Verräterische Startlisten geben dem IOC Hinweise, dass Turn-Olympiasiegerin He Kexin erst 14 Jahre alt ist.
Der olympische Jahrmarkt ist auch einer für Mensch und Ross, und wo schaut man beim Pferd zuerst hin? Ins Maul, richtig. Die Zähne sagen viel über Alter und Verfassung. Geht es nach Bela Karoly, sollte man das auch im Kunstturnen so halten. Der Szenefuchs, der einst Nadia Comaneci und Mary Lou Retton zu Olympiagold führte, weiß eine Menge über Gebisse. Da war zum Beispiel die Nordkoreanerin Kim Gwang Suk, die bei der WM 1991 ohne Schneidezähne antrat. Ihre Trainer erzählten, das Mädel habe vor Jahren einen Trainingsunfall erlitten. Karoly fand, dass die 1,32 Meter kleine, 31 Kilo leichte Kim niemals 16, nicht mal elf Jahre alt war - und just die Milchzähne verloren hatte. "Schaut die kleinen Chinesinnen an", rät er den Reportern in Peking, "dann seht ihr, dass einige klitzekleine Milchzähne haben."
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Angeblich schon 16 Jahre alt: Chinas Turnfloh He Kexin. (© Foto: AP)
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Ein schwerwiegender Verdacht, zumal er sich auf He Kexin bezieht, die nationale Hoffnung dieses olympischen Dienstags. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat soeben vertrauliche Unterlagen ausgewertet, die zeigen, dass bei He Kexins Alter offenbar geschummelt wurde. Die kindliche Olympiasiegerin am Stufenbarren, die mit Chinas Team bereits das Mannschaftsgold abgeräumt hat, soll stolze 16 Jahre alt sein, das vom IOC geforderte Mindestalter. IOC-Sprecherin Giselle Davies sagte am Montagabend der SZ: "Uns wurde gesagt, die Altersfragen sind geklärt. Es gibt aber ständig weitere Beiträge, die auf Diskrepanzen hindeuten. Wir haben den Turnweltverband FIG gebeten, mehr herauszufinden. Wir denken, das tut er sofort."
Die FIG war dem Verdacht sogar selbst schon nachgegangen. Prompt hatten die Chinesen eine Kopie von Hes Reisepass präsentiert. Er war taufrisch, ausgestellt im Februar 2008, aber "das Alter war okay", sagte FIG-Generalsekretär Geisbühler der New York Times. "So lange wir keine offizielle Beschwerde haben, können wir nichts tun, wenn uns ein Pass gezeigt wird, der offenbar in Ordnung ist." Das war im Mai. Seit Montag gibt es Anlass für eine Untersuchung dank der Anfrage des IOC. Der Verdacht ist, dass He auf dem Ausweispapier exakt zwei Jahre älter gemacht wurde, um Chinas Sportruhm zu mehren.
Seltsame Stadtmeisterschaften
Das Fälschen von Altersangaben zählt auch in China zu den Geläufigkeitsübungen. Hier gibt es keine Geburtsurkunden, und schon einmal, nach den Sydney-Spielen 2000, flog ein Fall auf. Da gab die zweifache Bronzegewinnerin Yang Yun zu, dass sie bei Olympia mit 14 triumphiert hatte; das gestand sie sogar im Staatsfernsehen CCTV. Ihre Angaben bezeugte auch ein Bericht der Sportverwaltung in der Provinz Hunan. Warum sollte es also im Fall He, die für Peking mit dem Geburtsdatum 1. Januar 1992 ausstaffiert ist, einen vernünftigen Grund geben, frühere behördliche Angaben zu ihrer Person anzuzweifeln?
Laut Website des Nationalen Sportbüros nahmen an den 6. Nationalen City Games, die 2007 in Wuhan stattfanden, wie üblich Mädchen von elf bis 13 Jahren teil. Auf der entsprechenden Liste wird He Kexin mit dem passenden Geburtsdatum 1. Januar 1994 geführt. Dasselbe Datum findet sich auf einer Turnierliste, die das Nationale Sportbüro im Februar 2006 herausgab. Doch Wochen später wurde das Alterslimit für die City Games geändert, nun waren Kinder von 13 bis 15 zugelassen (1.1.1992 bis 31.12.1994). He holte Gold am Stufenbarren. Und Chinas Medien von der Agentur Xinhua bis People's Daily feierten "die 13-Jährige" als den "kommenden Star". Im Internetarchiv lässt sich anhand von Startlisten rekonstruieren, dass He Kexin (wie ihre Gold-Kollegin in Peking, Jiang Yuyuan) heute 14 sein dürfte, keine 16. Dass sich also Schein und Sein decken.
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Verrückter Eisladen in der Maxvorstadt
spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,573461,00.html
Es gher hier nicht darum eine Leistung nicht anzuerkennen, sondern darum dass China Sportler antreten lässt, die laut Regularien noch gar nicht starten dürfen und deren Geburtsdatum man offensichtlich gefälscht hat.
Ist man bei der KP denn so sehr auf Gold versessen, dass man Dokumente anscheinend fälschen muss.
Geht das gelobte Reich denn unter, wenn man eine Medallie weniger gewinnt???
Also doch alles Politik
@ Dr. Chancentod
Herr Dr Chancentod, als ich erfahre, meisten Sportler, die Goldmetal geholt haben, müssen von der Kindheit an täglich schwere Übungen machen, besondere für Turn. Es ist zu spät, ab 18 Jahre alt angefangen, Turn zu üben, wenn man an der Olmpischen Spiele teilnehmen möchte.
Wenn man etwas bekommen möchte, musste mann etwas verlieren. Schade, die Kindheit verloren, aber Gratulation für den Sieg.
dann sollte man das Frauenturnen entsprechend ausprägen, daß keine gefährlichen, halsbrecherischen Übungen mehr vorkommen, sprich insbesondere den Balken mit seinen 12 (?) cm endlich abschaffen.
Und ein Mindestgewicht für die Turnerinnen sollte auch eingeführt werden. Was sind schon 31 Kg, die Fräulein 14-Jährig auf die Waage bringt?. Unter 50 Kg sollte nichts genehmigt werden.
Bevor jetzt wieder jemand aufschreit, dass ich die Chinesen schlecht machen will:
Es ist mir wurscht, ob das in China, den USA oder bei uns passiert, es ist immer eine Schweinerei, wenn Kinder (sei's von den Eltern oder vorm Staat) gezwungen werden, ab der frühesten Kindheit Hochleistungssport zu treiben. Da geht nämlich nicht nur die Kindheit sondern auch die Gesundheit flöten.
Das ist es auch, was mich am Doping stört: das Leute sich da gesundheitlich kaputt machen, und das oft schon in einem Alter, wo sie gar nicht einschätzen können, was sie sich da an tun.
"Ich würde vorschlagen, dass die Median die schlechte Leistungen der deutschen Mannschaft beobachten, nicht sich für entweder "Kind" oder Doping interessieren. Das macht keinen Sinn. "
Also das schlechte Abschneiden von deutschen Sportlern finde ich persönlich schade - ist aber nicht gerade weltbewegend.
Wenn aber - worauf apfelbutzn zu recht hinweist - in China tausenden von kleinen Kindern die Kindheit gestohlen wird und sie in "Talenschmieden" bis zur Schmerzgrenze (und darüber hinaus) gedrillt werden, nur damit China neue Goldmedallienrekorde aufstellt, dann ist das tragisch und berichtenswert.
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