Verstorbener Fifa-Vizepräsident Julio Grondona Der Mann, den alle Don Julio nannten

Seit 1979 Präsident des argentinischen Fußball-Verbandes und seit 1988 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees: Julio Grondona, der 82 Jahre alt wurde

(Foto: AFP)

Sepp Blatter trauert um einen seiner wichtigsten Strippenmitzieher: Julio Grondona. Der Fifa-Vizepräsident überstand unzählige Affären und Skandale. Wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung wurde gegen ihn ermittelt - bestraft wurde der Argentinier jedoch nie.

Von Thomas Kistner

Kein Sportfunktionär hat die Granden des Fußball-Weltverbandes Fifa so idealtypisch verkörpert wie Don Julio. "Todo pasa" stand auf dem Siegelring, den der unnahbare Don stets am Finger trug: "Alles geht vorbei". Nach der Losung hat die publikumsscheue Nummer zwei im Weltfußball stets gewirkt: Julio Grondona, Fifa-Vorstand seit 1988, erster Vizepräsident und Finanzchef des Weltverbandes seit 1998; Boss des argentinischen Verbandes Afa seit 1979.

In letzterer Rolle hat er am Mittwoch offiziell den Rücktritt von Nationaltrainer Alejandro Sabella bedauert. Wenig später wurde Grondona in eine Klinik in Buenos Aires gebracht, sein Gesundheitszustand machte eine Notoperation erforderlich. Bei dem Eingriff erlag der 82-Jährige einem Herzleiden.

"Ein schwerer Schlag, es handelt sich um einen lebenslangen Freund", kondolierte Fifa-Präsident Sepp Blatter. Überdies sei es "ein enormer Verlust für die Fifa als Institution, da er einer ihrer bedeutendsten Persönlichkeiten war". Bedeutend war Grondona schon als oberster Geheimnisträger in Blatters sehr persönlich ausgestallter Fifa, die er seit 1981 als General- sekretär, seit 1998 als Präsident regiert; in dreieinhalb Jahrzehnten entstand ein enges Netzwerk aus Freunden und Verwandten. Bei der Thronbesteigung 1998 hatte Blatter Freund Grondona zum Boss über die Fifa-Kernbereiche gemacht, die Finanz- und die TV/Marketing-Kommission.

Fortan galt Grondona als einziger, der das größte Mysterium kennt: die Bezüge, die sich Blatter genehmigt. Sogar Mitglieder von Grondonas Finanzstab erklärten, Saläre und Reptilienfonds kenne nur ihr Kommissionschef. Der Mann, den alle ehrfürchtig Don Julio nannten.

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Wie so viele Funktionäre kam Grondona über das angebliche Ehrenamt im Weltfußball zu enormem Reichtum. Als Günstling der argentinischen Militär- herrscher war er 1979, nach dem WM- Erfolg beim Heimturnier, an die Afa-Spitze befördert worden. Er überstand unzählige Affären und behauptete wohl nicht zu Unrecht, mächtiger als jeder argentinische Präsident zu sein. Über ein verschachteltes Firmenimperium beherrschte der einstige Besitzer eines Eisenwarenladens große Teile des südamerikanischen Fußballmarkts. Im Dezember 2011 verlangte in Buenos Aires Bundesrichter Claudio Bonadio Einsicht in mutmaßliche Konten Grondonas bei Argentiniens Zentralbank sowie bei Geldhäusern in der Schweiz, Spanien und den USA. Auch die Finanzaufsicht ermittelte fortan in der Strafsache 228078/2011 rund um den Fifa-Granden; es geht um Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Grondona wies wie stets alle Vorwürfe zurück.

Geklagt hatten mehrere Anwälte, sie warfen Grondona vor, auf Konten in den drei fernen Ländern Millionen Dollar und Franken zu horten. Zeichnungsberechtigt für die Strohfirmen seien Grondona, sein Sohn, die Ehefrau sowie ein vertrauter Sportfunktionär. Auf Auszügen fanden sich Namen wie die Bank Vontobel AG, die Credit Suisse First Boston oder die Bank of America; die Addition der Zahlenkolonnen durch die Ermittler ergab mehr als 100 Millionen Dollar.