DFB-Affäre Rätsel um Afrika

Auch der Südafrikaner Tokyo Sexwale, 62, will Sepp Blatter beerben. Er ist einer der fünf Kandidaten für die Fifa-Wahl im Februar 2016.

(Foto: Victor R. Caivano/AP)

Der Weltverband untersucht nach einem Online-Bericht der "Süddeutschen Zeitung", warum er 2003 vom deutschen Organisationskomitee der WM 2006 eine Spende in Höhe von sieben Millionen Euro für Afrika gefordert hat.

Von Klaus Ott

Neues aus dem Fußball-Tollhaus Fifa: Der Weltverband untersucht, warum er 2003 vom deutschen Organisationskomitee (OK) der WM 2006 eine Spende in Höhe von sieben Millionen Euro für Afrika gefordert hatte. Anlass der Prüfaktion, mit der sich die Fifa wieder mal selbst unter die Lupe nimmt, ist ein Bericht in der SZ-Online-Ausgabe vom Wochenende.

Jene zehn Millionen Schweizer Franken, die Fifa-Chef Sepp Blatter für seine Organisation im Jahr 2002 vom deutschen OK-Chef Frank Beckenbauer gefordert und bekommen haben soll (was Blatter dementiert), genügten offenbar nicht. Denn Mitte 2003 ging beim OK ein Brief aus Zürich ein, der für Entsetzen sorgte. Die Fifa forderte glatt 40 Millionen Euro: 33 Millionen für die Informations-Technik (IT) bei der WM, sieben Millionen "zum Zeichen der deutschen Solidarität mit Afrika". Das geht aus Regierungsakten hervor, die der SZ vorliegen. Die Fifa hatte darin die Spende damit begründet, dass die nächste WM nach der in Deutschland an Südafrika vergeben worden war. Die sieben Millionen sollten der "Sicherung von Know-How-Transfers" für die WM 2010 dienen.

"Dieses Vorgehen dürfte ein in der Geschichte der Fifa-Fußball-Weltmeisterschaften einmaliger Vorgang sein", sollte OK-Chef Beckenbauer mit zwei Kollegen an Blatter schreiben - so der Text in einem Entwurf in den Akten. Das IT-Geld zu verlangen, "und gleichzeitig eine Solidaritätsabgabe für Afrika einzufordern, bedeuten aus unserer Sicht einen glatten Bruch des OAA". OAA: Organising Association Agreement; kurz: Organisations-Abkommen.

Ob der Briefentwurf von Beckenbauer unterschrieben und das Schreiben an Blatter auch abgeschickt wurde, geht aus den Akten nicht hervor. Dokumentiert ist aber, wie die Geschichte ausging. Offenkundig unter Einschaltung der Regierung wurde eine Lösung gefunden, in der es um spätere Zahlungen in Höhe von 20 Millionen Euro an die Fifa ging, und um eine Beteiligung des OK an eventuellen Gewinnen aus dem Turnier. Die Afrika-Abgabe kam in einem am 15. August 2003 formulierten Vergleich nicht mehr vor. Der Schluss daraus: keine Spende für Afrika.