Fifa-Skandal Fifa-Richter widerspricht Fifa

Fifa-Präsident Sepp Blatter: Transparenz-Offensive oder Image-Kosmetik?

(Foto: AFP)

Verbandsrichter Joachim Eckert widerspricht der Fifa-Darstellung im ISL-Fall. Die Aufarbeitung dieses Millionen-Skandals gilt deshalb als Lackmustest für die Transparenz-Offensive, die Fifa-Chef Joseph Blatter neuerdings offiziell vorantreibt, die jedoch nicht wenige für reine Image-Kosmetik halten.

Von Claudio Catuogno und Thomas Kistner

Die ISL-Affäre schwebt weiter wie ein Damoklesschwert über dem Weltfußballverband Fifa: Mit 141 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld hatte die ehemalige Fifa-Hausagentur bis zu ihrem Konkurs 2001 hohe Sportfunktionäre bestochen, einige der Empfänger sind bis heute bei der Fifa aktiv.

Dem Präsidenten Sepp Blatter selbst bescheinigte ein Schweizer Gericht Mitwisserschaft und Absicherung der kriminellen Umtriebe. Die Aufarbeitung dieses Millionen-Skandals gilt deshalb als Lackmustest für die Transparenz-Offensive, die Blatter, 76, neuerdings offiziell vorantreibt, die jedoch nicht wenige für reine Image-Kosmetik halten. Insofern hatte es weltweit für Irritationen gesorgt, als die Fifa Ende Januar in einer Pressemeldung den Eindruck erweckte, schon in wenigen Wochen werde auf die ISL-Affäre auch intern der Deckel draufgemacht. Ohne Konsequenzen.

Der US-Anwalt Michael Garcia, der in der neu gebildeten Fifa-Ethikkommission als Chefermittler wirkt, werde bis März 2013 "seine Feststellungen" zu der Affäre "in einem Schlussbericht an das Fifa-Exekutivkomitee darlegen", schrieb die Fifa nach einer Sitzung der Ethikkommission am 23. Januar in Zürich.

Der Münchner Strafrichter Joachim Eckert, der gemeinsam mit Garcia der Ethikkommission vorsitzt und dort die Spruchkammer leitet, wurde mit keinem Wort erwähnt - außer als angeblicher Mitverfasser der Pressemeldung. Eckert hatte erst kürzlich Blatters Intimfeind, den Katarer Mohamed bin Hammam, mit einer lebenslangen Sperre bedacht; er ist quasi der oberste Richter für Fifa-interne Vergehen. Und ausgerechnet der ISL-Fall sollte nun an ihm vorbei geregelt werden?

Doch wer auch immer es war, der diese Meldung so formuliert hat: Wie es aussieht, war da der Wunsch, den Fall von der Backe zu haben, der Vater des Gedankens. Joachim Eckert widerspricht jetzt energisch jener Darstellung, welche die Fifa - auch unter Berufung auf seine Person - in die Welt gesetzt hatte.

Garcia habe ihm auf seine Nachfrage hin versichert, dass es sich da um eine "missverständliche Formulierung" handele, sagte Eckert an diesem Freitag der SZ am Rande einer Compliance-Tagung in München: "Von einem Schlussbericht weiß ich nichts. Und der Weg, dass Garcia direkt an den Fifa-Vorstand berichtet, ist in den Statuten auch gar nicht vorgesehen."

Abgesprochen sei vielmehr, dass Garcia auch im ISL-Fall "entweder mir Berichte vorlegt oder aber eine Zustimmung zu irgendwelchen möglichen Entscheidungen von der Spruchkammer einholt". Eine deutliche Klarstellung.

Wenn die lebenslange Sperre für Mohamed bin Hammam jetzt Joachim Eckerts Maßstab für weitere Urteile gegen korrupte Funktionäre ist, dürfte mancher im Fifa-Vorstand nun wieder zittern.