American Apparel Maximal zwei

Fast alle Läden der einst hippen Klamottenkette American Apparel in Deutschland schließen - zwei Filialen in Berlin könnten vorerst erhalten bleiben. Die Frage ist nur, woher sie die benötigte Ware bekommen sollen.

Von Michael Kläsgen

Von der einst kultigen Bekleidungskette American Apparel werden in Deutschland höchstens noch zwei Läden übrig bleiben. Wenn alles gut geht, überleben zwei Geschäfte in Berlin. Insolvenzverwalter Wolf-Rüdiger von der Fecht führt darüber gerade noch Gespräche mit den neuen Eigentümern. Die Mitarbeiter fragen sich allerdings, woher die Klamotten für die Läden kommen sollen. Denn auch in den USA ist American Apparel pleite. Und der neue kanadische Eigentümer Gildan, der für 88 Millionen Dollar Markenrechte und Produktionsanlagen gekauft hat, ist explizit an "Stores" nicht interessiert, gleich gar nicht in Europa. Ob also aus Berlin etwas wird, ist nicht sicher.

Ansonsten sieht es für die Mitarbeiter in ganz Europa noch finsterer aus. "Die Stores in Frankfurt, Stuttgart, München, Hamburg und Köln werden geschlossen", teilte der Insolvenzverwalter von der Fecht mit. In Zürich, Wien, Stockholm und Amsterdam sind die Läden derweil entweder schon dicht oder ihre Schließung wird gerade vorbereitet. Nur in Paris könnten im besten Fall sechs Geschäfte erhalten bleiben. Fecht ist gerade in den letzten Zügen der Verhandlungen. Der Rest, also die Geschäfte in allen anderen französischen Städten, wird aber mit Sicherheit abgewickelt.

Der Insolvenzverwalter betont zwar, dass er "hinsichtlich der betroffenen Mitarbeiter" die insolvenz- und arbeitsrechtlichen Vorschriften beachten werde. Trotzdem sind die Beschäftigten entsetzt darüber, dass jetzt alles so schnell geht. "In drei Wochen ist alles vorbei", sagt einer von ihnen in Stuttgart. "Kein Job mehr und nur noch Geld vom Arbeitsamt." Viele Mitarbeiter hatten etwas anderes erwartet. Die Kette wollte sich als ethisch und moralisch korrekt handelndes Unternehmen profilieren. Ein Markenzeichen war, nur in den USA gefertigte Kleidung zu verkaufen und nicht wie andere Marken die Textilien billig in Fernost produzieren zu lassen.

Das funktionierte offensichtlich nicht so gut, weil es viel teurer ist, in den USA zu produzieren als in Bangladesch oder Indien. Hinzu kam, dass Firmengründer Dov Charney in diverse Skandale um Sex und Firmengeld verwickelt war, ehe er Ende 2014 eben deswegen abtreten musste. Das war dem Image der Marke auch nicht zuträglich und beschleunigte ihren Niedergang. In den USA schlossen zahlreich Läden schon vor dem Jahreswechsel.

Die Mitarbeiter befürchten, die vereinbarten Abfindungen nicht zu erhalten

In Deutschland, sagen Mitarbeiter, würden sie einfach nur gern korrekt behandelt werden. Eigentlich hatten sie es so verstanden, dass sie drei Monate lang nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 30. Januar, also bis Ende April, sozial abgesichert seien. Doch jetzt kommt alles anders.

In Stuttgart erhielten die verbliebenen fünf Mitarbeiter an diesem Mittwoch die Kündigung schriftlich. Am Samstag werden sie schon ihren Laden schließen müssen. An dem Samstag machen auch die Stores in Frankfurt und Köln zu (die in München und Hamburg folgen Mitte März). Und nur bis Ende des Monats werden die Mitarbeiter noch bezahlt. Ein Teil der vereinbarten Abfindungen, so fürchten sie, werde nicht ausbezahlt.

Der Betriebsrat sieht dadurch seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Er bedauert, dass der im Oktober 2016 beschlossene Sozialplan nicht eingehalten werden soll. Der sah die vollumfängliche Auszahlung der vereinbarten Abfindungen vor. Doch jetzt wolle man davon nichts mehr wissen. Der Betriebsrat wirft American Apparel deswegen vor, sich bewusst der sozialen Verantwortung entzogen zu habe, um den Verkauf der Firma attraktiver zu gestalten.