Armut in Deutschland Wehe, es erwischt einen

Im reichen Deutschland sind immer mehr Menschen arm, zeigt der Datenreport 2013.

Es gibt in Deutschland Anlass zur Sorge. Der Datenreport, den die Statistiker und Sozialexperten vorgelegt haben, zeigt, dass sich die Armut ausgerechnet in Europas stärkster Volkswirtschaft verhärtet. Damit darf sich keine Koalition mehr abfinden.

Ein Kommentar von Thomas Öchsner, Berlin

Weltweit wird es bestaunt, das Jobwunder "made in Germany". Doch nun bestätigt der Sozialbericht des Statistischen Bundesamts quasi offiziell: Der Boom am Arbeitsmarkt hat Schattenseiten. Die künftige Regierung sollte die Analyse deshalb genauso sorgfältig lesen wie das Gutachten der Wirtschaftsweisen, die vor Kurzem noch ein allzu schönes Bild vom Arbeitsmarkt zeichneten.

Der Befund, den die Statistiker und Sozialexperten vorgelegt haben, gibt Anlass zur Sorge: Gewiss, es ist nach wie vor richtig, dass in der Bundesrepublik so viele Menschen wie noch nie Arbeit haben.

Das heißt allerdings nicht, dass mehr geleistet wird. Die Arbeit wurde nur auf mehr Köpfe verteilt. Das hat positive Effekte, weil Menschen, die vorher arbeitslos waren, jetzt einen Job haben. Gleichzeitig ist aber zumindest langfristig die Zahl der Minijobs, der befristeten Verträge und Teilzeitstellen gestiegen. Und immer mehr Menschen sind von Armut bedroht.

Schlimm ist daran vor allem eines: Die Armut im reichen Deutschland verhärtet sich. Von unten aufzusteigen ist ausgerechnet in Europas stärkster Volkswirtschaft besonders schwer. Der Satz "einmal arm, immer arm" mag übertrieben sein. Die Aussage "einmal arm, oft auf Dauer arm" wird durch den Bericht eindeutig belegt. Für das reiche Deutschland ist dies ein Armutszeugnis. Damit darf sich keine Koalition mehr abfinden.