Maria Scharapowa Die Tennisspielerin, die allen gefällt

Nimmt mehr ein als jede andere Sportlerin: Maria Scharapowa

(Foto: Getty Images)

Maria Scharapowa ist nicht die beste Tennisspielerin der Welt, dennoch verdient sie mehr als jede andere Sportlerin. Wie macht sie das? Eine Begegnung.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

"Hallo, ich bin Maria!" Das sind die ersten Worte der jungen Frau mit den zerzausten blonden Haaren und der Rocky-Balboa-Trainingshose. Es ist freundlich, zugleich aber auch verwirrend, wenn eine der berühmtesten Frauen der Welt glaubt, beim Kennenlernen ihren Vornamen nennen zu müssen. Der Nach- name, ja, das würde Sinn ergeben, schließlich hat Maria Scharapowa vor zwei Jahren angeblich überlegt, sich in Sugarpova umzubenennen, um den Verkauf der eigenen Gummibärchenmarke anzukurbeln.

Was einem bei der Begegnung mit der russischen Tennisspielerin anschließend auffällt: Sie sitzt alleine da, ohne Pressesprecher. Statt Make-up trägt sie Gesichtscreme, am Handgelenk eine wertvolle Uhr, an den Füßen Turnschuhe, in den Ohren kleine goldene Pfeile. Neben ihr steht eine Wasserflasche, dahinter ist das Logo eines Autoherstellers zu erkennen. Würde der Gesprächspartner in diesem Moment ein Foto von seinem Blickfeld machen, wären darauf ausschließlich Produkte von Unternehmen zu sehen, für die Scharapowa, 28, als Botschafterin arbeitet.

Erst posieren, dann servieren

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In der Mitte dieses Bildes wäre das wertvollste Produkt abgebildet: Maria Scharapowa. Laut Forbes-Magazin ist sie seit zehn Jahren die bestverdienende Sportlerin. Auch 2016 dürfte es wieder so sein. Warum ist das so, wo sie doch nicht einmal die beste Akteurin ihrer Sportart ist? "Ich bin ein Entertainer, der Tennisplatz ist meine Bühne", sagt Maria Scharapowa. Ein Grand-Slam-Turnier sei nichts anderes als ein Rockkonzert oder eine Theateraufführung: "Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn Menschen ein Ticket kaufen, um eine Vorstellung von dir zu sehen." Sie sagt nicht Spiel. Sie sagt Vorstellung.

Ihre Einnahmen werden immer wieder mit denen von Serena Williams verglichen

Es ist Dezember, Scharapowa hat mit der Hilfe eines Sponsors in Los Angeles ein kleines Mixed-Turnier organisiert. Madison Keys ist dabei, Kei Nishikori auch, sogar Andy Roddick. Es geht nicht besonders ernst zu, die Saison ist vorbei. Die Tennisspielerin Scharapowa hat 2015 trotz einer Fußverletzung wie in den zwölf Jahren zuvor mindestens einen Turniersieg geschafft (sie gewann in Brisbane und in Rom) und 3,95 Millionen Dollar Preisgeld erspielt. Das reicht für Rang vier der Weltrangliste und für Platz sechs beim Preisgeld.