BMG-Chef Hartwig Masuch Vom Taxifahrer zu Musikmanager

Hartwig Masuch beim Gitarre-Spielen in seinem Büro: Damit hat er erst vor wenigen Jahren angefangen.

(Foto: Andreas Chudowski/laif)

Er erfand die Neue Deutsche Welle und nahm seine Taxiaufträge von Nena entgegen: BMG-Chef Hartwig Masuch über seine erstaunliche Karriere - und die große Zukunft von Vinyl.

Von Caspar Busse

Schon mal in Hagen im Ruhrgebiet gewesen? In dieser wenig ansehnlichen Stadt mit trotzdem fast 190 000 Einwohnern? Ende der 70er Jahre habe es "durchaus lustige Abende in der Kleinstadt Hagen" gegeben, erzählt Hartwig Masuch, heute 61. Der Chef der Berliner Musikfirma BMG, nach Universal, Warner und Sony immerhin international die Nummer vier, berichtet von seiner erstaunlichen Karriere: Er fuhr Taxi in Hagen, seine Aufträge bekam er aus der Zentrale von einer jungen Frau namens Nena, die später "99 Luftballons" aufsteigen ließ. "Ich bin übrigens damals auch noch Taxi gefahren, als ich schon dachte, dass ich ein großer Rockstar bin", erzählt er im SZ-Interview.

Dann machte er selbst Musik, gründete die Band "The Ramblers", nahm eine Platte auf und trat als Vorgruppe für Joan Jett in großen Hallen auf. Danach wurde er Manager, betreute Extrabreit ("Hurra, hurra, die Schule brennt") und Ina Deter ("Neue Männer braucht das Land"); kurzum: er war der Mitbegründer der Neuen Deutschen Welle. Sein Wirtschaftsstudium hat er nie abgeschlossen - die Eltern litten darunter. Er nicht, sagt er. Schließlich ging er erst zu Warner und kam dann zu Bertelsmann.

Vor acht Jahren gründete er BMG neu und baute das Geschäft auf. Die Zeiten der großen Musikunternehmen sind vorbei, glaubt Masuch: "Die werden sich schon Gedanken machen, warum sie am Wachstum der Musikbranche nicht mehr so stark teilhaben. Ihre Macht geht jedenfalls zurück." In den Charts gebe es auffällig viele Künstler, die nicht mehr an eine der drei großen Musikfirmen gebunden sind. Außerdem würden die Künstler selbstbewusster.

Trotzdem glaubt Masuch auch in Zeiten der Digitalisierung an die Wiederkehr der guten, alten Platte: "Ein Vinyl-Platte mit 'wertigem' Cover und das Recht zum Download, das könnte ein Teil der Zukunft sein."

"Hatte ziemlich viel Glück"

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