Konfektionsgröße 000 Dreifach dünn

Dreimal Size Zero: Abercrombie & Fitch hat die neue Konfektionsgröße "Triple Zero" eingeführt.

(Foto: REUTERS)

Dünn ist noch lange nicht dünn genug. Schrumpfende Konfektionsgrößen rufen immer wieder Kritiker auf den Plan. So auch die "Triple Zero". Ein gefährliches Signal an junge Mädchen und Frauen.

Von Tanja Mokosch

Dreimal die Null. Das ist nicht etwa der Titel einer neuen, wenig originellen James-Bond-Parodie. Es ist eine Konfektionsgröße, die es tatsächlich zu kaufen gibt, gesprochen: Triple Zero.

Die US-Größe 000 entspricht einer deutschen Größe 28. Gemeint ist damit nicht - wie bei Jeans üblich - die Bundweite in Inch, sondern die Konfektionsgröße. Anders ausgedrückt: Die Triple Zero ist eine XXXX-S. Die entsprechende Bundweite sind 23 Inch, also extrem schmale 58,5 Zentimeter. Dieser Wert (gemessen über den Hüftknochen) ist normalerweise Durchschnitt bei sechs- bis achtjährigen Mädchen mit einer Körpergröße von knapp 1,30 Meter - nicht aber bei erwachsenen Frauen. Die einst so stark kritisierte Size Zero, als deren größte Verfechterin Victoria Beckham gilt, entspricht, man möchte fast sagen "immerhin", einer Größe 32 (XXS).

Die für ihre in Sachen Kleidergröße zweifelhafte Unternehmenspolitik bekannte Modemarke Abercrombie & Fitch hat die extraschlanken Jeans eigenen Angaben zufolge nach Protesten 2012 wieder aus dem Sortiment genommen. Bei der amerikanischen Modekette "Chico's" ist die Größe jedoch erhältlich - wenn auch in abgeschwächter Form: Die 000-Hose beginnt dort ab einer Bundweite von 27 Inch, etwa 69 Zentimeter. Das New Yorker Modeunternehmen Aéropostale misst in Hüft- und Taillenweite. Die die dreifache Null gibt es dort laut Größentabelle mit einer ebenfalls recht schmalen Hüftweite von knapp 83 und einer Taillenweite von etwa 57 Zentimetern aus.

Die Kritik an der Konfektionsgröße ist groß: Das sei Werbung für Magersucht, heißt es in amerikanischen Medien. Ärzte warnen vor den Folgen von extremer Diät und vor Untergewicht. Neben Mangelerscheinungen, Müdigkeit und Gereiztheit drohen Herz- und Kreislaufstörungen, außerdem hormonelle Veränderungen und bei Teenagern vermindertes Wachstum. Krankhafte Magersucht ist in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich.

Das nächste Schönheitsideal: unsichtbar?

Fehlende Standards für Konfektionsgrößen sorgen auf dem Modemarkt schon seit Jahren für Verwirrung. Die Größen einzelner Textilhandelsunternehmen unterscheiden sich teilweise um mehrere Zentimeter. So ist beim spanischen Modelabel Zara die Konfektionsgröße 38 geeignet für Frauen mit einem Brustumfang von 90 Zentimetern, Taillenumfang von 70 Zentimetern und Hüftumfang von 98 Zentimetern. Die schwedische Modekette H&M hingegen schneidert diese Größe für Frauen mit Brustumfang von 88 Zentimetern, Taillenumfang von 72 Zentimetern und Hüftumfang von 96 Zentimetern.

Dicke Mädchen unerwünscht

"Viele Menschen haben in unserer Kleidung nichts zu suchen", sagt Mike Jeffries, der Chef von Abercrombie & Fitch. So finden Frauen, die nicht in Kleidergröße L passen, in seinen Konsumtempeln: nichts. Bei seiner männlichen Kundschaft ist der Modekonzern da schon großzügiger. Von Tobias Dorfer mehr ...

Die Triple Zero findet prominente Unterstützung. Models und Schauspielerinnen wie Kate Bosworth, Alexa Chung und Mary Charteris posten auf Twitter Bilder auf denen erschreckend deutlich ihre Rippen und Hüftknochen zu erkennen sind. Für ähnlich viel Aufsehen in sozialen Netzwerken wie Triple Zero sorgte schon vor einigen Monaten der Schönheitstrend "Thigh Gap" (zu Deutsch: Oberschenkellücke). Deren prominenteste Trägerin: Model Cara Delevingne. Das Problem an der Thigh Gap: Bei den meisten Frauen ist sie anatomisch nahezu unmöglich und selbst mit einer extremen Diät nicht zu erreichen. Das nächste vermeintliche Schönheitsideal nach Thigh Gap und Triple Zero ist dann wohl: unsichtbar.

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Abercrombie & Fitch habe die Größe 000 neu eingeführt. Das stimmt nach Angaben des Unternehmens nicht. Süddeutsche.de hatte sich auf einen Text der Zeitschrift Grazia und weitere Medienberichte in den USA bezogen.