Volleyball Mit jugendlichem Charme

Der wohl besten Generation deutscher Volleyballerinnen fehlt nur noch die Olympia-Teilnahme zur Abrundung - doch die Voraussetzungen beim Qualifikationsturnier in Ankara sind ungünstig.

Von Joachim Mölter

Wie viele junge Sportler hat auch Felix Koslowski als junger Volleyballspieler einmal davon geträumt, bei den ganz großen Sachen mitzumachen: bei Europa- oder Weltmeisterschaften, bei Olympischen Spielen. Und wie viele junge Sportler hat auch Koslowski irgendwann mal realisiert, dass sein Talent dafür nicht reicht, zumindest nicht das als Spieler. Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Sportlern träumt Koslowski seinen Traum von den ganz großen Sachen aber weiter: nun als junger Volleyballtrainer.

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hat den 31 Jahre alten Koslowski damit betraut, seine Frauen-Auswahl in dieser Woche bei der Olympia-Qualifikation in Ankara zu betreuen. Es ist eine ebenso ehrenvolle wie undankbare Aufgabe für den hauptberuflich beim Bundesligisten Schweriner SC tätigen Coach: Die Olympia-Teilnahme ist das einzige, das der wohl besten Generation deutscher Volleyballerinnen noch fehlt zur Abrundung nach zwei EM-Silbermedaillen (2011 und 2013) sowie respektablen WM-Platzierungen. Die Voraussetzungen dafür, das Ziel Rio zu erreichen, sind aber nicht günstig. "Es ist eine andere Ausgangslage als vor London 2012", sagt Koslowski, "als wir Mitfavoritinnen waren."

Christiane Fürst, die vielleicht beste Mittelblockerin der Welt, gibt ihr Comeback in der Nationalmannschaft, aus der sie im Januar 2015 zurückgetreten war.

(Foto: Maurizio Brambatti/dpa)

Nach dem Rücktritt des langjährigen Erfolgstrainers Giovanni Guidetti, 43, sollte ursprünglich dessen italienischer Landsmann Luciano Pedullà, 58, die Auswahl im vorigen Jahr wieder in die Spur bringen. Der DVV brach das Experiment jedoch im Herbst schon wieder ab, nach dem 5. Platz bei der EM in Belgien und den Niederlanden. "Beide sind absolute Fachleute", sagt Koslowski über die Italiener, denen er jeweils als Co-Trainer assistiert hat, "aber es sind grundverschiedene Typen in der Art, wie sie mit der Mannschaft umgehen, wie sie coachen." Guidetti riss das Team mit seinen Emotionen und seinem Charme mit, bis beides sich abgenutzt hatte; Pedullà war eher der Typ eines bedächtigen, analytischen Professors - doch damit kam er bei den jungen Frauen wohl nicht so an. "Ich denke nicht darüber nach, welcher Typ jetzt besser ist", sagt Felix Koslowski, "ich will einen eigenen Weg gehen." Aber dass dieser Weg eher in Richtung Guidetti geht, streitet er nicht ab.

Das war wohl auch ein Grund dafür, dass sich der DVV bei der Suche nach jemandem, der kurzfristig und kurzzeitig den Bundestrainer-Job übernimmt, für ihn entschied; ein anderer ist die langjährige Erfahrung, die Koslowski mit der Frauen-Auswahl hat. Guidetti hatte ihn schon 2006 in seinen Mitarbeiterstab für internationale Großereignisse geholt, da war Koslowski gerade mal 22 und als Co-Trainer bei den Frauen des Schweriner SC deutscher Meister und Pokalsieger geworden.

Steht vor einer ehrenvollen wie undankbaren Aufgabe: Der 31 Jahre alte Frank Koslowski soll die deutschen Volleyball-Frauen zu Olympia 2016 in Rio führen.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Zu diesem Job war er gekommen, nachdem er das Angebot eines Zweitligisten abgelehnt hatte, um in Schwerin bei seiner damals schwer kranken Mutter zu bleiben. Sein Heimatklub bot ihm die Assistentenstelle beim Frauen-Team an, "ich bin da so reingerutscht", sagt er, "ich hatte vorher mit den Frauen nichts zu tun."

Nun ist er hauptverantwortlich für deren Mission Olympia, und den ersten Erfolg hatte er schon vor dem Turnier zu verzeichnen: Er überzeugte die im Januar 2015 aus dem Nationalteam zurückgetretene Christiane Fürst, die vielleicht beste Mittelblockerin der Welt, ein Comeback zu geben. Dafür war Felix Koslowski extra in die Türkei geflogen, wo die 30-Jährige beim Champions-League-Sieger und Klub-WM-Gewinner Eczacibasi Istanbul tätig ist. "Ich wollte unter vier Augen mit ihr sprechen, aus Respekt vor ihr und ihrer Leistung", sagt Koslowski. Fünf, sechs Stunden habe das Gespräch gedauert, dabei habe er Fürst überzeugen können, "dass sie ein großer Mehrwert für die Mannschaft ist, auch außerhalb des Spielfeldes".

Die 1,93 Meter große Fürst ist offenbar ein so großer Mehrwert für die deutsche Mannschaft, dass diese von Giovanni Guidetti umgehend zum Favoriten für das Qualifikationsturnier geadelt worden ist.

Guidetti betreut inzwischen das Team der Niederlande, am Montagmittag der erste Gegner der Deutschen. Am Dienstag folgt das Duell mit den gastgebenden Türkinnen, am Mittwoch der Vergleich mit Kroatien; die zwei besten Teams kommen ins Halbfinale. "Die Gruppe ist schon heftig", findet Koslowski und zählt auf: "Zwei EM-Halbfinalisten und die einzige Mannschaft, die den späteren Europameister Russland bei der EM besiegt hat." Felix Koslowski sieht seine Mannschaft da nur als Außenseiter, zumal ja bloß der Sieger des Acht-Nationen-Turniers nach Rio fahren darf. Die auf Rang zwei und drei platzierten Teams erhalten im Mai in Tokio eine weitere Qualifikationschance, die letzte.

Mit 14 Frauen nach Ankara

Kader der deutschen Volleyballerinnen für die Olympia-Qualifikation

Zuspiel: Mareen Apitz (Baku/Aderbaidschan), Kathleen Weiß (Prostejov/Tschechien).

Außenangriff: Maren Brinker (Montichiari/Italien), Heike Beier (Lodz/Polen), Jennifer Geerties (Schweriner SC), Lisa Izquierdo (Dresdner SC).

Mittelblock: Christiane Fürst (Istanbul/Türkei), Corina Ssuschke-Voigt (Nawaro Straubing), Anja Brandt (Schweriner SC), Wiebke Silge (SC Potsdam).

Diagonalangriff: Margareta Kozuch (Casalmaggiore/Italien), Louisa Lippmann (Dresdner SC).

Libera: Lenka Dürr (Wroclaw/Polen), Lisa Thomsen (Allianz MTV Stuttgart).

Felix Koslowski freut sich trotz allem - trotz der kurzen Vorbereitungszeit, des turbulenten Trainerwechsels, der Integration weiterer Rückkehrerinnen neben Fürst - auf die Herausforderung. Er findet: "Da können eigentlich nur große Siege herauskommen."

Solche, wie man sie sich als junger Sportler erträumt.