Betrug und Geldwäsche Razzia bei griechischen Bankern und Unternehmern

Kaum hat Griechenland mit großem Tamtam die EU-Ratspräsidentschaft übernommen, da nehmen Polizeibeamte zwei Dutzend Ex-Banker und Geschäftsleute fest. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Untreue, Betrug und Geldwäsche vor.

Von Christiane Schlötzer und Tasos Telloglou, Athen

Das Opernballett gab das Stück "Reise in die Ewigkeit", Premier und Präsident saßen in der ersten Reihe, und auch EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso genoss das griechische Liedgut. Der Festakt zum Auftakt der griechischen Ratspräsidentschaft im Konzertsaal des Megaro Mousikis war noch voll im Gange, da schwärmten in Athen am Mittwochabend Polizeibeamte aus, um etwa zwei Dutzend Haftbefehle an ehemalige Banker und griechische Geschäftsleute zuzustellen.

Einen der prominentesten Unternehmer des Landes, Dimitris Kontominas, fanden die Beamten in einem Krankenbett. Der Mann hatte sich in eine Privatklinik zurückgezogen, wo er sich auch am Donnerstag offenbar noch befand. Kontominas besitzt den drittgrößten privaten TV-Sender des Landes, Alpha TV. Es geht das Gerücht, dass er von der bevorstehenden Festnahme im Voraus Wind bekommen hat. Dies könnte auch erklären, warum die Aktion unbedingt noch in der Nacht stattfinden musste, in der die Regierung von Premier Antonis Samaras all den angereisten EU-Honoratioren eigentlich nur ihr bestes Gesicht zeigen wollte.

Festgenommen wurden bei der nächtlichen Razzia zwei ehemalige Vizedirektoren der Griechischen Postbank, die im Mittelpunkt der neuen Ermittlungen steht. In einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen sprach die Athener Staatsanwaltschaft von insgesamt 25 Personen, denen im Zusammenhang mit faulen Krediten der einst staatlichen Postbank Untreue, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen werde. Kontominas, der zu den Kreditnehmern und Geschäftspartnern der Bank gehörte, hat in einer schriftlichen Erklärung bereits alle Schuld bestritten.

Hunderte Millionen Euro Schaden

Nach Angaben der Justiz geht es um Kredite aus den Jahren 2007 bis 2009 in Höhe von 300 Millionen Euro, für die es keine ausreichenden Sicherheiten gab. Mit einer Firma von Kontominas, der Demco, hatte die Postbank ein gemeinsames Unternehmen zur Herausgabe einer Kreditkarte, der Postcard, gegründet, an der beide Partner 50 Prozent hielten.

Der Schaden allein aus diesem Engagement soll sich für die Postbank auf 110 Millionen Euro belaufen, rechnete die Justiz vor. Weitere 100 Millionen Euro musste die Bank aus Krediten an den Unternehmer Lavrentis Lavrentiadis abschreiben. Ihn musste die Polizei nicht mehr suchen. Der Mann befindet sich bereits seit Ende 2012 in Untersuchungshaft, er ist schon wegen Betrug, Unterschlagung und Geldwäsche angeklagt.

Lavrentiadis besaß einst selbst eine Bank, das Geldinstitut Proton. Der Unternehmer hatte dieses 2009 übernommen und zweigte dann mit Kompagnons angeblich 701 Millionen Euro ab. Proton wurde inzwischen verstaatlicht und mit 900 Millionen Euro aus griechischen Bankenrettungsfonds vor der Pleite bewahrt, weil andernfalls viele Kleinanleger ihr Geld verloren hätten. Auch Lavrentiadis hat die Vorwürfe bestritten.

Inzwischen gehört Proton der griechischen Eurobank, die im Zug der Konsolidierung des Bankensektors 2013 auch die Postbank mit 20.000 Mitarbeiter und 1100 Filialen übernommen hat. Die Postbank war zuvor schon im griechischen Bankenrettungsfonds aufgegangen und 2013 in eine Bad Bank und ein gesundes Institut gesplittet, nachdem Versuche, sie zu veräußern, fehlgeschlagen waren.

Die Postbank wurde bereits 1900 gegründet

Die Affäre um die ehemalige Postbank-Spitze ist bereits der dritte Bankenskandal, der bekannt geworden ist. Nach der Proton-Bank hatten sich die Ermittler auch die First Business Bank (FBB) des Geschäftsmannes Viktor Restis vorgenommen, der im Juli 2013 in Untersuchungshaft genommen wurde. Die Vorwürfe gegen Restis lauten ebenfalls auf Geldwäsche und Unterschlagung. Auch er hat die Anschuldigungen zurückgewiesen. Bei der Restis-Bank überstiegen die Passiva die Aktiva zuletzt um 524 Millionen Euro. Eine Lücke, für die der Steuerzahler aufkommen muss. In allen drei Fällen hat die griechische Zentralbank wesentlich zur Aufklärung beigetragen. Zudem hat eine neue Generation in der Justiz keine Angst mehr vor dem Durchgreifen.

Die Postbank hatte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch für eine Werbefirma engagiert, die für prominente Politiker tätig war, etwa für den konservativen Politiker Nikitas Kaklamanis, der bis 2010 Bürgermeister von Athen war, oder für einen Bruder von Ex-Premier Giorgos Papandreou. Die Firma ist pleite, ihre Chefs verschwunden mit den 20 Millionen Euro, die sie vor der Bank ohne Garantien bekamen.

Auch die Führung der Postbank war einst von Politikern ausgesucht worden, zu Zeiten der konservativen Regierung von Kostas Karamanlis leitete sie ein Vertrauter des Premiers. Danach kam mit dem Regierungswechsel ein Pasok-Mann an die Spitze. Die Postbank ist eines der ältesten Geldinstitute des Landes. Im Jahr 1900 wurde sie von Prinz Georg von Griechenland auf Kreta als Sparkasse gegründet. Sie profitierte lange davon, dass es auch in entlegenen Winkeln des Landes Postämter gab.