Bionade-Gründer verkaufen Anteile an Oetker Ende einer Familien-Saga

Eine Limonade, nicht aus Zusatzstoffen gemischt, sondern ökologisch hergestellt, gleichzeitig irgendwie chic und trendy: Bionade wurde wie kein anderes Produkt zum Symbol dafür, dass Öko-Lebensmittel die Bioläden verlassen und in die Mitte der Gesellschaft vorgestoßen sind. Doch nun verkauft die Gründer-Familie ihre Anteile komplett an den Oetker-Konzern.

Von Uwe Ritzer

Die Geschichte war einfach zu schön. Eine winzige Brauerei aus einem Städtchen in der bayerischen Rhön erfand eine Bio-Limonade, die nicht wie üblich aus Zusatzstoffen gemischt, sondern wie Bier gebraut wurde, nur ohne Alkohol. Die kleine Brauerei war wirtschaftlich dem Ruin nahe, und am Anfang wollte auch ihre Öko-Brause keiner haben. Bis sie in Hamburger Szenekneipen plötzlich als chic entdeckt wurde und auch in den Rest der Republik schwappte. Das ist die Geschichte der Bionade. Und es ist die Geschichte von Peter Kowalsky. Nun geht diese Geschichte jäh zu Ende.

Es war einmal ein Trend-Getränk: Bionade galt vor wenigen Jahren noch als großer Aufsteiger der Bioszene, inzwischen verkauft das Unternehmen jedoch immer weniger Limonaden. Jetzt übernimmt der Oetker-Konzern über die Radeberger-Gruppe vollständig die Mehrheit.

(Foto: ddp)

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Branchenkreisen hat die Bionade-Gründerfamilie um Peter Kowalsky ihre restlichen Anteile an der Firma Bionade verkauft. Das Unternehmen gehört nun vollständig dem bisherigen Mehrheitseigner, der Radeberger-Gruppe, die ihrerseits Teil des Oetker-Konzerns ist. An diesem Mittwoch sollen die Mitarbeiter in Ostheim vor der Rhön informiert werden, wie es mit der Firma und ihren Arbeitsplätzen weitergeht.

Von Radeberger gab es dazu am Dienstagabend ebenso wenig eine Stellungnahme wie von Peter Kowalsky. Der Brauingenieur war nicht nur Geschäftsführer; er war auch das Gesicht der Bionade. Sein Stiefvater Peter Leipold, ein Braumeister, hatte die besondere Rezeptur für das in den Geschmacksrichtungen Holunder, Litschi, Kräuter, Quitte und Ingwer-Orange gebraute Getränk entwickelt. Kowalsky vermarktete es geschickt. Er wolle "eine Volksbrause" daraus machen, sagte Kowalsky. Bionade wurde wie kein anderes Produkt zum Symbol dafür, dass Öko-Lebensmittel die Bioläden verlassen haben und in die Mitte der Gesellschaft vorgestoßen sind.

Marke verwässert, Öko-Kundschaft verprellt

"Das Wichtigste ist, dass wir genau wissen, wo wir herkommen und wo wir hin wollen", sagte Kowalsky einmal. Genau dieser Kompass ging der Marke verloren. Um die nötigen Mittel für die Expansion zu verschaffen, holte die Familie die Egon Schindel Holding ins Boot, die Muttergesellschaft von Rhön-Sprudel. Sie übernahm 51 Prozent der Bionade-Anteile und verkaufte diese 2009 weiter an die Radeberger-Gruppe. Da war das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Im Jahr zuvor hatte man den Preis für Bionade schlagartig um ein Drittel angehoben.

Die Quittung folgte prompt. Nach dem Rekordjahr 2007 mit 200 Millionen abgefüllten Flaschen brach der Absatz zuletzt um 60 Millionen Flaschen ein. Kowalsky und seine Familie sagten, sie hätten die Preiserhöhung nie gewollt. Und beklagten, dass unter dem angeblichen Diktat von Radeberger die Bionade bei Discountern im Regal stünde. Damit wurde die Marke verwässert und die Öko-Kundschaft verprellt. Zuletzt versuchte die Familie, das Ruder wieder an sich zu reißen. Aus der Bionade GmbH sollte eine Genossenschaft werden. Das scheiterte am Widerstand von Radeberger. Am Ende gab Kowalsky mit seiner Familie nicht nach, sondern auf.