Leichtathletik Weniger Hausbesuche

In der zweiten Reihe: Marathonläufer Philipp Pflieger (li.), erhält von seinem Verband demnächst noch weniger Förderung als bisher.

(Foto: Bernd Von Jutrczenka/dpa)

Kurz vor der Olympia-Saison muss der deutsche Verband sparen: Er fährt die Förderung für manche Kaderathleten zurück.

Von Johannes Knuth

Der Ausflug zum Marathon in Frankfurt hat sich für Philipp Pflieger am vergangenen Sonntag durchaus gelohnt. Pflieger trat im Hessischen Rundfunk als Experte auf, er durfte sich ein wenig sonnen in jenem Ruhm, den ihm sein mutiger Marathon vor einem Monat in Berlin beschert hat. Pflieger erfuhr auch, dass ihn der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) für das kommende Jahr wieder in seinen B-Kader eingliedert - in jenes Sammelbecken, in dem er Kandidaten für Europameisterschaften fördert. Wer dort aufgenommen wird, dem finanzieren sie ein DLV-Trainingslager pro Jahr, in Monte Gordo/Portugal. Das, erfuhr Pflieger in Frankfurt, sei diesmal aber leider nicht drin. Der 28-Jährige wird sich Anfang Januar zwar zwei Wochen lang in Portugal vorbereiten, wie immer. Die Rechnungen für Flug und Hotel muss er diesmal aber selbst bezahlen. Kurt Ring, Pfliegers Trainer in Regensburg, sagt: "Wir fühlen uns ein wenig im Regen stehen gelassen."

Die Bundestrainer können Kaderathleten bis zum Jahresende eingeschränkt besuchen

Die Leichtathletik verabschiedet sich gerade in die Wintermonate. Die meisten Athleten vertiefen sich in die Vorbereitung, sie basteln jeden Tag ein klein wenig daran, in ein paar Monaten etwas Großes zu schaffen. Zum Beispiel bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio. In dieser Phase beschneidet der DLV nun aber offenbar einige Mittel, bis zum Jahresende. Nach SZ- Informationen wurden die Bundestrainer angehalten, Kaderathleten wenn möglich nicht mehr im Training zu besuchen. Auch haben sie Lehrgänge für Athleten aus der zweiten Liga, zum Beispiel biomechanische Messungen, mit denen Sportler ihre Technik verbessern oder Fehlstellungen korrigieren, ins nächste Jahr geschoben. Und sein Trainingslager muss Pflieger auch vorstrecken, ein dreistelliger Betrag.

DLV-Präsident Clemens Prokop schreibt auf Anfrage, dass das Ressort Leistungssport einige "im Planansatz nicht vorgesehene Mehrkosten" angesammelt habe. Weil die Flüge zur U18-WM nach Cali/Kolumbien etwas teurer waren, weil der Euro-Dollar-Kurs geschwankt habe, und weil sich die Athleten vor der WM in Peking lange in Korea akklimatisiert hatten. "Gerade letztere Mehrkosten waren jedoch erforderlich, um den dann auch eingetretenen sportlichen Erfolg sicherzustellen", so Prokop. Man könne die Athleten aber weiter unterstützen, den Lehrgang des Top-Teams Ende November in Südafrika zum Beispiel; dort ziehen sie potenzielle Medaillensammler und Finalteilnehmer für Olympia zusammen. Allerdings habe man "einige daneben geplante Leistungsdiagnostik- und Lehrgangsmaßnahmen von nachrangiger Bedeutung" ins nächste Jahr geschoben. Und beschlossen, die "Mittel der Reisekosten der Bundestrainer bis zum Jahresende zu limitieren". Das Ressort Leistungssport habe zuvor nicht angemeldet, dass man mehr Geld benötige, also müsse man das Budget nun umschichten. Das sei aber "Routine". Überhaupt könne man schon jetzt sagen, so Prokop, "dass der Haushalt mit einem Überschuss abschließen wird".

So ganz gewöhnlich ist es freilich nicht, dass Bundestrainer weniger reisen dürfen, vor allem jetzt, da die Olympia-Saison heranrollt. Und Pflieger wiederum würde Anfang Februar gerne die im internationalen Vergleich strengere Norm des DLV für Rio nachreichen. In Berlin hatte er sie knapp verfehlt und sich beklagt, dass ihn sein Verband kaum finanziell unterstütze - bis auf die Kosten für das Trainingslager.