Fifa-Affäre Geldstrafe für Beckenbauer

In einigen Punkten gilt Franz Beckenbauer Fifa-intern nun als vorbestraft.

(Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Die Fifa legt Beckenbauer mangelnde Kooperation bei der Aufklärung von Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2018 und 2022 zur Last.

Von René Hofmann

Franz Beckenbauer ist wegen seines Verhaltens bei der Aufklärung von Korruptionsvorwürfen um die Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar verwarnt worden. Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes Fifa unter dem Vorsitz von Jack Kariko aus Papua-Neuguinea sprach am Mittwoch zudem eine Geldstrafe gegen Beckenbauer aus. Der 70-Jährige, der die deutsche Fußball-Nationalelf 1974 zum WM-Titel führte, 1990 als Teamchef mit der Auswahl den Titel gewann und als Präsident des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft in Deutschland vorsaß, muss 7000 Schweizer Franken zahlen, umgerechnet etwa 6300 Euro. Beckenbauer war von 2007 bis 2011 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees.

Die Strafe bezieht sich ausschließlich auf sein Verhalten bei einer Untersuchung der Ethikkommission zu den Vergaben der Weltmeisterschafts-Turniere 2018 und 2022, bei denen Beckenbauer im Dezember 2010 mitgewählt hatte. Unter anderem war er aufgefordert worden, auf schriftliche Fragen zu antworten. Dem war Beckenbauer, der im Sommer 2012 die Rolle eines "Sportbotschafters" für die Vereinigung aller Gas fördernden Unternehmen in Russland übernommen hatte, zunächst nicht nachgekommen - nach eigenen Angaben, weil ihm die Fragen lediglich in englischer Sprache vorgelegen hatten.

Dem widersprach die Kommission am Mittwoch. Die Fragen seien auch auf Deutsch übermittelt worden. Außerdem wird Beckenbauer vorgehalten, sich einer persönlichen Befragung zunächst verweigert zu haben. Damit, so die Kommission, habe er gegen die allgemeinen Verhaltenspflichten für Fußballfunktionäre verstoßen, die in Artikel 13 des Fifa-Ethikreglements festgelegt sind. Darüber hinaus wird Beckenbauer der Verstoß gegen zwei weitere Artikel zur Last gelegt: gegen Artikel 18, der die Anzeige- sowie Mitwirkungs- und Rechenschaftspflicht von Funktionären regelt, sowie gegen Artikel 42, in dem die allgemeinen Mitwirkungspflichten verankert sind.

Diese Vorhaltungen sind nicht unwesentlich. Beckenbauer gilt in diesen Punkten Fifa-intern nun als vorbestraft, was Konsequenzen haben könnte, sollte die Ethikkommission in einem anderen Fall über ihn zu befinden haben. Die Vorgänge bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland wurden für das Urteil von Mittwoch nicht untersucht - darauf weist die Ethikkommission explizit hin. Dass das Sommermärchen für die Fifa-Ethiker noch ein Thema wird, gilt aber als sicher - allerdings erst nach dem 4. März. Dann soll der Bericht erscheinen, den der Deutsche Fußball-Bund von der Kanzlei Freshfields erstellen lässt.

In dem verhandelten Fall war Beckenbauer am 13. Juni 2014 bereits provisorisch für 90 Tage gesperrt worden, weshalb er auf eine Reise zur WM nach Brasilien verzichtete, wo die deutsche Mannschaft ihren vierten Titel gewann. Strafmildernd wirkte sich seine spätere Bereitschaft zur Kooperation mit den Ermittlern aus.