Maccabi-Spiele in Berlin Sportliches Date mit der Geschichte

Sportler als Davidstern: Jüdische Athleten im Berliner Olympiapark.

(Foto: Privat)
  • Die European Maccabi Games finden erstmals in Deutschland statt. Es ist gesellschaftspolitisch das bedeutendste Sportfest seit Jahren.
  • Es nehmen Enkel von jüdischen Sportlern daran teil, die bei den Sommerspielen 1936 wegen ihrer Herkunft nicht starten durften.
  • Die Wirtschaft zwingt die Organisatoren zum Sparkurs.
Von Javier Cáceres und Jens Schneider, Berlin

"Wenn nicht jetzt: Wann dann?" fragt Oren Osterer. Denn in diesem Jahr komme der absolut richtige Zeitpunkt für diese Spiele in Berlin. 2015 jährt sich das Ende der Schoah zum 70. Mal, und genau 50 Jahre liegt es zurück, dass Israel und Deutschland diplomatische Beziehungen aufgenommen haben. Osterer, 34, sitzt mit seinem kleinen Team und einem guten Dutzend freiwilliger Helfer eng beieinander in einem Büro in Berlin-Kreuzberg. Alle sind jung, es könnte eine Studenten-Initiative sein, die sich an ihrem ersten großen Projekt versucht. Tatsächlich bereiten sie die "European Maccabi Games" vor, das größte jüdische Sportereignis in Europa - und gesellschaftspolitisch das wohl bedeutendste Sportfest in Deutschland seit Jahren.

Wenig mehr als hundert Tage sind es noch, dann wird Bundespräsident Joachim Gauck in der Berliner Waldbühne das Sportfest mit mehr als 2000 Athleten eröffnen. Die Feier am 28. Juli soll eine große Party mit einem spannenden Kulturprogramm werden. Erstmals wird es keine geschlossene Veranstaltung jüdischer Sportler in familiärem Ambiente sein. Osterer, der Direktor des Organisationskomitees, hofft zum Einzug der Nationen auf 15 000 Gäste in der Waldbühne.

In der Waldbühne, wo 1936 bei den olympischen Spielen im nationalsozialistischen Deutschland die Wettkämpfe im Geräteturnen ausgetragen wurden. Nun sollen die Wettbewerbe der jüdischen Sportler aus 30 Ländern eine Woche lang im Olympiapark stattfinden - dort, wo damals Hitlers Propaganda-Show stattfand. Hier werden sie sich im Schach messen und im Fußball, im Fechten, Schwimmen und Basketball, in 24 Disziplinen insgesamt.

Erstmals finden die Maccabi Games in Deutschland statt

Zum ersten Mal wird dieses europaweite Treffen jüdischer Sportler in Deutschland stattfinden, und es werden die größten "European Maccabi Games", die es je gab. Es ist ein Ereignis von großer Symbolik: Die Spiele sollen "ein Zeichen für ein neues jüdisches Selbstverständnis in Deutschland sein", sagt Osterer: ein Zeichen, dass die jüdische Gemeinde sich selbstverständlich als ein vitaler und sichtbarer Teil dieses Landes versteht.

Der frühere Basketballer beschreibt sich selbst als "ein Kind der Makkabi"-Familie. Sein Vater war lange Vorsitzender des jüdischen Sportverbands Makkabi Deutschland. Er war schon als Junioren-Spieler bei seiner ersten Makkabiade dabei. Es ist ein Treffen mit großer Tradition: Ende des 19. Jahrhunderts gründeten Juden in Europa ihre eigenen Sportvereine, die völkisch gesinnten Sportvereine ihrer Heimatländer nahmen sie nicht auf. Der Name Makkabi geht auf den Anführer eines historischen jüdischen Aufstandes zurück. Im Jahr 1932 gab es die erste Makkabiade in Israel, sie findet inzwischen, wie die olympischen Spiele, alle vier Jahre dort statt, zeitversetzt gibt es die Maccabi-Games in Europa.

Die ersten Spiele in Deutschland werden von prominenten "Sportpaten" unterstützt. Der Fußballweltmeister Jérôme Boateng, gebürtiger Berliner und heute Profi beim FC Bayern, zählt dazu, der Tischtennis-Profi und Olympia-Medaillengewinner Dimitrij Ovtcharov und auch die Schwimmerin Sarah Poewe: Sie war die erste jüdische Athletin, die nach 1945 für Deutschland olympische Medaillen gewann, in Athen 2004. Bundespräsident Gauck habe sofort zugesagt, als ihm die Schirmherrschaft angetragen wurde, sagt Osterer. Ein Staatschef als Schirmherr: So etwas habe es vorher noch nicht geben.