Weltklasse-Turner beendet Karriere Junge Konkurrenz ist stark

Hauptgrund ist für ihn der eigene Körper. Wie jeder Top-Turner kannte Boy Verletzungen, doch in der Olympiasaison kam eine Malaise nach der anderen. Er wollte sich in der Vorbereitung auf die Spiele keine längere Pause leisten, und biss auf die Zähne, trotz einer Schulterverletzung im Winter, Schmerzen im Bereich des Schlüsselbeines (Frühjahr) und einem eingeklemmten Nerv im Rücken (Sommer). Hinter allem lag zudem der Zweifel nach seinem Recksturz in Stuttgart genau vor einem Jahr, bei dem er knapp einer folgenschweren Verletzung entgangen war.

Die Aussichten, die den Enttäuschungen und Mühen gegenüberstehen, reichen Boy nicht. Er mag jetzt noch "großes Potenzial" haben, wie Bundestrainer Andreas Hirsch in Stuttgart sagte, doch Boys einziges Ziel, das ihn noch reizen könnte, liegt zu weit weg. In vier Jahren bei den Spielen in Rio de Janeiro 2016 wäre er 29, seine Medaillenchancen würden auch bei hartem Training und durchgehender Gesundheit rapide sinken.

Denn zu groß ist der Druck, den jüngere Chinesen, Japaner, Amerikaner und Russen ausüben. Nicht zuletzt entmutigten ihn auch die allgemeinen finanziellen Aussichten in seinem Sport. "Mit einer Turn-Medaille kannst du hier keine Altersvorsorge aufbauen", sagte Boy.

Er hat nun eine Menge Ideen im Kopf und will vielleicht helfen, das Turnen besser zu präsentieren, auch wenn er nicht mehr aktiv ist. Fest steht nur eins, sagte er noch am Tag seines Rücktritts: "Mit dieser Entscheidung fühle ich mich absolut wohl."