Maria-Elisabeth Schaeffler in großer Not: Ihr Konzern hat sich mit der Übernahme von Conti verhoben, will nun Tausende Stellen abbauen - und riskiert Krach mit der IG Metall.
Die Schwierigkeiten des angeschlagenen Automobilzulieferers Schaeffler nehmen immer dramatischere Formen an. Nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen sollen angesichts drastischer Einbrüche im Autogeschäft weltweit etwa 8000 Stellen gestrichen werden. 4000 Arbeitsplätze wurden seit September 2008 bereits abgebaut. Auch in Deutschland sollen viele hundert Jobs wegfallen. Die IG Metall kündigte massiven Widerstand gegen etwaige Kündigungen an.
Maria-Elisabeth Schaeffler - ihr Unternehmen hat sich am Conti-Deal verhoben. (© Foto: dpa)
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Damit droht dem Schaeffler-Management ein schwerer Konflikt. Denn ausgerechnet die Gewerkschaft ist ihr mächtigster Verbündeter, wenn es um etwaige Staatshilfen für den durch die Übernahme der Continental AG hochverschuldeten Konzern geht. Als erste Voraussetzung für Staatshilfen gilt, dass Schaeffler ein Gesamtkonzept für die künftige Struktur von Schaeffler und Conti sowie für eine Entschuldung des Verbundes vorlegt. Dieses Konzept sei in den Grundzügen fertig, heißt es in Finanzkreisen. Allerdings stockt offenbar die Abstimmung des Plans mit den fünf Gläubigerbanken von Schaeffler und den 33 Kreditgebern Contis. Es heißt, einige Banken hätten kein Interesse, schon in den kommenden Monaten Fakten zu schaffen, die zu hohen Abschreibungen führen. Allein die Commerzbank hat Kredite von mehr als sechs Milliarden Euro an Schaeffler und Conti vergeben. Auch die Politik dürfte froh sein, nicht noch vor der Bundestagswahl über mögliche Staatshilfen für Schaeffler entscheiden zu müssen.
Unternehmen in der Zwickmühle
Die Banken hatten Schaeffler Anfang April einen Überbrückungskredit von einer Milliarde Euro gewährt, um dem Unternehmen Zeit für eine Neuordnung zu geben. Sie dürften dabei auch auf Kostensenkungen gedrängt haben, um die Chance zu erhöhen, dass Schaeffler die Kredite bedienen kann. Doch der notwendige Stellenabbau bringt Schaeffler nun in die Zwickmühle. In besseren Zeiten hatten die Eigentümer, Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, sowie Geschäftsführer Jürgen Geißinger die Gewerkschaft als notwendiges Übel betrachtet. Inzwischen kann man sich das nicht mehr leisten. Die IG Metall ist die wichtigste Fürsprecherin in Sachen Staatshilfe. Die Gewerkschaft ließ sich dies mit mehr Transparenz und Mitbestimmungsrechten bezahlen. So wird Geißinger am Dienstag einen Canossagang antreten müssen. Im Wirtschaftsausschuss des Konzerns muss er den Arbeitnehmervertretern die geplanten Personaleinschnitte schmackhaft machen.
70.000 Menschen beschäftigte Schaeffler noch im September. Inzwischen sind es noch etwa 66.000. In Deutschland wurden 500 Stellen gestrichen, fast alle durch Fluktuation. Nun stehen größere Einschnitte an. Denn für 2009 rechnet Schaeffler mit einem Umsatz von unter acht Milliarden Euro. Die Personalplanung sei jedoch auf mehr als zehn Milliarden Euro ausgerichtet, sagt die IG Metall. Die Aufträge seien um bis zu 40 Prozent eingebrochen, und Schaeffler rechne damit, frühestens 2012 wieder eine Auslastung auf dem Niveau von 2007 zu erreichen. Kurzarbeit reiche längst nicht mehr aus, um die Einbrüche abzufedern, heißt es in Firmenkreisen. "Durch die massiven Belastungen aus der Conti-Übernahme ist zusätzlicher Druck im Kessel", sagt Wolfgang Müller, bei der IG Metall für Schaeffler zuständig.
Erst 2012 wieder ausgelastet
Bei Schaeffler gibt man sich verschlossen. Man kommentiere keine Zahlen, sagte ein Sprecher. Das Management wolle zunächst die Arbeitnehmervertreter informieren. Aus firmennahen Kreisen sickerte jedoch durch, es stünde ein Abbau von 8000 Stellen weltweit an. In Deutschland arbeiten derzeit 28000 Menschen für die Firma. Wie es heißt, soll der Abbau nicht nur in einzelnen Werken, sondern flächendeckend stattfinden. Die IG Metall wehrt sich nicht grundsätzlich dagegen. "Wir können uns seriöserweise in der schwersten Wirtschaftskrise nicht hinstellen und sagen, dass jeder Arbeitsplatz erhalten werden muss", sagt Müller. Aber betriebsbedingte Kündigungen müssten nicht sein, und die Auszubildenden müssten übernommen werden. Stattdessen solle die Kurzarbeit auf bis zu zwei Jahre ausgedehnt werden.
- Schaeffler und Continental Späte Rache 24.04.2009
- Schaeffler und Porsche Davids Scheitern 24.04.2009
- Neuer Kredit Frisches Geld für Schaeffler 07.04.2009
(SZ vom 08.05.2009/mel)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
meiner Meinung nach trifft Fr. Schäffler im Moment der mediale "Ypsilanti-Faktor" (von der man - wie auch von Fr. Schäffler halten kann was man will). Zuviele Männer in hohen Positionen (und auch darunter) können es einfach immer noch nicht ab, wenn eine Frau erfolgreich ist - und das war sie.
Ich gebe dem Vorredner recht - warum wird sich hier einzig auf Schäffler eingeschossen, wenn andere sich auf anderen Baustellen ebenso verhoben haben?!
viel schlimmer aber wohl, daß sowohl Banken (die die günstigen Staatskredite weitergeben müssten und zwar nicht teuer um ihre eigenen Schulden zu tilgen, sondern um den Markt zu retten!!!) wie auch Politiker sich von der allgemeinen Stimmungsmache der Medien beeinflussen lassen. Das geht so nicht und ist absolut nicht neutral!
Es ist - bezogen auf das Unternehmen "Schäffler" einfach schlichtweg sch....egal, wieviele Häuser und Pelzmäntel die Unternehmenschefin hat. Andere Bosse verschleudern das Firmenkapital in Tschechischen Freudenhäusern (siehe Siemens!).
Hier MUß man einfach unterscheiden - es geht in erster Linie um die Rettung von Arbeitsplätzen und eines bislang gut laufenden Unternehmens, sowie (als Effekt) die Bewältigung dieser von Banken (nicht von Fr. Schäffler) herbeigerufenen Krise!
... so lange bei Schaeffler Dinge zu einem marktfähigen Preis hergestellt werden, die auch jemand braucht, sind die Arbeitsplätze sicher. Wenn die hergestellten Dinge zu teuer werden oder Dinge hergestellt werden, die kein Mensch braucht, werden die Leute entlassen. Dabei ist es total egal, wem das Unternehmen gehört.
Warum kapiert das niemand? Bei dem ganzen Gewinsel um Staatsknete geht's doch einzig und allein darum, der Familie Schaeffler das Vermögen zu erhalten und die Gewerkschaften und Mitarbeiter lassen sich gerne vor diesen Karren spannen.
die banken sind wahrscheinlich sogar mit-drahtzieher bei der ganzen sache. die banken spielen ihr eigenes spiel, ist doch klar. ich meine, dass der staat anteile an dem unternehmen erhalten muss, wenn er finanzielle unterstützung leisten soll und andere hampelmänner die posten von schaeffler & co. einnehmen müssen.
Schaeffler gehört bereits den Banken, insofern haben die Beiden sich selber quasi schon teilenteignet.... - oder meinst Du die Banken?? ^^
Wie gesagt, bislang konnte mir noch keiner plausibel machen, was den Kasinokapitalsimus seitens der Finanzwirtschaft wertiger macht, als den der Produktivwirtschaft. Oder könnte es auch an den Pöstchen diverser Politprofis liegen? Klärt mich auf...
ganz recht -- schaeffler _WAR_ eine solide firma, bis sie mit vorsatz an die wand gefahren wurde. staatshilfen könne von mir aus fliessen -- aber nur, wenn die schaefflers ihren hut nehmen. es kann nicht angehen, dass ein solides unternehmen als spiel-einsatz für gierige zockende unternehmer herhalten muss und wenn das spiel verloren ist nach dem staat geschrieen wird. wann gedenken die herrschaften aus ihren grossen fehlern die konsequenzen zu ziehen?
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