Neue Uniformen Höchste Eisenbahn

Die 43 000 Mitarbeiter der Deutschen Bahn sollen bis 2021 neue Uniformen bekommen. Zeit für einen kurzen historischen Rückblick.

Von Martin Zips

Die Uniform verdecke den Charakter, heißt es in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahre" und genau das sollte einem Unternehmen ja wichtig sein. Der Deutschen Bahn zum Beispiel, deren 43 000 Mitarbeiter mit Kundenkontakt bis zum Jahr 2021 neue Uniformen erhalten sollen. Konformität statt Individualität, das erleichtert die Orientierung. Neben Polizisten, Lieferanten, Feuerwehrleuten, Ärzten und Priestern gehören Zugbegleiter zu den wichtigsten Uniformträgern in Friedenszeiten. Zeit also, sich einmal mit ihrer Kleidung zu befassen.

1. Der Prototyp

Der Träger: Der kleine Herr Stationsvorsteher aus dem fast 50 Jahre alten Vorlese-Klassiker "Sandmännchens Geschichtenbuch" ist ein stets hilfsbereiter, ausgesprochen kinder- und tierfreundlicher Bahnbeamter, auf den man zu jeder Tages- und Nachtzeit zählen kann.

Freundlicher Stationsvorsteher.

(Foto: Pepperl Ott/Ravensburger Buchverlag)

Die Uniform: Verspielt, lustig - und nur in Ansätzen respekteinflößend.

Das Problem: Wer mit dem Herrn Stationsvorsteher aufgewachsen ist, der glaubte lange, alle Uniformierten seien so freundlich wie er. Ein schrecklicher Irrtum.

Das Motto: Menschlichkeit ist wichtiger als jedes textile Gewand.

2. Die Realität

Der Träger: Ein namenloser Angestellter der Deutschen Reichsbahn, fotografiert im Jahr 1930.

Der Schaffner als Respektsperson, im Jahr 1930.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Die Uniform: Soldatisch und wenig geschmeidig. Passend für den gestählten deutschen Männerkörper und daher immer hilfreich im direkten Kontakt mit Zugreisenden und Zugereisten.

Das Problem: Fragen wie "Entschuldigung, wissen Sie vielleicht, ob wir pünktlich sind?" oder "Auf welchem Gleis steht denn mein Anschlusszug?" verbieten sich von selbst. Der altdeutsche Schaffner ist eine Respektsperson, seine Uniform ein Abstandhalter. Und wer aufmuckt, der darf ruhig zu Fuß weitergehen.

Das Motto: Die Fahrscheinkontrolle ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln (nach General Carl von Clausewitz).

3. Die Wende

Die Trägerin: Die freundliche Zugbegleiterin von nebenan mit dem riesigen, umgehängten Ticket-Spaß-Drucker. Fotografiert im Jahr 2004.

Eine DB-Uniform im Jahre 2004.

(Foto: Imago)

Die Uniform: Kumpelhaft blau und rot, aber - durch die kecke Krawatte - keineswegs unseriös. Deutschland kann eben auch anders, ist weltoffen und entspannt und die Deutsche Bahn das permanent wiedervereinigende Familienabteil zwischen Ost und West.

Das Problem: Weltoffenheit ist mehr als eine Uniform. Was hilft das coolste Outfit, wenn man den Träger nicht versteht? "Senk ju vor träwelling wis Deutsche Bahn"? "Abfahrt aus Gleis 9"? Was soll das heißen?

Das Motto: Ist schon ok, wenn die Bahn mein Freund sein will. Aber warum will sie dann ständig mein Ticket sehen?

4. Die Zukunft

Der Träger: Aus der DB-Presseerklärung: "Die neue Unternehmensbekleidung macht den Außenauftritt der DB moderner und sympathischer. Selbstbewusste Mitarbeiter, die gut gekleidet sind und sich wohl fühlen, leisten einen noch besseren Service für unsere Kunden." Ab August sollen 250 Mitarbeiter den von "Corporate-Fashion-Experte Guido Maria Kretschmer" entwickelten Fummel den Praxistest unterziehen.

Soll modern und sympathisch wirken: die neue Unternehmensbekleidung der DB.

(Foto: Dan Zoubek/Deutsche Bahn AG)

Die Uniform: "Einfach nur hässlich" (spiegel.de).

Das Problem: Den Trenchcoat hatten auch schon die Nazis, die Stasi und der russische Geheimdienst im Schrank.

Das Motto: Wer sich im Großraumwagen anständig verhält, der kriegt auch nix hinter die Löffel.