Die Tour-Macher freuen sich über das Duell Contador/Schleck - und müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dem Geschäft mehr Bedeutung einzuräumen als den ethischen Grundsätzen. Es gelten wieder die alten Regeln.
Christian Prudhomme ist ein sehr zufriedener Mensch gewesen, als sich erst mit dem Zeitfahren von Pauillac die 97. Tour de France entschieden hatte. Was für ein Duell! Diese Spannung!! Es lebe die Tour!!! Die schönste Tour seit seinem Einstieg in die Rennleitung im Jahre 2004 sei das gewesen, jubilierte der frühere Fernsehjournalist. Contador gegen Schleck erinnere ihn an die großen Duelle im Tennis zwischen Federer und Nadal, sagt er, und dass Lance Armstrong trotz 40 Minuten Rückstands bei seinem Adieu bis nach Paris fahre, sei geradezu "formidabel". Nur eines sei heuer schwierig gewesen: das Wetter, die Hitze.
Anzeige
Prudhomme ist ein Gesicht der schönen neuen Tour-Welt, die ethische Grundsätzen nur noch in Notfällen - nach dem nächsten Skandal - mehr Bedeutung einräumen würde als dem Geschäft. Aber ist das nicht derselbe Prudhomme, der ehedem wegen der historischen Fuentes-Affäre prinzipienstark die Größen Basso und Ullrich sowie Trickser aus Contadors einstigem Liberty-Team nicht starten ließ? Doch, das ist er.
Die Tour-Veranstalter möchten Geld verdienen, nicht nur in Frankreich. Auch der Radsport treibt seine Globalisierung voran, wie die Zunahme amerikanischer Teams und der Rennen in Übersee belegen. Bis zum letzten Kilometer behält deshalb die Marketingfigur Armstrong Legenden-Status, auch wenn selbst in den USA der Glaube an seine Story sinkt. Und aus dem Burgfrieden, den die Tour einst schloss mit dem Weltverband UCI (es ging um Geld, um den Rennkalender), ist längst ein Bündnis geworden, das hart kämpft - nur nicht für Transparenz.
Seit Armstrongs Rückkehr gelten wieder andere Regeln. So raste Alessandro Petacchi im Grünen Trikot gen Paris, obwohl gegen ihn daheim in Italien ermittelt wird. Es ist nicht lange her, da wäre dies für die Tour undenkbar gewesen. Aber sie hat sich einen Pragmatismus verordnet, dem sich angeblich auch die Profis verpflichtet fühlen: Selbst Sieger Contador hat Schwächen gezeigt und damit für manchen die These aktueller Kronzeugen (Landis, Kohl, Frei) gestützt, dass inzwischen an stimulierenden Stoffen nur noch in Mikro-Dosen genascht werde.
Auch etwas weniger Betrug bliebe Betrug. Doch in der schönen, neuen Tour-Welt haben solche Thesen keinen Platz. Beleg dafür ist eine etablierte Preisverleihung, mit der die Tour-Organisatoren eine - ihrer Meinung nach - herausragende Berichterstattung würdigen. Gewonnen hat ein Autor von L'Équipe, dem Sportblatt des Veranstalters der Tour. Er hatte noch einmal Contadors Geschichte erzählt. Das Wort "Fuentes" kam darin nicht vor. Die Preisübergabe nahm Prudhomme vor.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Alberto Contador RSS
- Radsport: Team Milram macht dicht Radsportland ist abgebrannt 21.07.2010
- Radsport in Deutschland Lehren aus der Seuche 26.07.2010
- Tour de France: Gesamtsieg Letzter Angriff auf Andy Schleck 22.07.2011
- Tour de France: Alpe d'Huez Evans attackiert, Schleck pariert 22.07.2011
- Tour de France im Liveticker Rolland gewinnt, Schleck in Gelb 22.07.2011
- Tour de France Die nächste Kapriole: Andy Schleck fährt allen davon 21.07.2011
- Tour de France: Liveticker Vanendert gewinnt, Contador enttäuscht 16.07.2011
(SZ vom 26.07.2010)
Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
@cj_calva:"
Deutschland als Europas Doping Nation Nr 1..., eigenen Defizite dann mittels schlechtreden eines Anlasses im Ausland kaschieren zu wollen, erinnert an typisch Deutsche Unarten..., Mittlerweile darf der Radsport als relativ sauber bezeichnen werden..., Für Deutschland zahlt halt kaum jemand was..."
Meine Herren! Was ist denn mit Ihnen los?
War das alles Ironie, oder ist das wirklich ihre Meinung?
(und ich dachte wir haben unser grottenschlechtes Ansehen im Ausland einigermaßen überwunden;-)
Seit meinem 9. Lebensjahr (1992) und allen Skandalen zum Trotz bin ich ein großer Freund des Radsports. Einige Menschen in Deutschland müssen einfach verstehen, dass das Wissen über Dopingpraktiken und die Freude am Radsport sich nicht widersprechen.
Meines Erachtens ist die "kritische" Berichterstattung der ÖR nichts als billiger Populismus.
1. Kann man so die Übertragung der größten, jährlich stattfindenden Sportveranstaltung in Deutschland weiter rechtfertigen
2. Wird durch die Radsport= Doping Berichterstattung der Eindruck vermittelt andere Sportarten seien sauber
3. Man löscht die Erinnerung daran, dass ARD/ZDF 10 Jahre lang gerade deshalb so gut mit dem Radsport verdient haben, weil sie die Problematik unter den Teppich gekehrt haben.
Der Radsport hat ein sehr, sehr großes Dopingproblem. ABER mir soll jemand EINE Sportart nennen die strengere Antidopingregeln hat als der Radsport!
Einige Beispiele: Wie kann es sein, dass eine Frau Sachenbacher während der Olympischen Spiele 2006 mit einem zu hohen Hämoglobinwert suspendiert wird, Doping ist die einzig vernünftige Begründung dafür, nach einer inzenierten tränenreich Pressekonferenz in der deutschen Öffentlichkeit plötzlich das "Opfer" des bösen Weltverbandes ist?
Über Dopingstrukturen im Fussball und der Nichtexistenz gezielter Dopingproben ganz zu schweigen.
Wann genau würde Herr Burkert denn auf solche polemischen und vorallem wenig konstruktiven Artikel verzichten? Gibt es 6 Dopingfälle während und nach der Tour dann zeigt das weiter Bestehende Dopingproblem. Folgerung: Der Radsport liegt am Boden und seine korrupten Funktionäre decken die radfahrenden Betrüger.
Gibt keine Dopingfälle so ist völlig klar: Das Problem wird totgeschwiegen, man hat nichts gelernt. Der Radsport liegt am Boden und seine korrupten Funktionäre decken die radfahrenden Betrüger.
Oder vielleicht stirbt. Shit happens.
Das Argument: Franzosen und alle Radsportfans lieben die Tour darf nicht ziehen.
Die Römer liebten auch ihr Colloseum, trotzdem war es barbarisch und mörderisch.
"Die Tour de France ist wunderbar, Deutschland hat dem nichts entgegen zu setzen, weder von der Landschaft, noch vom Esprit und Flair. Für Deutschland zahlt halt kaum jemand was, für Frankreich schon.... woran das wohl liegt?"
Haben Sie und Ihr Land mehr zu bieten?
lol. Sie sind Schweizer, oder? Tolle Satire ihr Artikel. Wusste garnicht, dass der Schweizer so ein lustiiger Zeitgenosse ist. Danke dafür!
Paging