Deutschlands Wasserballer vor dem Turnier: niedrige Anforderungen, gute Stimmung und der Trainersohn als Nachrücker.
Imagepflege. Wichtige Sache, das. Vor allem, wer selten Gelegenheit bekommt, muss diese Momente nutzen. Hagen Stamm tut das, regelmäßig. Alle vier Jahre. Mit schöner Regelmäßigkeit wird der Bundestrainer samt seiner Sportart kurz vor den Olympischen Spielen wiederentdeckt. Wasserball also.
Bild vergrößern
Seine Sportart leidet in Deutschland unter einem Nichtbeachtungsproblem: Wasserrballer Marko Stamm. (© Foto: dpa)
Anzeige
Den deutschen Herren dieses rauen Sports eilt ein Ruf voraus, den Stamm als "legendär, aber nicht berüchtigt" bezeichnet. Seine Jungs halten sich mit solchen Differenzierungen nicht auf, sie sprechen eine deutliche Sprache. Kaum im olympischen Dorf eingezogen, hängten sie am Spielerhaus ein Plakat auf, erzählt Stamm vor versammelter Presse im Deutschen Haus. "Unser Betreuer meint, ich soll's nicht sagen ... Also da steht drauf: 'Wir mögen pralle Bälle und feuchte Becken.' Das zeigt, dass meine Wasserballer auf dem richtigen Weg sind."
Das war natürlich Spaß, größtenteils zumindest. Wasserball in Deutschland hat kein Imagepflege-Problem. Es ist schlimmer: Wasserball in Deutschland hat ein Nichtbeachtungs-Problem. "Seit Olympia 2004 hatten wir in ARD und ZDF nicht eine einzige Minute Übertragungszeit", schimpft Stamm, "aber wir freuen uns, dass wir alle vier Jahre registriert werden, obwohl wir im Alphabet ziemlich weit hinten kommen."
Wesensverwandt mit den Handballern
Ein fröhlicher Sportskamerad, dieser Hagen Stamm, 48, zum fünften Mal bei Olympia, Bronze-Gewinner 1984, zwei Mal Europameister, 14 Mal in Folge deutscher Meister mit den Wasserfreunden Spandau, deren Präsident er nun ist. Um die Wirkung seiner lockeren Wortwahl weiß er sehr wohl - und um deren Notwendigkeit. "Image ist das, was man braucht, damit die andern denken, dass man so ist, wie man gern wär." Sagt der Kabarettist Frank-Markus Barwasser - ein Satz, der die Situation der deutschen Wasserballer recht gut beschreibt.
Schon fast traditionell gelten sie mit den "sehr wesensverwandten Handballern" (Stamm) als die Li-La-Laune-Bären des deutschen Teams. Immer wieder gerne erzählt Stamm von Olympia 1984, als er mit dem Handballer Martin Schwalb 24 Stunden lang durchfeierte. "Wer hart trainiert, kann auch hart feiern. Ein bisschen gute Laune tut gut in so 'ner Olympiamannschaft. Ich hab gern gute Laune. Das ist manchmal wichtiger."
Stimmt. Die sportliche Situation wird ernst genug werden für ihn und sein Team. Eher überraschend gelang die Qualifikation für die Spiele, entsprechend gibt Stamm Rang acht als Minimalziel an. "Aber vielleicht gelingt uns ja eine kleine Sensation wie in Athen: Platz fünf. Wenn wir 120 Prozent geben, können wir die vier vor uns ärgern. Es kann aber auch passieren, dass man da mal mit sechs, sieben oder acht Toren verliert."
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Deiblers Dorf (1) Erst später zu McDonald's 01.08.2008
- Olympische Spiele in Peking Weltstar außer Dienst 07.08.2008
- Olympische Spiele Der große Springer 07.08.2008
- Die Welt und das Auto Ver-rückte Sicht 04.05.2010
- Tücken des Chinglish Sind Sie gestohlen worden? 30.04.2010
- Tücken des Chinglish Sind Sie gestohlen worden? 30.04.2010
- Umfrage: Olympia-Bewerbung 2018 Die Begeisterung schmilzt 29.04.2010
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak