Arbeitszeit Nahles will neue "Wahlarbeitszeit"

Die klassische Stechuhr gibt es in den meisten Unternehmen nicht mehr, dennoch herrscht in Deutschland immer noch vorwiegend eine Anwesenheits-Kultur.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • Zwei Drittel aller Beschäftigten haben mittlerweile nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) einen digitalisierten Arbeitsplatz.
  • Ihr Präsident Ingo Kramer fordert nun, das Arbeitszeitrecht von einer Tageshöchstarbeit auf eine Wochenarbeitszeit umzustellen.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Smartphones und Laptop machen's möglich: Viele Arbeitnehmer arbeiten mobil, im Zug, zu Hause oder im Kaffeehaus. Gleichzeitig verändert sich die Arbeitswelt in den Betrieben. Hochintelligente Roboter übernehmen Tätigkeiten, die bislang in der Hand von Facharbeitern waren. Logistische Netze, die vom Lager bis zum Lieferanten nur mit wenig Menschen auskommen, zeigen, wie die Arbeitswelt digital vernetzt wird.

Zwei Drittel aller Beschäftigten haben mittlerweile nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) einen digitalisierten Arbeitsplatz. Ihr Präsident Ingo Kramer ist deshalb überzeugt, dass es höchste Zeit für neue Arbeitszeiten ist. "Es sollte zum Beispiel möglich sein, auch einmal über zehn Stunden hinaus zu arbeiten und den Ausgleich hierfür an anderen Tagen zu nehmen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Kramer geht es dabei um das Arbeitszeitgesetz. Es schreibt den Acht-Stunden-Tag vor, lässt aber schon jetzt viele Ausnahmen zu. Der Arbeitgeberpräsident fordert stattdessen, das Arbeitszeitrecht von einer Tageshöchstarbeit auf eine Wochenarbeitszeit umzustellen. "Es geht nicht darum, die Arbeitszeiten pauschal zu verlängern, sondern flexibler auf die Wochentage verteilen zu können", sagt er.

SZ-Grafik; Quelle: DIW

Kramer denkt dabei an die zunehmende Digitalisierung der Arbeit: "Wir können nicht mit den Regulierungen der dritten industriellen Revolution die Wirtschaft 4.0 regulieren." Die Forderung ist nicht neu: Schon im Frühjahr 2015 hatte sich der BDA dafür stark gemacht, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen. Begründet wurde dies mit den Arbeitsabläufen in weltweit tätigen Konzernen, die "über Zeitzonen hinweg" mit Mitarbeitern in Asien oder den Vereinigten Staaten kommunizieren müssten.