Eishockey Schwedische Pranke

Sichere Sache: Kölner-Haie-Torwart Gustaf Wesslau hält fast immer, wie hier gegen Berlin vergangene Woche.

(Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Torhüter Gustaf Wesslau wehrt 95,5 Prozent aller Schüsse ab. Auch seinetwegen sind die Kölner Haie das Team der Stunde. Jetzt sprechen sie offen von der Meisterschaft - es wäre die erste seit 2002.

Von Christian Bernhard, Köln/München

Nur noch eine Sekunde zu spielen, da packte Gustaf Wesslau mit seiner Fanghand so kräftig zu wie ein Bär, der einen Lachs vor sich ausfindig gemacht hat. Damit hatte der Torhüter der Kölner Haie am Freitagabend die letzte brenzlige Situation vor seinem Kasten entschärft, der knappe 3:2-Sieg über die Augsburger Panther, die speziell am Ende viel Druck auf die Kölner ausgeübt hatten, war perfekt.

Durch den vierten Sieg in Serie zementierten die Haie ihre Tabellenführung in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), nach ihren sieben Siegen in acht Spielen haben sie nun schon vier Punkte Vorsprung auf den Zweiten aus Wolfsburg - und sogar noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Keine Frage, die Kölner sind das DEL-Team der ersten Saisonwochen. "Sie haben uns unter Druck gesetzt, aber wir haben mit einer guten Teamleistung dagegengehalten. Der Erfolg gibt uns weiteres Selbstvertrauen", sagte T.J. Mulock, Kölns Torschütze zum 2:0.

Der Haie-Erfolg basiert auf ihrer mannschaftlichen Ausgeglichenheit. Die Kölner haben nicht nur die mit Abstand beste Defensive der Liga (erst elf Gegentore), sondern auch gleich vier qualitativ stark besetzte Angriffsreihen. Kein Kölner ist unter den Top-Elf der Liga-Scorerliste - aber alle Reihen produzieren. Auf persönliche Statistiken schaue keiner im Team, sagte Angreifer Nico Krämmer, der im Sommer aus Hamburg nach Köln gekommen war, "es geht immer nur ums Team. Ich glaube, auch das macht uns gerade so stark."

Seit 2002 warten die Haie auf den Titel - eine Ewigkeit

"Wir sind sehr ausgeglichen", betonte Krämmer, "wir rollen richtig mit vier Reihen und haben bis zum Schluss noch immer so viel Kraft, dass der Gegner einfach nicht mithalten kann." Berlins Trainer Uwe Krupp findet, Köln habe sich gut verstärkt und sei "jetzt noch tiefer aufgestellt". "Alle Mannschaftsteile funktionieren sehr gut", sagte Kapitän Moritz Müller, der gegen Augsburg im ersten Drittel angeschlagen vom Eis musste. "Die Jungs haben Selbstvertrauen."

Einer ragt derzeit aus dem Haie-Kollektiv aber heraus: Gustaf Wesslau. Bezeichnenderweise hatte Augsburgs Trainer Mike Stewart vor der Partie erklärt, seine Mannschaft müsse eine Lösung für den schwedischen Torhüter finden. "Er ist der Schlüsselspieler", betonte Stewart. Mit einem Gegentorschnitt von 1,44 pro Partie ist er der beste Torhüter der Liga, auch seine Fangquote von 95,5 Prozent ist sehr stark. "Was dieser Keeper hält, ist beeindruckend", sagte Iserlohns Trainer Jari Pasanen kürzlich nach der 2:7-Niederlage gegen die Haie. Der 31-jährige Schwede, der in seiner zweiten Saison in Köln ist, ist nicht nur ein Top-Torwart, sondern auch ein Mann der klaren Worte.

"Unser Ziel ist die Nummer-eins-Position nach der Hauptrunde - und dann die Meisterschaft zu gewinnen", sagte er dem Kölner Express. 2002 holten die Haie ihren letzten Titel - eine kleine Ewigkeit für die Eishockey-verrückten Kölner, deren Arena im Schnitt mehr als 10.000 Zuschauer besuchen. Sie lechzen nach dem Pokal, und Wesslau macht ihnen Hoffnung. "Es ist Zeit für die nächste Meisterschaft", betonte er.

Am Sonntag gegen Wolfsburg dürfte es härter werden

Trainer Cory Clouston bleibt trotz der sehr guten Leistungen seiner Mannschaft zurückhaltend. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte er, der Start habe sein Team in eine gute Position gebracht. Träumereien sind aber nicht seine Sache. "Ich sehe noch genug Luft nach oben", betonte er. Aus gutem Grund: Vergangene Saison hatte Köln acht der ersten zehn Spiele gewonnen, war dann aber in eine Krise gestürzt, die erst im Januar endete, als der damalige Trainer Niklas Sundblad entlassen und durch Clouston ersetzt wurde. Der Kanadier führte die Haie noch von Hauptrunden-Platz zehn ins Playoff-Halbfinale, wo gegen den späteren Meister München das Aus kam.

Diese Saison soll der nächste Schritt folgen. "Wenn du oben stehst, wird es nicht leichter", warnte Nationalspieler Patrick Hager. "Die Gegner sind gegen uns immer top motiviert, darauf müssen wir vorbereitet sein und so konzentriert auftreten, wie wir es die letzten Wochen gemacht haben." Besonders gefragt dürfte das bereits am Sonntag sein, wenn der erste Verfolger aus Wolfsburg in Köln zu Gast ist (16.30 Uhr). Für T.J. Mulock, der dann auf seinen Bruder Tyson trifft, sind die Wolfsburger ein "tolles Team", das hart und schnell spiele. Er rechnet mit dem "bisher wohl schwersten Spiel der Saison". Wesslaus Pranke dürfte dann wieder gefragt sein.