Alternative Währungen Akademie für neues Geld

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 30 solcher Komplementärwährungen. Allerdings nicht zum Wiederaufbau von vollkommen verarmten Stadtvierteln, sondern vor allem zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft und Identität - und als Werbemittel für den entsprechenden Landstrich.

"Scheckgutschein" steht gut sichtbar auf dem Roland, der Regionalwährung von Bremen und umzu. Sie gilt als erste Regionalwährung Deutschlands. Die Mitglieder des Roland-Wirtschaftsringes feierten im Oktober das zehnjährige Bestehen der Währung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Da gibt es zum Beispiel den etablierten "Chiemgauer", von dem in Süddeutschland mehr als 500.000 Stück in Umlauf sind, die "Havelblüte", die in Potsdam ihren Anfang nahm, den "Urstromtaler", der sich über das gesamte Bundesland Sachsen-Anhalt verteilt oder den "Roland" aus Bremen. Sieht man vom "Knochengeld", das 1993 für zwei Monate im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg ausgegeben wurde, und dem kurzzeitig bei Erfurt in Umlauf gegebenen "Phoe" einmal ab, war der "Roland" 2001 die erste Regionalwährung Deutschlands.

Es kommen immer wieder neue Währungen dazu, und nicht alle sind in dem Verband organisiert. Manche Währungen sind eher Künstlerprojekte wie zum Beispiel das "Rheingold" aus dem Raum Düsseldorf oder das esoterisch angehauchte, relativ junge "Engelgeld" in Wittenberg. Das Projekt Coinstatt hat gar eine Akademie für Komplementärwährungen gegründet: Per Fernkurs kann man sich innerhalb von etwa drei Monaten darin schulen lassen, dieses "neue Geld" und das dazugehörige System zu verstehen.

Gleichzeitig verschwinden auch immer wieder Projekte von der Landkarte, wenn die Initiatoren aus der Stadt wegziehen oder die Akzeptanz nachlässt. Viele Anfragen verpuffen auch. "Die Menschen sind verunsichert", sagt Jansky, "aber um sich sofort auf Versuche mit anderem Geld einzulassen, gleich neue Wege zu gehen, dazu ist die Krise nun auch nicht groß genug."

Groß genug - das wäre sie erst wenn man Schwierigkeiten bekäme, mit seinem Geld noch etwas zu kaufen. Oder wenn einfach kein Geld da wäre, das die nationale Wirtschaft in Schwung hält, wie gerade in Griechenland. Eine landeseigene Währung für sich selbst und den Euro als Zugang zu Europa, das wäre doch eine gute Idee, sagt Jansky. "Die Schweiz praktiziert das doch, und es funktioniert."