Restaurantführer "Gault Millau" Jüngstes Gericht in Geschmacksfragen

Mit kross getoastetem Wurzelbrot an die Spitze: Christian Jürgens ist vom "Gault Millau" zum Koch des Jahres ernannt worden. Die neue Ausgabe des Gourmet-Führers bestätigt das hohe kreative Niveau der deutschen Küche - kommt aber in einigen Restaurants zu anderen Ergebnissen als der konkurrierende Restaurantführer "Michelin".

Von Gottfried Knapp

Mit getoastetem Wurzelbrot an die Spitze: Kritiker des Restaurantführers "Gault Millau" kürten Christian Jürgens vom Gourmetrestaurant "Überfahrt" im oberbayerischen Rottach-Egern zu Deutschlands bestem Küchenchef. 

(Foto: dpa)

Wenn im Herbst die Blätter fallen, steigt in den Küchen der gehobenen Restaurants die Spannung merklich an. Nicht weil sich das Personal am Ende des Sommers auf neue Produkte umstellen muss, sondern weil in diesen Tagen die großen Hotel- und Gaststättenführer ihre Neuausgaben für das kommende Jahr präsentieren und im Rahmen dieser Werbeaktionen ihre neuen Bewertungen der kulinarischen Szene verkünden.

Vor allem die beiden in Frankreich geschaffenen gastronomischen Instanzen - der rote Michelin-Führer und der "Reiseführer für Gourmets" Gault Millau - liefern mit ihren beiden unterschiedlichen Bewertungssystemen seit Jahrzehnten die Maßstäbe, nach denen in Deutschland kulinarische Ereignisse beurteilt werden.

Der Rote Gourmet-Michelin stuft, wie sein Pendant, der Grüne Tourismus-Michelin, die ausgesuchten Spitzen-Objekte nach einem Drei-Sterne-System gegeneinander ab. Beim Gault Millau werden die Lokale gemäß dem französischen Schulsystem mit einer Punkteskala von eins bis 20 beurteilt: Bei elf Punkten hat ein Restaurant die Chance, in den inzwischen mächtig angeschwollenen Führer aufgenommen zu werden; die finalen 20 Punkte, die eine Utopie bezeichnen sollen, sind in Deutschland nie vergeben worden. In der obersten Kategorie von 19,5 Punkten bleiben die vier Herren, die schon im Vorjahr dort oben thronten und auch im Michelin seit Jahren höchste Bewertungen bekommen, weiterhin unter sich: Harald Wohlfahrt (Baiersbronn), Joachim Wissler (Bergisch-Gladbach), Klaus Erfort (Saarbrücken) und Helmut Thieltges (Dreis).

Szene-Star Tim Raue

Wie schon vor einigen Tagen in Berlin, als die Herausgeber des Michelin-Führers im großen Stil bekannt gaben, was ihr neues rotes Buch an Veränderungen zu bieten hat, blieben auch bei Gault Millau die Sensationen aus. Der neue Gault-Millau-Führer wurde in der Münchner BMW-Welt vorgestellt, Überraschungen bei der Bekanntgabe der Restaurants, die von 26 Testern zu den Siegern des Jahrgangs 2013 gewählt wurden, gab es dabei nicht. Das mochte zwar den Show-Effekt der beiden Veranstaltungen mindern, konnte bei genauerem Hinsehen aber durchaus als Lob für die in Deutschland herangewachsene kulinarische Kultur gewertet werden.

Denn die beiden Restaurantführer, die sich in ihren Anfängen in Deutschland ausschließlich französischer Qualitätskriterien bedient und darum in Geschmacksfragen gerne als Jüngstes Gericht aufgespielt haben, bestätigten dieses Jahr indirekt den hohen Rang, den sie der deutschen Spitzengastronomie im europäischen Vergleich schon vor Jahren zuerkannt haben.