Frühere Fifa-Vorstand Blazer FBI belauschte Fifa-Funktionäre

Chuck Blazer, Spitzname "Mister zehn Prozent", sahnte früher bei Fußballgeschäften ab. Jetzt hilft er dem FBI.

(Foto: imago sportfotodienst)

Konfrontiert mit der Aussicht verklagt zu werden, entscheidet sich der frühere Fifa-Vorstand Chuck Blazer, mit dem FBI zu kooperieren. Dafür zeichnete er Gespräche mit Funktionären auf. Natürlich sehr diskret.

Von Thomas Kistner

Im Fußball ist ja die Wirklichkeit meist spannender als die Fiktion, nicht nur auf dem Rasen. Im Streifen United Passions, einer mit 25 Millionen Euro geförderten, aber an den Kinokassen gnadenlos gefloppten Selbstbeweihräucherung des Fußball-Weltverbandes, erklärt in der gewiss albernsten Szene der von Tim Roth gemimte Fifa-Chef Sepp Blatter, dass nun gnadenlos Schluss sei mit der Korruption, ha! Keine Rolle in der unfreiwilligen Selbstpersiflage, die Fifa-General Jérôme Valcke ernsthaft als Teil der Selbstreform bezeichnet hat, spielen all die langjährigen Vorstände, deren Treiben aufgeflogen ist. Leute wie Chuck Blazer.

Das ist schade. Denn Blazer ist ein Prototyp des Funktionärs. Als Langzeitresident auf Fußballkosten im New Yorker Trump Tower, wo er angeblich sogar seinen Katzen eine eigene Luxusbleibe spendierte, hat er sich über die Jahre im Dienst am Sport so die Taschen gefüllt, dass ihn 2011 das FBI und die Steuerfahndung IRS zu fassen bekamen. Konfrontiert mit der Aussicht, wegen eines unversteuerten Millionenreibachs verklagt zu werden, rang sich Blazer dazu durch, mit den Bundesagenten zu kooperieren. Natürlich sehr diskret.

Auftritte von cinemaskopischer Größe

Was in Auftritte von cinemaskopischer Größe mündete, wie nun die New York Daily News berichtet. Demnach saß Blazer etwa bei den Sommerspielen 2012 in London mit Funktionärsfreunden beisammen - und hatte auf dem Tisch einen Schlüsselanhänger platziert, der ein Mikrofon barg. Allein vor der London-Reise, die er nur unter strikter Überwachung von US-Agenten unternehmen durfte, lud Blazer laut Bericht Funktionäre aus Russland, Ungarn, Australien und den USA zu Gesprächen ein. Zu Sitzungen, die er für das FBI aufzeichnen sollte. Das Blatt zitiert aus dem Mailverkehr; auch stand Blazer 2012 im Fokus des FBI.

Blazer hatte gemeinsam mit dem karibischen Skandalfunktionär Jack Warner über zwei Dekaden den Nord- und Mittelamerikaverband Concacaf geführt. Warner war Präsident, Blazer der Generalsekretär, der Marketingdeals mit eigenen Firmen in Steueroasen machte. Er galt als Mister zehn Prozent - in Anspielung auf die Marge aus den Concacaf-Einkünften, die Blazer als seine betrachtet haben soll. Die missbräuchliche Verwendung mehrerer Dutzend Dollarmillionen - allein 29 Millionen sollen über Kreditkarten in Blazers aufwendigen Lebensstil gesickert sein - und andere Exzesse waren 2011 aufgeflogen.

Liaison mit dem Kreml

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Damals hatte Blazer der Fifa den Kumpel Warner ans Messer geliefert: Der hatte auf seiner Heimatinsel Trinidad & Tobago eine Bestechungsorgie für den Fifa-Thronbewerber und Blatter-Gegner Mohamed Bin Hammam orchestriert. Blazer meldete den Vorgang (über den auch Blatter vorab informiert war), Warner kam einer lebenslangen Sperre nur durch Rücktritt von allen Ämtern zuvor. Seine Rache: Plötzlich landeten Dokumente beim FBI, die Insidergeschäfte Blazers mit Concacaf-Rechten offenbarten; darunter zehn Millionen Dollar, die Blazer als Provisionen auf karibische Offshore-Konten geschleust hatte.

Die verbandsinterne Buchprüfung förderte einen absurden Selbstbedienungsladen zutage, den die Blatter-getreuen Fifa-Vorstände über Jahrzehnte geführt hatten. Wie Blazer wurde Warner, ein Dorflehrer aus Rio Claro auf Trinidad, im Ehrenamt zum Multimillionär. Blatter und die Fifa hatten ihm sogar fortgesetzt die TV-Rechte der WM-Turniere in der Karibik für Spottpreise zugeschustert - anfangs für einen Dollar.