Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Einblicke in die geheimnisvollste Bank der Welt

Draghi, Bernanke, Weidmann und 15 Kollegen treffen sich alle zwei Monate sonntagabends zum Dinner in Basel. Was dort besprochen wird, beeinflusst das Schicksal von Milliarden Menschen. Hauptthemen, erinnern sich Teilnehmer, sind "die Qualität des Weins und die Dummheit der Finanzminister". Und dann ist da auch noch diese Nazi-Vergangenheit.

Von Wolfgang Koydl

Wenn Banker jammern, wie schwierig ihr Gewerbe geworden sei, fällt über kurz oder lang der Name Basel, garniert mit einer Zahl von eins bis drei: Basel I, II und III stehen für die Regelwerke, mit denen Finanzinstitute in aller Welt wenn schon nicht auf den Pfad der Redlichkeit und Rechtschaffenheit, so doch wenigstens auf den Weg der Vorsicht und der Vernunft gezwungen werden sollen.

Hinter den Kurzformeln verbergen sich komplizierte Vorschriften, welche vor allem die Fragen der Liquidität und der Eigenkapitalreserven klären.

Diese Regelwerke sind global gültig, doch niemand hinterfragt, warum sie ausgerechnet den Namen einer Stadt tragen, die weniger für ihre Finanzinstitute bekannt ist als für Pharmafirmen und Fußball. Auch große Finanzorganisationen wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) sind nicht hier zu Hause, sondern in Washington.

Tatsächlich aber beherbergt Basel die älteste, geheimnisvollste und wohl einflussreichste Finanzinstitution der Welt: die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Wenn man überhaupt einmal von ihr gehört hat, dann meist mit dem ehrfurchtgebietenden Zusatz "Zentralbank der Zentralbanken". Doch selbst dies wird ihrer Bedeutung nicht gerecht. In ihren Mauern tagt der wohl mächtigste Klub der Welt. Seine 18 Mitglieder sind von niemandem gewählt und auch niemandem rechenschaftspflichtig. Doch was sie hier alle zwei Monate besprechen, beeinflusst das Schicksal von Milliarden Menschen.

Nicht schlecht für eine Bank wie die BIZ, die mit nur 120 Kunden und zwei Zweigstellen ein Eigenkapital von 28 Milliarden Dollar und einen Jahresgewinn von 1,17 Milliarden Dollar vorweisen kann. Nicht schlecht auch für eine Organisation, die vor 83 Jahren aus der Erbmasse des Ersten Weltkrieges hervorging, im Zweiten Weltkrieg den Holocaust und die Kriegsmaschine der Nazis finanzierte und nach dem Krieg die Einführung einer europäischen Einheitswährung zu einer Zeit vorantrieb, als Politiker dies als Hirngespinst verwarfen.

Journalisten müssen das Gebäude verlassen

Bei all ihren Tätigkeiten blieb die BIZ meist unbeobachtet unter dem Radar der Öffentlichkeit. Das gilt bis heute: Trotz Website und Twitter-Konto hält die Bank der Banken alle relevanten Informationen unter Verschluss. Die wenigen Journalisten, die ins Hauptquartier, einen kreisrunden Büroturm am Basler Hauptbahnhof, vorgelassen werden, dürfen sich nur in Begleitung von Raum zu Raum bewegen. Sobald um 12.30 Uhr die Angestellten der Kantine zustreben, müssen sie das Gebäude unverzüglich verlassen.

Nun liegt zum ersten Mal eine umfangreiche Untersuchung dieser mysteriösen Organisation vor, die eigentlich niemand braucht, die es aber immer wieder verstanden hat, sich unentbehrlich zu machen. "Tower of Basel" nennt der amerikanische Topjournalist Adam LeBor sein 323 Seiten umfassendes Buch, das soeben erschienen ist - "die schattenhafte Geschichte der geheimen Bank, welche die Welt regiert". Nach LeBors Überzeugung weist der Turm von Basel Parallelen zum Turm von Babel auf: Mit nur 18 Stockwerken "ragt er zwar nicht bis in den Himmel, aber viele von jenen, die in ihm arbeiten, glauben, dass sie ein beinahe himmlisches Mandat besitzen". Heute sei die Bank zu einem der "reichsten und einflussreichsten Anachronismen der Welt" geworden.

Gegründet wurde die Bank für internationalen Zahlungsausgleich im Jahr 1930 für nur einen Zweck: Über sie sollten die Reparationszahlungen abgewickelt werden, zu denen Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg von den Siegermächten verurteilt worden war. Man wählte Basel, weil Paris sich einem Sitz der neuen Bank in London widersetzte. Für Basel sprach die Lage in der neutralen Schweiz, gleich an der Grenze zu Deutschland und Frankreich.

Treibende Kraft waren Montagu Norman, der Präsident der Bank von England, und Hjalmar Schacht, der Chef der Deutschen Reichsbank. Als Mitgründer kamen die Notenbanken von Frankreich, Italien und Belgien, ein Konsortium japanischer Geschäftsbanken und ein US-Trio bestehend aus J.P. Morgan, First National Bank of New York und First National Bank of Chicago an Bord. Die Fed, die amerikanische Zentralbank, stand dem Unternehmen lange skeptisch gegenüber. Sie trat der BIZ erst 1994 formell bei.

Doch als die Weimarer Republik 1932 das Ende deutscher Reparationszahlungen durchsetzte, wäre die BIZ eigentlich schon wieder überflüssig gewesen. Aber Norman und Schacht hatten von Anfang an ohnehin andere Pläne: Ihre Bank sollte ein exklusiver Klub für die Chefs der Notenbanken werden - mächtig, unabhängig, frei von der Einmischung durch Regierungen und abgeschirmt vor neugierigen Journalisten.

Noch wichtiger: Die Bank finanzierte sich selbst und war nicht auf Zuwendungen von Regierungen angewiesen.