Tennisspielerin Simona Halep Gefühlt schon beim Nikolaustag

Simona Halep: Perfekt ins Jahr gestartet

(Foto: AFP)
  • Seit Silvester hat Simona Halep beeindruckend viele Siege gefeiert - die Weltranglistendritte ist in überragender Frühform.
  • Um sich ganz vorne zu etablieren, muss sie endlich ein Manko bekämpfen.
  • Ihre Konkurrentinnen werden sie genau beobachten.
Von Philipp Schneider

Hoher Wurf, schöne runde Flugphase, dann den Ball mit dem Schläger voll erwischt, schon saust Simona Haleps Aufschlag hinüber auf die Seite von Karolina Pliskova, die Tschechin retourniert zu lang, der Ball ist im Aus, das Spiel vorbei: 6:4, 5:3 für Halep. Die 23-Jährige ballt also die Hand zur Faust, eilt nach vorne ans Netz um der traurigen Verliererin die Hände zu schütteln. Nanu? Pliskova ist gar nicht traurig? Bleibt einfach an ihrer Grundlinie stehen? Ach, hoppla, denkt sich Halep, hebt die Arme in entschuldigender Geste, dreht wieder um, spielt wieder weiter: Ein Satz geht ja dann doch bis sechs.

Hat sich tatsächlich so zugetragen.

Vor wenigen Tagen erst im Achtelfinale von Indian Wells. Die Welt dreht sich derzeit eben unheimlich schnell für Halep, sie rast von einem Matchball zum nächsten, da kann so etwas passieren: Gegen Pliskova gewann sie einfach das nächste Aufschlagspiel, dann auch das Endspiel in Kalifornien gegen die ehemalige Weltranglistenerste Jelena Jankovic. Im Anschluss reiste sie weiter nach Miami und trifft nun nach vier weiteren Siegen und einem 6:3, 7:5 gegen Flavia Pennetta im Viertelfinale auf die Amerikanerin Sloane Stephens.

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Von der Bedeutung gleich hinter den Grand Slams

Ob sie nicht ein bisschen müde sei?

Ach, sagt Halep, sie habe in der Partie einfach "versucht, die Beine noch ein bisschen zu bewegen". Und siehe da: Sie bewegten sich tatsächlich noch ein bisschen.

Die Turniere von Indian Wells und Miami gehören zu einer Turnierserie, die in ihrer Bedeutung gleich auf die vier Grand-Slam-Veranstaltungen folgt. Sollte Simona Halep aus Constanta in Rumänien auch in Florida gewinnen, wäre sie erst die dritte Spielerin nach Kim Clijsters (2005) und Steffi Graf (1994 und 1996), die alle Partien dieser brutalen Folge von zwei hochklassigen Wettbewerben für sich entschieden hätte. Für die Weltranglistendritte stellt sich aber noch eine wichtigere Frage: Diejenige, ob ihre überragende Frühform als Indikator gedeutet werden darf, dass sie in diesem Jahr an der Weltbesten Serena Williams oder zumindest dauerhaft an Maria Scharapowa vorbei ziehen könnte?

"Es ist ein Wendepunkt in meiner Karriere", sagt Halep: "Im vergangenen Jahr war ich nach einem Titelgewinn beim folgenden Turnier entweder verletzt oder müde. Oder ich bin gar nicht erst angetreten."

Das Kalenderjahr ist gerade erst zu einem Viertel vorbei, doch wer allein die Auflistung von Haleps Turniersiegen seit Silvester betrachtet, der könnte meinen, bald sei schon wieder Nikolaustag.