Basketball Langer Atem, frische Beine

Bestens gelaunt: Janis Strelnieks (li.) und Nikos Zisis, Bambergs beste Werfer beim Sieg über Kaunas.

(Foto: Zink/imago)

Nach dem ersten Sieg in der Runde der Besten 16 in der Euroleague schreckt Bambergs Basketballer fürs Erste nichts mehr.

Von Joachim Mölter, Bamberg

Selten hat man den Trainer Andrea Trinchieri so vergnügt und launig an einem Spielfeldrand agieren sehen wie am Samstagabend. Beim Allstar-Day der Basketball-Bundesliga (BBL), dem traditionellen Schauspiel zwischen den besten Deutschen und den besten Ausländern zum Hinrunden-Abschluss, war der Italiener damit betraut worden, die internationale Auswahl zu coachen. Und nicht einmal davon, dass die erstmals gegen ihre deutschen Kollegen verlor (118:128), ließ er sich den Spaß verderben, im Gegenteil. Zwischendurch schnappte sich Trinchieri eine Pfeife und verhängte zur Gaudi der 6300 Zuschauer in Bamberg ein Technisches Foul gegen einen Schiedsrichter. "Auf diesen Moment habe ich 24 Jahre lang gewartet", sagte der 47-Jährige fröhlich. Wegen seiner impulsiven, leidenschaftlichen Art des Coachens wird ja für gewöhnlich er von den Unparteiischen sanktioniert.

Nicht ganz so lange wie Trinchieri auf seine Revanche an den Schiedsrichtern hatten die seit anderthalb Jahre von ihm trainierten Brose Baskets Bamberg auf ihren ersten Erfolg in der Euroleague-Zwischenrunde warten müssen, aber ein Jahrzehnt war es immerhin gewesen. Nach 2006, 2010 und 2013 haben die Bamberger in dieser Saison zum vierten Mal die Runde der besten 16 Klubmannschaften Europas erreicht, und nach zuvor 21 Niederlagen in 21 Spielen hatten sie am Freitagabend erstmals gewonnen - und wie!

Angeführt von ihren Spielmachern Janis Strelnieks (19 Punkte) und Nikos Zisis (18) nahmen sie Zalgiris Kaunas 96:63 (49:29) auseinander, immerhin einen der fünf früheren Gewinner des höchsten europäischen Wettbewerbs, die Bamberg in der Achter-Gruppe zum Gegner hat (nebst dem aktuellen Champion Real Madrid sowie Olympiakos Piräus, ZSKA Moskau und dem FC Barcelona). Angesichts dieser Konkurrenz ist der deutsche Meister nur Außenseiter im Kampf um einen der ersten vier Plätze, die zum Einzug ins Viertelfinale berechtigen. Der Freude über den ersten Erfolg tat das nicht den geringsten Abbruch. "Ich habe noch nicht oft Standing Ovations gesehen, die über zwei Minuten gingen", schwärmte Trinchieri anderntags immer noch über die einzigartige Atmosphäre in der Arena. "Aber es gibt ein Problem", fügte er hinzu und machte ein ernstes Gesicht: "Das ist jetzt vorbei. Also müssen wir das noch mal schaffen."

Die Bamberger Basketballer haben gerade einen wunderbaren Lauf, national wie international, und das nicht nur wegen der Siege. Sie spielen derart temporeich, attraktiv und uneigennützig wie man es hierzulande noch nicht gesehen hat. Geschäftsführer Rolf Beyer berichtete davon, dass er am Rande des Allstar-Spiels von seinen 17 Manager-Kollegen aus der BBL "sehr viel Anerkennung bekommen" habe für die Leistung der Mannschaft. "Neidlose Anerkennung", wie er betonte. BBL-Geschäftsführer Stefan Holz bestätigte: "Die internationalen Erfolge kann man super nutzen zum Vermarkten der Liga. Da hilft Bamberg unbedingt."

Sympathiepunkte zählen freilich in keinem Wettbewerb etwas, und deshalb wollen sie in Bamberg aufpassen, dass sie den frisch erworbenen Kredit nicht gleich wieder verspielen. Der Januar ist ja ein unbequemer Monat für sie mit insgesamt zehn Spielen, sieben davon auswärts. Strapaziös wird vor allem eine Woche: Weil ihre Halle durch den Barden Andreas Bourani blockiert ist, haben die Bamberger das Heimrecht mit Khimki Moskau getauscht. Nun treten sie am 22. Januar beim letztjährigen Eurocup-Sieger an, zwei Tage später müssen sie zurück in Ludwigsburg sein, zum Pokal-Viertelfinale, und von dort geht es zurück nach Moskau zum Gastspiel bei ZSKA am 28. Januar.

Der dichte Terminplan schreckt die Bamberger indes ebenso wenig wie die namhafte Konkurrenz. "Ein kluger Mann hat mir mal geraten, keine Energie darauf zu verschwenden, Dinge ändern zu wollen, die man nicht ändern kann", sagt Trinchieri. "Die Coaches passen schon auf, dass wir genug Zeit zum Regenerieren haben", glaubt Daniel Theis, einer der vier Brose-Profis, die auch am Allstar-Tag gefordert und aktiv waren. "Wir haben ja einen tiefen Kader", ergänzt sein Klubkollege Patrick Heckmann: "Wir können die Einsatzminuten aufteilen und versuchen, die Beine so frisch wie möglich zu halten."

Den tiefen Kader mit 13, 14 Profis (inklusive Nachwuchsspielern) haben sie sich in Bamberg ja extra wegen der erhofften Euroleague-Belastung zugelegt, sagt Rolf Beyer: "Wir würden dem Programm sonst im März, April Tribut zollen, so wie Alba Berlin im vorigen Jahr." Die Berliner waren 2015 in der Euroleague so knapp am Viertelfinal-Einzug gescheitert wie noch kein anderer deutscher Klub; den Kräfteverschleiß hatten sie aber damit bezahlt, dass sie in der Liga Platz eins nach der Hauptrunde und damit letztlich auch den Finaleinzug in den Playoffs verspielten. Mit einem gewissen Stolz erzählte Bambergs Geschäftsführer Rolf Beyer nun, was ihm sein Alba-Pendant Marco Baldi am Wochenende gesagt habe: Er habe den Eindruck, die Bamberger hätten in diesem Jahr einen längeren Atem.