Olympia "Tag der Klarheit"

Der DOSB muss in Hannover das Nein zur Olympia-Bewerbung 2024 aufarbeiten. Immerhin einen Nutzen kann man der Abstimmung der Hamburger abgewinnen.

Von Johannes Aumüller, Hannover

Immerhin einen Nutzen konnte Alfons Hörmann dem Nein der Hamburger Bevölkerung zu einer Olympia-Bewerbung für 2024 abgewinnen. Eine einstündige Präsentation des Konzeptes war für die Mitgliederversammlung des deutschen Sports in Hannover an diesem Samstag vorgesehen. Jetzt würden auch 20 Minuten reichen, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nach der Präsidiumssitzung am Donnerstag.

Aber ansonsten ist die Stimmung alles andere launig, wenn die deutschen Sportfunktionäre in diesen Tagen zusammenkommen. Das Hamburger Nein ist ein harter Schlag, nun geht es daran, die Scherben auf- und zusammenzukehren. Und es dürfte spannend zu sehen sein, wie das passiert. Üblicherweise läuft das Verarbeiten solcher Niederlagen im Sport eher harmonisch ab, meist haben sich alle zumindest nach außen ganz doll lieb. Das Präsidium debattierte am Donnerstag zweieinhalb Stunden die Pleite, aber eine klare Analyse wollten Hörmann und DOSB-Vorstandschef Michael Vesper nicht abgeben. Die ungeklärte Verteilungsfrage zwischen Bund und Land zu den erwarteten Kosten von mehr als elf Milliarden habe "den einen oder anderen Prozentpunkt gekostet, so wie andere Themen auch". Über eine neue Bewerbung nachzudenken, mache keinen Sinn, sagte Hörmann. Dafür kündigte er ein neues Projekt an: Er will den Verband strukturell reformieren. Das wird dann für 2016 die zweite große Baustelle neben der geplanten Reform des Leistungssportes.

Die Frage ist, ob die DOSB-Spitze mit diesen Allgemeinplätzen und neuen Projekten in den Gremiensitzungen am Freitag sowie auf der offenen Plenarbühne am Samstag durchkommt. In der Bewerbung wurden diverse Fehler gemacht, und in politischen Parteien richtet sich der Blick in solchen Situationen auch aufs Spitzenpersonal - und zumindest manche im Sport machen das jetzt auch. Die DOSB-Frontmänner sagen zwar, sie hinterfragten ihre Arbeit, aber einen konkreten Fehler räumen sie bisher nicht ein. Sie sind dabei in unterschiedlichen Positionen. Vesper ist hauptamtlich angestellt und kann nur durch das von Hörmann angeführte Präsidium entlassen beziehungsweise nach Ablauf seines Vertrages 2016 nicht im Amt bestätigt werden. Hörmann ist von der Mitgliederversammlung gewählt. Nun komme "der Tag der Wahrheit und Klarheit", sagte er. "Ich habe in der Schule gelernt, dass man die Benotung anderen überlassen sollte."