Doping-Affäre Ski-Trainer Walter Mayer festgenommen

In der österreichischen Doping-Untersuchung kommt es zu einer dritten Verhaftung. Die Ermittler fürchten politische Interventionen.

Von Thomas Hahn und Thomas Kistner

Der frühere Langlauftrainer des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), Walter Mayer, ist am Sonntag an seinem Wohnort in der Steiermark wegen Verdachts auf Verstoß gegen das neue Antidopinggesetz festgenommen worden. Er soll das Blutdopingmittel Epo bezogen und weitergegeben haben, so der Vorwurf, der sich auf die Aussage anderer Beschuldigter stützt.

Die spektakuläre Verhaftung ist Teil einer großangelegten Aufklärungsaktion des Wiener Bundeskriminalamtes, sie war schon die dritte im Zusammenhang mit Dopinghandel. Am 13. März war ein Kärntner Radprofi verhaftet worden, wenig später ein Wiener Apotheker, der ihm Epo und Testosteron besorgt haben soll. Die Höchststrafe für den Vertrieb von Dopingsubstanzen liegt nach dem seit Sommer 2008 geltenden Gesetz bei bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Dass Sportminister Norbert Darabos die Festnahme begrüßte, wird in Fahnderkreisen als Ermutigung gewertet. Weitere Verhaftungen sollen folgen, von bis zu zehn ist die Rede, und die Ermittler befürchten eingedenk der Größenordnung die Einmischung der Politik. Auch die vielzähligen Affären um Mayer hatten in der Vergangenheit Kreise bis in höchste Bereiche von Politik und Sport gezogen.

Walter Mayer ist eine schillernde Figur. Im österreichischen Skisport galt der frühere Wasa-Lauf-Gewinner in den neunziger Jahren als Medaillenschmied der lange abgeschlagenen Langläufer. Unter seiner Regie ernteten sie ihre ersten Olympia-Medaillen in Nagano 1998 durch Markus Gandler, heute ÖSV-Direktor für Langlauf/Biathlon, und Christian Hoffmann.

Sie gewannen Staffel-Gold bei der Heim-WM in Ramsau 1999. Bei Olympia 2002 geriet Mayer ins Zwielicht. In Austrias Spiele-Quartier waren Blutbeutel und Infusionsbestecke gefunden worden, das IOC sperrte Mayer für die Spiele 2006 und 2010. Kürzlich gestand er gegenüber der Kleinen Zeitung, dass er sich in Salt Lake außerhalb der IOC-Regeln bewegt habe.

Trotzdem reiste Mayer 2006 nach Turin, wurde dabei begleitet von einem befreundeten Sportmanager, der gleichfalls immer wieder im Kontext von Dopingaffären auftaucht. Zuletzt als Manager des bei der Tour de France als Epo-Doper überführten Gerolsteiner-Profis Bernhard Kohl. Auch Mayers Präsenz in Turin hatte das IOC veranlasst, die italienische Polizei einzuschalten. Bei Razzien in der Teamunterkunft von Langläufern und Biathleten fand die Polizei Dopingmaterialien. Es folgt Mayers wilde Flucht vor der Polizei, die in einer Straßensperre endet. Und die fristlose Entlassung Mayers durch den Skiverband ÖSV. Danach wurde es still um Mayer.