Designermode für Olympioniken Sportler trägt Prada

Die Olympia-Outfits stehen fest. Die britischen Athleten werden in Stella McCartney ins Stadion einlaufen, die Italiener in Prada und die US-Sportler in Ralph Lauren. An den deutschen Outfits versuchten sich Bogner und Adidas. Was dabei herauskam, sieht aus wie ein quietschbunter Geschlechtertanz. Eine Stilkritik.

Von Max Scharnigg

Als wir Kinder waren, gab es bei uns eine immer wiederkehrende Debatte, an deren Ende man sich gegenseitig prima doof finden konnte. Sie drehte sich darum, was toller ist: den Mount Everest zu besteigen. Den Nobelpreis zu bekommen. Oder bei den Olympischen Spielen anzutreten.

Sportler und Models präsentieren gemeinsam die aktuelle Kollektion für London 2012.

(Foto: dpa)

Heute lässt sich diese knifflige Entscheidung ein Stück weit klären, und zwar anhand des Schuhwerks. Bei der Nobelpreis-Gala in Stockholm trüge man Lackschuhe zum Frack: toll. Beim Gipfelsturm wären futuristische Hightech-Steigeisenstiefel angesagt (sehr toll) und beim Einmarsch ins Londoner Olympiastadion müsste man am 27. Juli einen "sportlich-lässigen Schnürschuh aus einer Kalbs- und Veloursleder-Kombination" anziehen. Das ist natürlich nicht so gut.

Das kombinierte Schnürding gehört zu den siebzig Teilen, die jeder deutsche Olympionike an modischem Rüstzeug in seinen Koffer bekommt. Adidas und Bogner heißen die bekanntesten Firmen, die diese Mitgift bestreiten. Neben der rein funktionellen Wettkampfkleidung, die aus Herzogenaurach - hier sitzt der Sportausstatter Adidas - beigesteuert wird, geht es dabei vor allem um die Parade- und Ausgehuniform, entworfen von Willy Bogner. Das ist der, um den immer noch nicht herumkommt, wer hierzulande die Begriffe "Mode" und "Sport" in einem Satz sagen möchte.

Ach, die Amerikaner werden natürlich vom ururamerikanischen Modedesigner Ralph Lauren wieder einen smarten Ostküsten-Look bekommen, die Italiener werden in tadellosen Anzügen von Giorgio Armani stecken und das Segelteam in Prada. Wir hätten zwar einen Lagerfeld, aber der hat mal anlässlich eines Interviews bekundet, er fände Jogginghosen "gefährlich" und scheidet deswegen aus.

Rosa für die Mädchen und Azurblau für die Jungs

Also Bogner. Wir erinnern uns: Das größte Verdienst des altgedienten Anorak-Moguls war es, einst für James Bond eine Bobbahn hinabzudonnern und später die deutschen Skifahrer dauerhaft zu Zebras zu machen. Jetzt entwarf er erstmals das Outfit auch für Sommersportler, er übt gewissermaßen noch und es ist deswegen verzeihlich, dass sie nun doch ein bisschen aussehen wie Menschen, die in Kitzbühel und Davos aus der Gondelbahn steigen, in ihren bonbonfarbenen Jacken und weißen Hosen.

Rosa für die Mädchen und Azurblau für die Jungs - nicht mal der schlichteste Provinzkindergarten, nicht mal die vereinigten Barbie-Werke würden sich dieses Farbschema noch erlauben, wegen dringenden Stereotypen-Verdachts. Bogner tut's, vielleicht ist das ja aber auch so eine James-Bond-Ironie.

Bei der Präsentation der Olympia-Kollektion am vergangenen Donnerstag in Düsseldorf wurde von den versammelten Funktionären und bekleideten Sportlern dann auch diplomatisch geurteilt, die Bogner-Sachen wären "schön bunt" und "toll auffällig". Dies sind bestimmt keine verkehrten Eigenschaften, angesichts ihrer Verwendung in unübersichtlich großen Sportanlagen. Zudem wird das Adjektiv "bunt" ja gemeinhin mit "gut" gleichgesetzt, es ist harmlos beleumundet oder sagen wir: Bunt ist zumindest das Gegenteil von dem, was die Welt von Deutschland erwartet, wenn es irgendwo einmarschiert.

Die Deutschen sind blasse, kantige Speerwerfer und nadelgestreifte Wirtschaftsstreber, aber eben vom Typ her und als Gesamtvolk nicht per se besonders bunt. Die rosigen Übergangsjäckchen an unseren Sportlerinnen werden dieses Vorurteil genauso wenig entkräften können wie Angela Merkels fliederfarbenes Jackett.

Das ist nicht schlimm, Belgier sind auch nicht bunt. Schlimm ist nur, dass der Deutsche sich damit nicht abfinden möchte und sowohl im Urlaub, bei seiner Eigenheimfassade und eben auch bei international beachteten Großereignissen das Bunte immer grimmig zur Schau stellen muss, als eine Art Mimikry der Heiterkeit.