Uli Hoeneß und Willi Lemke Versöhnung im perfekten Moment

  • Willi Lemke und Uli Hoeneß stritten jahrelang erbittert, nun haben sie ihre Männerfeindschaft begraben.
  • Der Zeitpunkt war nicht schlecht gewählt: kurz vor einem Interview mit Lemke für eine kritische Hoeneß-Doku.
Von Ralf Wiegand

Die Macher des Doku-Dramas "Der Patriarch" über Uli Hoeneß, das neulich im ZDF lief, waren einigermaßen überrascht über das Gespräch mit dem Zeitzeugen Willi Lemke. Sie hatten mehr Attacke erwartet vom ehemaligen Manager von Werder Bremen, der stattdessen voller Bewunderung über Hoeneß, einst in gleicher Position bei Bayern München beschäftigt, gesprochen hatte.

Die Arroganz des Münchners, gegen die Lemke sein Managerleben lang in kreuzritterhafter Manier zu Felde gezogen war, adelte er nun - quasi für die Geschichtsbücher - als "superschlaue" Strategie von Hoeneß. Nur auf diese Art habe Hoeneß erreichen können, dass bei den Bayern alle zuschauten: jene, die sie lieben, und jene, die sie hassen. Auch er selbst, Lemke, habe schließlich Bayern-Spiele eingeschaltet, wenn dem Erzrivalen eine Niederlage blühte. Bloß, um ihn verlieren zu sehen. Superschlau eben!

Als die Crew Kameras und Mikro ausgeschaltet hatte, so ist zu hören, habe Lemke noch einmal nachgelegt. Wissen Sie, habe er den Filmemachern offenbart, er sei erst kurz vor dem Interview für diese Doku zum ersten Mal überhaupt "in der Höhle des Löwen" gewesen, an der Säbener Straße in München. "Im Büro von Uli Hoeneß" - und auch noch auf dessen Einladung. Über die Größe dieser Geste habe sich Lemke fast nicht mehr einkriegen wollen. Da Hoeneß, wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, über die Dreharbeiten zu dem Film informiert war, ahnten die Produzenten nun, warum selbst der Erzfeind des Bayern-Patriarchen plötzlich Kreide gefressen hatte: Hoeneß hatte Lemke den Friedensschluss genau zum richtigen Zeitpunkt angeboten.

An diesem Samstag nun, vor dem Spiel Werder gegen Bayern, hat Lemke die Versöhnung der beiden wildesten Kampfhähne, die die Bundesliga je gesehen hat, öffentlich gemacht. Hoeneß habe ihm auf die Mailbox gesprochen, er sei nach München gereist, berichtete Lemke dem Sender Sky. Möglicherweise werde es sogar ein gemeinsames Projekt der beiden geben.

Plötzlich versöhnt: Uli Hoeneß (links) und Willi Lemke

(Foto: Süddeutsche.de/dpa/reuters)