Fifa: WM-Vergabe Russland und Katar gewinnen

Überraschung in Zürich: Russland ist der Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2018, Katar wird die WM 2022 ausrichten. Die Doppel-WM-Vergabe war die skandalträchtigste in der 106-jährigen Geschichte des Weltverbandes.

Russland hat bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 das große Los gezogen. Die russische Bewerbung setzte sich beim Votum des Exekutivkomitees des Weltverbandes Fifa gegen Spanien/Portugal, England und Belgien/Niederlande durch und löste in der Heimat großen Jubel aus. Russland ist zum ersten Mal WM-Gastgeber. Um 16.37 Uhr gab Fifa-Präsident Joseph S. Blatter den Zuschlag für Russland bekannt.

Fifa-Präsident Sepp Blatter bei der Verkündung der Ausrichter der Weltmeisterschaften 2018 und 2022.

(Foto: AFP)

Katar ist Ausrichter der Fußball-WM 2022. Bei der Vergabe der Endrunde in zwölf Jahren im Fifa-Hauptquartier in Zürich am Donnerstag setzte sich das Emirat überraschend gegen die Mitbewerber Australien, USA, Südkorea und Japan durch.

"Lasst uns zusammen Geschichte schreiben". sagte Russlands Vize- Regierungschef Igor Schuwalow. Russlands Regierungschef Wladimir Putin hatte angekündigt, bei einem Sieg nach Zürich zu reisen und sich "mit Vergnügen" mit dem Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbands FIFA zu treffen. Die veranschlagten Gesamtkosten liegen bei 3,82 Milliarden Dollar. Von den geplanten 16 Spielstätten müssen 13 neu gebaut oder komplett umgebaut werden.

Mit den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi findet vier Jahre zuvor ein weiteres sportliches Großereignis in Russland statt. Das riesige Land hat allerdings noch nie eine Fußball-WM ausgerichtet. Die großen Distanzen zwischen den geplanten 13 Spielorten gelten als Problem, zumal die Flug- und Zugverbindungen schlecht sind. Russland hatte der FIFA im Falle des Zuschlages für die WM 2018 satte Millionengewinne in Aussicht gestellt.

Sportminister Witali Mutko erklärte, dass aus der Wirtschaft über eine Milliarde Dollar in das Sponsoring der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi investiert worden seien. Da der Fußball in Russland die Sportart Nummer eins sei, könne man im Falle der WM-Vergabe in das Riesenreich mit noch höheren Zuwendungen rechnen.

Allerdings könnte der Fifa noch ein juristisches Nachspiel drohen, da nach der Suspendierung der Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Haiti) und Amos Adamu (Nigeria) vor rund zwei Wochen nur 22 der 24 Mitglieder des Exekutivkomitees an der Abstimmung teilnahmen. Laut Satzung des Weltverbandes müssen aber 24 Exko-Mitglieder über die WM-Vergabe abstimmen, damit sie gültig ist. Alleine deshalb könnten die unterlegenen Kandidaten die Wahl wohl juristisch anfechten.

"Es ist durchaus möglich, dass die Wahl erfolgreich angefochten werden kann. In den Fifa-Statuten ist in Artikel 30 eindeutig festgehalten, dass das Exekutiv-Komitee aus 24 Mitgliedern besteht. Scheidet ein Mitglied aus, muss es unverzüglich ersetzt werden. Das kann man so verstehen, dass zumindest 24 Mitglieder eingeladen werden müssen, damit die Wahl auf jeden Fall gültig ist. Sollte der Internationale Sportgerichtshof CAS zu der gleichen Ansicht kommen, müsste die Wahl wiederholt werden", sagte der Frankfurter Sportrechtler Nicolas Rößler.

Die Doppel-WM-Vergabe war die skandalträchtigste in der 106-jährigen Geschichte des Weltverbandes. Nach den Diskussion über unlautere Absprachen zwischen den Bewerbern und den Korruptionsvorwürfen gegen insgesamt fünf Mitglieder des Exekutivkomitees war die FIFA stark in die Kritik geraten. Ihre Glaubwürdigkeit und die ihres höchsten Entscheidungsgremiums standen auf dem Spiel. Insgesamt war es das dritte Mal nach 1946 (zwei WM-Turniere) und 1966 (drei WM-Turniere), dass nicht nur über eine Weltmeisterschaft entschieden wurde.

Portrait der Ausrichter:

Russland: Anzahl der Austragungsstädte: 13 - Anzahl der vorgesehenen Stadien: 16 - Investitionskosten: 3,82 Milliarden Dollar - Anzahl der Eintrittskarten: 3,141 Millionen - Bekannteste Stadien: Luschniki (Moskau), Kirow-Stadion (St. Petersburg, im Bau) - Einwohnerzahl: 140 Millionen - Anzahl der Klubs: über 100.000, 100 Profi-Klubs - Größte WM-Erfolge: WM-Halbfinale 1966 - WM-Teilnahmen: 9 (davon sieben als UdSSR) - All-Stars: Lew Jaschin, Rinat Dassajew - Besonderheit: Oleg Salenko erzielte bei der WM 1994 in den USA fünf Tore gegen Kamerun (6:1) und stellte damit einen Rekord auf.

Katar: Anzahl der Austragungsstädte: 7 - Anzahl der vorgesehenen Stadien: 12 - Investitionskosten: 3,0 Milliarden Dollar - Anzahl der Eintrittskarten: 2,869 Millionen - Bekannteste Stadien: Neubau des Lusail-Stadions (vollklimatisiert) - Einwohnerzahl: 1,7 Millionen - Anzahl der Klubs: 18 Profi-Klubs, dazu einige Jugendmannschaften - Größte WM-Erfolge: keine - WM-Teilnahmen: keine - All-Stars: Khalfan Ibrahim (Asiens Spieler des Jahres 2007) - Besonderheit: Katar benötigte im letzten Qualifikationsspiel einen Punkt, um sich für die WM in Frankreich 1998 zu qualifizieren, verlor aber 0:1 gegen Saudi-Arabien und verpasste das WM-Ticket.