Barbies Proportionen Leicht entkleidet

Leicht anzuziehen - dank der Proportionen der Trägerin.

Barbie ist groß, schlank und könnte mit ihren Proportionen eigentlich nicht überleben: Für die Maße der Figur wurde der Hersteller schon oft kritisiert. Dabei gibt es für Wespentaille und Endlosbeine angeblich eine ganz einfache Erklärung.

Debatten über Barbies Proportionen gibt es schon lange. Jetzt hat sich die Frau, die als Vice President of Design bei Mattel erhebliche Verantwortung für das Aussehen der Plastikpuppe trägt, in einem Interview zu Wort gemeldet. Und während die Welt immer dachte, es gehe dem Spielzeughersteller darum, eine möglichst schlanke, große und vollbusige Blondine zu erschaffen, die ein möglichst unerreichbares Schönheitsideal verkörpert, heißt es jetzt: "Sie wurde designt, damit Mädchen sie leicht an- und ausziehen können."

Kim Culmones Erklärung klingt einfach: Mädchen sollen ihre Puppen in Stoffe und Schnitte kleiden können, die sie aus der realen Welt kennen - doch damit die Klamotte im Kleinen überhaupt genäht und übergestreift werden kann, braucht Barbie eine extreme Figur. Form follows function, quasi. Oder besser: Body follows fashion.

Wer in seiner Kindheit mit Barbies gespielt hat, auf dessen Stirn dürfte sich nun eine fast schon barbieesk nach oben gezogene Augenbraue abzeichnen. Die Puppen sollen leicht anzuziehen sein? Wenn man sie in einen Kaftan kleidet, vielleicht. Die sperrigen Dinger in das mit Glitzer besetzte Tüll-Dress der Diamantenbarbie zu bekommen, war für sechsjährige Kinderhände dagegen alles andere als einfach. Ganz zu schweigen von den enganliegenden orangefarbenen Leggins, die sich einfach nicht über die viel zu langen Plastikbeine schieben lassen wollten.

Gut, mit dickeren Beinen wäre es noch schwieriger gewesen. Mit weiteren Leggins aber deutlich einfacher.

Am Körper der Puppe, die seit fast 55 Jahren die Kinderzimmer dieser Welt bevölkert, soll sich dennoch nichts ändern. Kleinere Modifizierungen habe es zwar immer gegeben, sagt Culmone, "aber da ist ja noch das Problem mit der Vererbung". Mütter geben Barbies und deren Kleider an ihre Töchter weiter. Wäre Barbie in Zukunft normal proportioniert, würde sie nicht mehr in die von Muttern übernommenen Roben passen.

Angesichts der rückläufigen Verkaufszahlen, die Mattel zurzeit verkraften muss, scheint sich hier eine neue Geschäftsidee aufzutun. Öfter mal neue Körperformen ausprobieren, zu denen die Kinder dann auch neue Klamotten erstehen müssen - klingt gemein, aber rentabel. Bei Mattel ist man jedoch prinzipientreu. "Unser Erbe ist uns wichtig", sagt Culmone im Interview. Nur wenn es aus Design- oder Funktionsgründen nötig sei, würde man Barbies Figur ändern.