Formel-1-Sieger Ricciardo "Jetzt ist die Erlösung gekommen"

Daniel Ricciardo: Hat erst seine Konkurrenz nass gemacht, dann sich selber

(Foto: AFP)
  • Daniel Ricciardo jubelt beim 250. Grand Prix von Red Bull über seinen zweiten Formel-1-Sieg.
  • Er lässt sich vom Zweitplatzierten Sebastian Vettel Champagner einschenken und springt später in den Pool.
  • "Ich habe schon damit gerechnet, dass das Rennen für mich beendet ist", gibt Ricciardo auf der Pressekonferenz zu. Er hatte Probleme mit seinem Auto.
Von Anna Dreher, Monte Carlo

Daniel Ricciardo stieg auf seinen Wagen und nickte dem Himmel entgegen. Er hatte es trotz aller Schwierigkeiten geschafft: seinen ersten Sieg in Monaco, und das beim 250. Grand Prix in der Geschichte seines Rennstalls Red Bull. Der Australier war so überwältigt davon, dass er sogar die Etikette vergaß, damit aber nicht alleine war. Nachdem Ricciardo, der Zweite Sebastian Vettel im Ferrari und Lewis Hamilton im Mercedes von Albert II. und dessen Frau Charlène geehrt worden waren, spritzte Vettel die Adeligen erst mit dem Champagner nass.

Kurz danach bot Ricciardo dem Fürstenpaar dann seine Siegerflasche an - immerhin. Er selbst hatte kurz davor traditionell aus seinem Schuh getrunken. "Zwei Jahre in der Mache, jetzt ist die Erlösung gekommen", sagte Ricciardo. "Ich bin begeistert, wir haben Monaco gewonnen, das fühlt sich so gut an." Für den 28-Jährigen war es der zweite Saisonsieg und der siebte seiner Formel-1-Karriere. Mit 72 Punkten ist er nun Dritter in der Gesamtwertung. Vettel konnte seinen Rückstand auf den WM-Führenden Hamilton (110) mit dem Ergebnis von Sonntag um drei Zähler auf 14 Punkte immerhin verkürzen.

Vor dem sechsten Saisonrennen war es ja auch um diese Frage gegangen: Ob der eine viermalige Weltmeister dem anderen viermaligen Weltmeister im Kampf um den historischen fünften Titel weiter davon zieht - oder ob Vettel der Anschluss gelingen würde. "Ich glaube, das war das längste Rennen, das ich je gefahren bin", sagte Hamilton nach den 105 Minuten auf dem Stadtkurs des Fürstentums. "Ich freue mich jetzt auf die anderen Rennen. Die werden mehr Spaß machen." Auch Vettel musste an diesem Tag eingestehen: "Wir hatten die Geschwindigkeit, aber es war ein schwieriges Rennen. Daniel war stärker, wir sind nicht hinterher gekommen." Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari belegte Platz vier vor Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Nico Hülkenberg schaffte es nach zuletzt zwei Ausfällen mit seinem Renault auf der äußerst engen Strecke auf den achten Rang.

Es war ein für monegassische Verhältnisse ruhiges Rennen, das bemerkenswerterweise ohne Safety Car auskam und seine Spannung vor allem aus der Haltbarkeitsfrage der Reifen zog - bis sechs Runden vor Schluss, als sich ausgerechnet Charles Leclerc bei seinem ersten Heimrennen mit seinem Alfa Romeo Sauber auf dem Randstreifen verbremste und hinter dem Tunnelausgang gefährlich schnell in den Toro Rosso von Brendon Hartley krachte. Der einzige Ausfall davor war Fernando Alonso, der seinen McLaren mit einem Getriebeschaden nach 53 Runden abstellte.

"Ich verliere Power!", funkt Ricciardo

Ricciardo zeigte eine fahrerische Meisterleistung. Das Team funkte früh das Motto des Tages durch: "Konzentriert bleiben!" Genau darauf kam es an. Hamilton ging in der 13. Runde als erster der drei Führenden an die Box, Vettel bog vier Runden später zum Reifenwechsel ab, wie kurz danach auch Ricciardo. Seinen Vorsprung von 3,2 Sekunden auf Vettel konnte er halten - hatte jedoch kurz danach mit Antriebsproblemen zu kämpfen. Auch den sechsten Gang konnte er nicht mehr einlegen. Der Box teilte er aufgeregt mit: "Ich verliere Power!" Später sagte auf der Pressekonferenz: "Ich habe schon damit gerechnet, dass das Rennen für mich beendet ist." Mit fahrerischem Können und Feingefühl glich er all das jedoch aus. "Ich glaube nicht, dass irgendein anderer Fahrer das gekonnt hätte", sagte Red Bulls Sportchef Helmut Marko.

Vettel blieb Ricciardo im ganzen Rennen dicht auf den Fersen. Zwischendurch verkürzte den Rückstand gar auf unter eine Sekunde. Ricciardo aber blieb fehlerfrei. Bereits das Training und die Qualifikation hatte er auf beeindruckende Art und Weise dominiert. Als erster Fahrer war er auf diesem Stadtkurs unter der 1:12-Marke geblieben und unterbot damit den bis dahin geltenden Streckenrekord von Räikkönen von 2017. Schneller als seine 1:10,810 Minuten fuhr in dieser Woche keiner. Das brachte ihm die zweite Pole Position seiner Karriere. Die erste hatte der 28-Jährige vor zwei Jahren ebenfalls im Fürstentum geholt. Den Sieg verpasste er damals jedoch auf besonders bittere Weise: Als er an die Box gerufen wurde, standen seine Mechaniker zwar bereit - jedoch ohne Reifen. Hamilton zog an ihm vorbei. In diesem Jahr unterlief seinen Mechanikern kein solcher Patzer.

Und während sich auf den vorderen Plätzen nichts groß änderte, arbeitete sich Ricciardos Teamkollege Max Verstappen Stück für Stück nach vorne. Wie bereits 2016 war dem Niederländer ein Fahrfehler unterlaufen, im Abschlusstraining knallte er in eine Leitplanke. Weil durch den Unfall sein Getriebe gewechselt werden musste - und damit vor den im Regelwerk vorgeschriebenen sechs Rennen nacheinander - wurde er auf den letzten Platz strafversetzt. Der Ärger war groß, doch schon in der ersten Runde fing der 20-Jährige bei den beiden Haas-Piloten Kevin Magnussen und Romain Grosjean mit dem Überholen an und beendete das Rennen nach diversen Manövern schließlich als Neunter.

Hamilton hingegen kam nicht voran. Beim Straßenlayout von Monaco konnte sein Mercedes seine Motorenkraft nicht wie sonst ausspielen, zudem klagte er über Reifenprobleme. "Ich habe es euch gesagt mit den Reifen", funkte er an sein Team. Der 33-Jährige lag am Ende 10 Sekunden hinter seinem Rivalen Vettel. Überhaupt waren alle auf dem 3,337 km kurzen Kurs mit seinen 19 Kurven erstaunlich langsam. Dem späteren Sieger Ricciardo war das an diesem Tag natürlich sehr recht.

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