der mit seinen Marken BMW, Mini und Rolls-Royce in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres mit 487.906 Automobilen etwa ein Fünftel weniger verkauft hat als ein Jahr zuvor. Für das erste Quartal wies BMW einen Verlust von 55 Mllionen Euro aus.

Das Unternehmen schreibe seinen Mitarbeitern nicht vor, welche Fahrzeuge sie zu fahren haben, stellt der Sprecher klar. Es habe auch niemand personalrechtliche Konsequenzen zu befürchten, wenn er kein Auto aus den Fabriken seines Arbeitgebers fahre. Das habe auch keinen Einfluss auf die Bewertung der Arbeitsleistung. BMW stelle aber nun einmal "leidenschaftliche" Fahrzeuge her und "wir wollen Sensibilität für unsere emotionalen Produkte wecken".

Die Karten-Verteilung bei BMW löst ein unterschiedliches Echo aus. Der bayerische IG-Metall-Vorsitzende Werner Neugebauer findet sie problematisch: "Es kann nicht sein, dass Job und Existenz eines Arbeitnehmers davon abhängig sind, welches Produkt er kauft", sagte er der Bild-Zeitung. Pikant daran: Es handelte sich um eine gemeinsame Aktion von BMW-Vertrieb, der Personalabteilung und dem Betriebsrat. Dessen Vorsitzender Manfred Schoch ist in der IG Metall. Doch damit nicht genug: Neugebauer und Schoch sitzen beide gemeinsam als Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat von BMW.

BMW beschreitet in der Krise weitere ungewöhnliche Wege zur Ankurbelung des Absatzes: So werden die Dienstwagen der Führungskräfte mit großen Aufklebern an den Vordertüren versehen - mit den Verbrauchs- und Umweltwerten des Autos. Die Manager bekommen zudem zum Verteilen Prospekte in den Kofferraum gelegt zu "Efficient Dynamics", den Umwelttechnologien von BMW.

Der Stil in der Autoindustrie ist durch die Krise rauer geworden. Beim VW-Werk Baunatal wurde zu Jahresbeginn einem Handwerker empfohlen, seinen Opel gegen einen Volkswagen auszutauschen. Der Konzern ging auf Distanz zum örtlichen Werksleiter. Einfahrverbote für Fremdfabrikate - so etwas gebe es bei BMW nicht, versichert ein Sprecher des weiss-blauen Autoherstellers.

Das noble Dutzend

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