Ehemaliger Davis-Cup-Teamchef Arriens "Unterstützung gab es nie"

Philipp Kohlschreiber und Carsten Arriens - diese Paarung wird es im deutschen Davis-Cup-Team nicht mehr geben.

(Foto: dpa)

Die Querelen im deutschen Davis-Cup-Team und die Folgen: Erstmals meldet sich der geschasste Kapitän Carsten Arriens zu Wort - und kritisiert den deutschen Tennisprofi Philipp Kohlschreiber sowie Vertreter des DTB.

Von Gerald Kleffmann

Der geschasste Teamchef Carsten Arriens hat sich erstmals zu den Geschehnissen im deutschen Davis-Cup-Team geäußert, die zu der Trennung zwischen ihm und dem Deutschen Tennis-Bund geführt haben. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Donnerstags-Ausgabe) erklärt der 45-Jährige, dass er über einen längeren Zeitraum versucht habe, ein klärendes Gespräch mit dem besten deutschen Profi Philipp Kohlschreiber zustande zu bringen; der inzwischen Weltranglisten-25. aus Augsburg hatte sich - wie bei Vorgänger Patrik Kühnen - auch mit Arriens wegen diverser interner Querelen überworfen und war zuletzt nicht mehr nominiert worden.

Im November 2014 habe Arriens "Kontakt zu Philipp aufgenommen, weil es nicht um einen persönlichen Kleinkrieg geht, sondern ums große Ganze. Ich wollte ihm die Möglichkeit geben, seine Sicht darzustellen. Aber Philipp konnte keinen Termin nennen. Auch in Melbourne nicht".

Dabei "sollte es ja kein Streitgespräch werden. Ich wollte, das wusste das Präsidium, hören, wie er über gewisse Vorfälle denkt? Hat er Fähigkeit zur Selbstkritik? Die Tür wäre für ihn offen gewesen. Letztlich hätte ich erwartet, dass er sagt: Hey, ich hab nachgedacht, hier und da hab ich unpassend kommuniziert, und das kommt so nicht mehr vor". Bei den Australian Open im Januar spitzten sich die Ereignisse bekanntlich zu. Ein von DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff kurzfristig angesetztes Treffen mit Kohlschreiber ließ Arriens nach Darstellung von DTB-Offiziellen platzen. Eine Version, von der der DTB am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit Arriens erstaunlicherweise abrückte.

"Mir war es wichtig, klarzustellen, dass die Ereignisse in Melbourne, wie sie von anderen dargestellt wurden, unwahr sind. Alle Präsidiumsmitglieder des DTB waren lange vor Melbourne informiert, dass ich mit Kohlschreiber ein Vier-Augen-Gespräch anstrebte, um vielleicht doch zueinander zu finden. Auch Dirk Hordorff, der für den Leistungssport zuständige neue Vize, und Sportdirektor Klaus Eberhard wussten das", sagt Arriens. "Ich habe Philipp dieses Vier-Augen-Gespräch mehrfach angeboten. Auch in Melbourne. Und es war ausgeschlossen, dass ich das mit einer dritten Person führe. Das ist ein banaler Vorgang, dass ein Bundestrainer entscheidet, wo und wie er mit einem Spieler spricht."

Kritisch äußert sich Arriens über Vizepräsidenten Hordorff. "Es wussten alle, dass ich an diesem von Herrn Hordorff medienwirksam inszenierten Termin nicht teilnehmen werde. Es war auch in Melbourne klar zwischen Philipp und mir ausgemacht, dass, wenn er ein Gespräch mit mir führen will, er auf mich zukommt. Das hat er nicht getan." Dass es, seitdem das neue DTB-Präsidium im Herbst 2014 in die Verantwortung rückte, zu Schwierigkeiten gekommen war, überraschte Arriens nur bedingt. "Es prallten Wertesysteme aufeinander, die nicht kompatibel sind. So kam es zur Trennung. Für mich ging es weniger um Philipp als um das Präsidium. Wofür steht es?", sagt der Tennistrainer aus Köln.

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Insgesamt bemängelte Arriens, dass das DTB-Präsidium um den neuen Vorsitzenden Ulrich Klaus jegliches Vertrauen in seine Arbeit vermissen ließ, obwohl er den Auftrag hatte, die Causa Kohlschreiber zu lösen. "Eine angemessene Unterstützung wäre doch gewesen, wenn Herr Hordorff oder Herr Eberhard, die maßgebenden Personen, Philipp zum Ausdruck gebracht hätten: Es gab Vorfälle mit dir, aber wir stehen einer Rückkehr positiv gegenüber. Nur ist es so, dass der Bundestrainer zu 100 Prozent verantwortlich ist. Deshalb hast du dich mit ihm auseinanderzusetzen.(...) Nein, diese Unterstützung gab es nie."

Auch habe der DTB "eine Chance vertan", nämlich "Signale an Trainer und jüngere Spieler zu vermitteln - dass wir auch in der Nationalmannschaft Regeln haben. Dass es um Verlässlichkeit geht, gegenseitige Unterstützung, Wohlwollen. Selbstverständlich immer mit dem Ziel, gewinnen zu wollen. So ist die Botschaft: Uns ist es egal, wie sich die Spieler verhalten - wenn sie gut genug sind, spielen sie. Der Zweck rechtfertigt eben nicht die Mittel und Methoden".

Das vollständige Interview mit Carsten Arriens lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der SZ oder in der digitalen Ausgabe.