Aus Angst vor Schäden meiden deutsche Autofahrer den neuen Kraftstoff. Dabei ist nach allen Erkenntnissen bisher kein einziges Auto liegengeblieben. Entwarnung will aber dennoch niemand geben.
Die Antwort lautet immer gleich: "Nein." Nein, es sind bisher keine Fälle bekannt, wo Autos durch E10 Schaden genommen haben. Nach Wochen des Boykotts, der Schuldzuweisungen zwischen Politik und Mineralölindustrie und nach dem Benzin-Gipfel ist dies ein entlarvender Befund. Das Drama um E10, um getäuschte Verbraucher, kaputte Dichtungen und Motoren - es scheint, als sei dahinter: nichts.
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Trotz allgemeiner Aufregung ist in Deutschland offenbar noch kein Auto wegen E10 liegengeblieben. (© AP)
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Die größte deutsche Prüfgesellschaft Dekra stellt jährlich ungefähr eine Million Schadensgutachten aus. Auf das Thema E10 sei man stark sensibilisiert, heißt es aus der Pressestelle. Im Gutachtenbereich des Unternehmens gibt es sogar einen Projektmanager, der sich mit dem neuen Benzingemisch und dessen Auswirkungen beschäftigt. Der dürfte bisher ziemlich wenig zu tun haben. Denn die Dekra hat, trotz ihrer erhöhten Aufmerksamkeit, in ihren 80 Niederlassungen in Deutschland bislang kein einziges Schadensgutachten im Zusammenhang mit E10 ausgestellt. Von tatsächlichen Befunden ganz zu schweigen.
Das zieht sich durch die ganze Republik. Der Zentralverband des deutschen Kraftzeuggewerbes betreut 38.300 Autowerkstätten. Hinweise auf E-10- Schäden sind dort bisher nicht eingegangen. Ob VW, Audi, Fiat oder ADAC: In keiner Firmenzentrale hat man von einem liegengebliebenen oder kaputten Ethanol-Wagen gehört.
Und auch auf den unteren Ebenen bestätigt sich dieses Bild. Das Porsche-Zentrum Hamburg betreut etwa 12.000 Kunden: Keiner war bisher wegen E10 in der Werkstatt. Autohaus Hetzer, Opel-Händler aus Berlin Charlottenburg: bei 10.000 Kunden kein einziger Fall. Wo man auch hinschaut, bei Ford in Westfalen, Citroën in Erfurt, Nissan in Augsburg: Kein einziges Auto scheint Schaden genommen zu haben.
Beschädigt ist hingegen das Vertrauen der Verbraucher in Politik und Mineralölindustrie. Obwohl mehr als 90 Prozent der Autofahrer E10 tanken dürften, tun dies nur wenige. Am Donnerstag schließlich gab Marktführer Aral bekannt, im Laufe des Jahres wieder an allen Tankstellen Super E5 anbieten zu wollen. Man könne nicht an den "Kundenwünschen vorbei verkaufen", hieß es aus dem Unternehmen; E 10 führe man jedoch weiterhin. Mit der Anzeige des Automobilclubs ADAC, die genau das von den Tankstellen verlangt hatte, habe die Aktion jedoch nichts zu tun.
Test: 8000 Kilometer problemlos
Ob die Beimischung von Ethanol tatsächlich ökologisch sinnvoll ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Für die Angst der Autofahrer, ihr Fahrzeug könne durch die "Öko-Plörre", wie E 10 bei der Bild-Zeitung heißt, kaputtgehen, gibt es, etwa zwei Monate nach der Einführung, kaum Belege.
Der ADAC testet momentan den Opel Signum. Offiziell verträgt der kein E10. Doch der Mittelklasse-Wagen fährt, trotz Bio-Betankung, bisher 8000 Kilometer ohne Probleme. Dies sei aber kein Freibrief, entgegen der Freigabeliste der Hersteller zu tanken, so der Club. Wer zum Beispiel bisher nur Benzin mit mindestens 98 Oktan tanken sollte, kann jetzt natürlich auch nicht E10 mit 95 Oktan verwenden. "Ein gehöriger Anteil Angst", hervorgerufen durch die schlechte Informationspolitik der Mineralölkonzerne, verhindere, so ein ADAC-Sprecher, solche Experimente ohnehin.
Auch in den USA klappt's
Drastische Warnungen, E 10 könne Aluminiumteile beschädigen, Dichtungen und Schläuche durchlöchern, gar zum plötzlichen Motortod führen, haben sich nicht erhärtet. Wenn überhaupt, ist von einem schleichenden Prozess des Verschleißes die Rede. Doch selbst der wird von Sachverständigen nicht erwartet. "In den Vereinigten Staaten fahren auch viele Autos", heißt es bei Aral lapidar.
Bernhard Ederer, technischer Experte von BMW, hat Erfahrung mit Ökobenzin. Seit 1989 werden die Wagen der Münchner Firma in den USA mit erhöhten Ethanol-Beimischungen getankt. Motorschäden, liegengebliebene Fahrzeuge: Fehlanzeige. Er glaubt, dass auch in Deutschland nichts passiert, die Motoren seien schließlich die gleichen.
Schweden tanken sogar E85
Peter Weisheit von VW ist ebenfalls zuversichtlich: "Wir wissen genau, was wir tun. Schließlich fahren unsere Autos seit Jahren in Südamerika und Schweden mit E100 und E 85." Das Ausbleiben der befürchteten Schäden erstaunt die Fachleute daher nicht.
Doch Entwarnung will niemand geben. Zu groß war die Aufregung, und zu groß ist inzwischen die allgemeine Verwirrung. Auch wenn die Testergebnisse dagegensprächen, könne es, so der ADAC, theoretisch noch zu Schäden kommen, "mittelfristig, langfristig oder eben gar nicht".
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(SZ vom 09.04.2011/ema/hgn)
Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
warum soll ein Auto in Schweden den Kraftstoff vertragen und in Deutschland nicht ? Das ist eine Scheindebatte.
Schlimm finde ich, daß diese sogenannten Bio-Treibstoffe in aller Welt zu riesigen Monokulturen in der Landwirtschaft führen und in Asien und Südamerika die Regenwälder abgeholzt werden in einem Tempo, das den Klimawandel garantiert stark fördert. Der Klimawandel sollte doch gerade bekämpft werden.
Mein ein Jahr altes Fahrzeug (Skoda Superb 1.4 FSI) ist vom Hersteller für E10 freigegeben. Leider fährt das Fahrzeug aber mit dem Kraftstoff nicht. Ab 2000 Umdrehungen/min stottert der Motor und nimmt das Gas nicht mehr konstant an, sondern hat Aussetzer mit extremen Leistungsabfall. Der Skodahändler hat bestätigt, dass das am E10 Kraftstoff liegt. Dieser Motor wird noch in anderen Marken im Volkswagen Konzern (Audi, VW, etc.) verbaut. Für mich ist die Freigabe dieses Motors für E10 ein Skandal. Was bringt es dem Autofahrer wenn die Dichtungen E10 vertragen, aber die Motorsteuerung nicht mit dem Kraftstoff zurechtkommt. Ich hätte mir von Europas größtem Autohersteller gewünscht, dass Sie vor einer Freigabe auch einmal eine Probefahrt machen. Die Darstellung in den Medien, wonach die Einführung von E10 nur ein psychologisches Problem der Autofahrer ist, trifft leider nicht zu. Die Autoindustrie hat Ihre Produkte nicht im Griff, bzw. bietet keine notwendigen Softwareupdates für die Motorsteuerung an.
"Der Zentralverband des deutschen Kraftzeuggewerbes "
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Und bei Porsche hat mein keine Schadensfälle? Kunststück, entweder soll man ohnehin Superplus tanken oder aber Diesel.
von ein Jahr alten Autos fest. Knapp ein Jahr alt?
Pressemitteilung von 15.12.2010: "Der Opel Insignia und der ... sind die Sieger des Mängelreports 2011 der Prüforganisation Dekra. Wie die Dekra am Mittwoch mitteilte, ist der Insignia das Auto mit der niedrigsten Mängelquote."
Ich persönlich weiß, dass der Autokauf die zweithöchste Investition nach dem Hausbau ist. Aus diesem Grund macht der Autofahrer keine Experimente und hält sich an die Bedienungsanleitung seines Fahrzeuges vom Tag der ersten Zulassung. Egal, wie alt das Auto ist. Was damals vom Hersteller verbindlich empfohlen wurde, wird getankt...
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