Einkaufen bei Olympia Der Superstore brummt

Pilgerstätte Olympic Superstore: Jeden Tag warten und frieren die Menschen in Gangneung, um sich Souvenirs zu kaufen - wie den weißen Tiger Soohorang und den Kragenbär (Asiatischer Schwarzbär) Bandabi.

(Foto: Bruce Bennett/Getty)
  • Der Superstore liegt im Herzen des Olympic Parks und ist eine größere Attraktion als so manche Sportart.
  • Die Koreaner zücken für Plüschbären und -tiger in allen Größen und Formen gerne ihre Kreditkarte.
  • Es entsteht schnell das Gefühl, dabei gewesen zu sein bei Olympia.
Von Holger Gertz, Pyeongchang

Bären quietschen auch in Südkorea nur dann vor Glück, wenn sie einen Grund dazu haben. Der quietschende Kragenbär über dem Eingang des Superstores von Gangneung gehört zu den glücklichsten Bären Asiens, zwar ist er vom Aussterben bedroht, aber bis es so weit ist, erlebt er als Paralympics-Maskottchen die allerletzte Blüte. Denn unter ihm, vor den Toren des Rieseneinkaufszentrums, stehen die Menschen in Schlangen, sie frieren und warten, und am Eingang kriegen sie eine enorme Plastiktasche gereicht wie bei Ikea, die sie dann mit Merchandise-Artikeln befüllen, also mit Curlingsteinen aus Plüsch und mit Schwarzbären und weißen Tigern im Kleinformat, im Mittelformat, im Großformat, im Riesenformat, es gibt Schwarzbären in Mützenform, und wenn man mit dem Material so verschwenderisch umgeht, ist es natürlich kein Wunder, dass das Tier so gut wie ausgestorben ist.

Der Superstore ist das Herz des Olympischen Parks in der Küstenstadt Gangneung, links und rechts davon stehen die Hallen, in denen zum Beispiel Eishockey gespielt und Eisschnelllauf betrieben wird, aber nichts reizt das Publikum derart wie der Superstore. Kaum schleppen die Kunden an der einen Seite ihre mit Bären und Tigern befüllten Säcke heraus, schieben an der anderen Seite schon Mitarbeiter neue Bären und Tiger palettenweise in den Verkaufsraum, und nicht nur, um auf dem Bärenmotiv hier weiter herumzureiten, kann man sagen: Das Geschäft brummt. Es brummt offensichtlich lauter als etwa in Rio, wo die Leute zwar gern im Superstore vorbeischauten, aber nicht immer etwas kauften, die Koreaner allerdings als stolze und fleißige Angehörige einer erfolgreichen Wirtschaftsmacht zücken verlässlich ihr Kreditkärtchen. Und im Olympic Park ist eine Stimmung wie in einem deutschen Möbelladen am langen Samstag zur Zeit des Wirtschaftswunders.

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Im Olympic Park gibt es auch Standbilder und Monumente, riesige Metallschlittschuhe und darunter in Stein gemeißelt der Weg Pyeongchangs zu den Spielen. Zwei gescheiterte Bewerbungen, steht in großer Offenheit auf einem Sockel, "two failed bids in 2003 and 2007", aber dann, 2011: "Third attempt to reach the dream". Die Leute betrachten das mit routinierter Aufmerksamkeit, aber sie würden von dem Riesenschlittschuh vermutlich noch mehr Notiz nehmen, gäbe es ihn im Kleinformat im Superstore.

Im Olympic Park haben die Sponsoren ihre Bretterbuden und Pavillons aufgestellt, Alibaba und Samsung und Omega, dort gibt es Pins, aber das interaktive Erlebnis ist das wichtigste in Korea, oder wenigstens sich bei Omega in den roten Bob setzen, um sich fotografieren zu lassen. Oder sich erneut fotografieren zu lassen mit den Maskottchen im Korea-Haus, tatsächlich stehen zwischen echten Menschen hier bei den Spielen überall Maskottchen verschiedenster Art herum, man ist gelegentlich froh, auch mal wieder eine knöcherne Menschenhand zu fassen zu kriegen statt einer pelzigen Pranke.

Sie suchen bei Olympia ja immer die "neuen Märkte", keine Frage: Hier sind sie. Wer ein paar Stunden im Olympic Park verbringt, sieht den Kern der Spiele, und der ist - bei allem Trallala um Werte und Fairness - natürlich das Geschäft. Man muss keine Eintrittskarte fürs Skirennen oben gelöst haben, schon ein längerer Aufenthalt im Olympic Park gibt einem das Gefühl, dabei gewesen zu sein, und die in Europa gelegentlich kritisierte Geldmacherei mit olympischem Tand ist hier nicht das Problem. Die jüngeren Koreaner setzen sich - man sieht es immer wieder - ja auch im Alltag von Zeit zu Zeit insektenartige Fühler auf, was nicht gegen sie spricht. Es gibt zwar keine Bären mit Fühlern im Superstore, dafür Tiger in "Korean Traditional Clothes", und an dieser Stelle eine kurze Würdigung und Erinnerung an Waldi, den Münchner Dackel von 1972, den es auch in sämtlichen Aggregatzuständen gab, aber niemals in "Bavarian Traditional Clothes", wie hätte das denn ausgesehen? Der Dackel in der Lederhosn, ja servus.

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