Apotheker fordern mehr Geld Glanz im Auge

624 Millionen oder 30.000 Euro pro Apotheke: Der Apothekerverband beklagt Gehaltseinbußen und verlangt mehr Unterstützung durch das Gesundheitssystem. Doch warum sollte es den Pharmazeuten anders gehen als jedem anderen Arbeitnehmer? Die Politik sollte das Anliegen zurückweisen.

Ein Kommentar von Guido Bohsem

Das deutsche Gesundheitssystem schwimmt derzeit im Geld, die Reserven liegen bei knapp 20 Milliarden Euro. Diese Zahl hat ein Glänzen in die Augen der Lobbyisten gezaubert. Seit Wochen treibt sie der Gedanke um, wie sie einen größeren Anteil am Kuchen ergattern können. Nun hat auch der Apothekerverband seinen Wunschzettel präsentiert: Zusätzlich 624 Millionen Euro will er haben und zwar sofort - auf die einzelne Apotheke gerechnet sind das fast 30.000 Euro im Jahr.

Die Funktionäre fordern das Geld, weil die Kosten in den vergangenen Jahren gestiegen sind, die Honorare aber geringer ausfielen. Das kann man verstehen. Und doch muss man fragen, welchem Arbeitnehmer es eigentlich in den vergangenen zehn Jahren anders ging. Es war auch dieser Gehaltsverzicht, der Deutschland so gut hat durch die Krise kommen lassen.

Selbstverständlich sollen die Apotheker ein gutes Auskommen haben. Sie leisten anspruchsvolle und engagierte Arbeit, indem sie etwa die komplizierten Rabattverträge auf nachgemachte Medikamente umsetzen und ihren Kunden erklären. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sie ihr Geschäft in einer geschützten Nische eingerichtet haben.

Zur Erinnerung: In Deutschland darf eine Aktiengesellschaft zwar ein Atomkraftwerk betreiben, aber keine Apotheke. Das hat die Lobby der Pharmazeuten erfolgreich verhindert, wie nicht zuletzt der Rückzug des Großhändlers Celesio aus diesem Markt zeigt. Doch die Zugeständnisse der Politik müssen einen Preis haben. Die Sparauflagen der Regierung sollten weiterhin bestehen bleiben.