Aus der deutschen Elf bei U21-EM Plump wie in Rumpelfußball-Zeiten

Haben enttäuscht: Lewis Holtby, Tony Jantschke und Emre Can (von links nach rechts).

(Foto: dpa)

Muss sich Deutschland Sorgen um seinen Fußball-Nachwuchs machen? Bei der U21-EM in Israel scheitert die Nationalmannschaft bereits in der Vorrunde - und zeigt uninspirierten Fußball, der an die Vergangenheit statt an die Zukunft erinnert. Das lässt Zweifel am DFB-Nachwuchskonzept aufkommen.

Von Stephan Knieps, Netanja

Rainer Adrion sah sich mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert. Gerade hatte seine Mannschaft bei der U21-EM in Israel mit 0:1 gegen Spanien verloren. Und weil die Niederlande kurz zuvor auch ihr zweites Gruppenspiel gewonnen hatten, ist Deutschland nach nur zwei Spielen bereits ausgeschieden. Der Trainer wurde auf der Pressekonferenz also gebeten, ein kleines Fazit der Reise zu ziehen. Ein Fazit noch vor Turnierende, nach nur vier Halbzeiten, von denen lediglich eine, die zweite gegen die Niederlande, als gut in Erinnerung bleiben wird.

Adrion lächelte gequält, sagte: "Natürlich bin ich enttäuscht." Dann zählte er zunächst alle Erfolge auf, die seiner Mannschaft bis zum Turnierstart gelungen waren: ungeschlagen durch die Qualifikation gerauscht, die meisten Tore geschossen, die Playoffs gewonnen und dann, im Turnier, zweimal ein spätes Gegentor kassiert. "Ich denke, das kann man mit ein bisschen Wohlwollen jetzt nicht als totale Enttäuschung und als ein Scheitern betrachten", sagte Adrion. Es sollte ironisch-witzig klingen, doch seine Miene sagte etwas anderes.

Eher hatten sich die pass- und kombinationssicheren Spanier zuvor als wohlwollend erwiesen, weil sie von den vielen Chancen, die sie herausgespielt hatten, nur eine einzige nutzten: Der eingewechselte Álvaro Morata von Real Madrid traf per Flachschuss in die kurze Ecke (86. Minute).

So konnten sowohl Adrion als auch sein Kapitän Lewis Holtby immerhin behaupten, zweimal knapp von hochkarätigen Mannschaften geschlagen worden zu sein. Formal trifft das auch zu. Das 0:1 spiegelt die spanische Überlegenheit jedoch nur unzureichend wider. Zu langsam, zu ungefährlich wirkte Adrions Mannschaft gegen technisch klar überlegene Spanier, die die Deutschen teilweise vorführten. Immer wieder schafften sie es, bis zur Grundlinie zu laufen und gefährliche Pässe in den Rücken der deutschen Abwehr zu spielen. Torwart Bernd Leno verhinderte Schlimmeres mit zwei starken Paraden.

Unter den bedeutungsschweren Vorzeichen war diese Niederlage für den deutschen Fußball höchst besorgniserregend: Denn das Nachwuchsduell der aktuell weltbesten Fußballnationen ist ja nicht nur ein Ausblick auf die WM 2014, es kann vor allem Hinweise liefern, welche Nation in den Jahren danach den Weltfußball dominieren könnte.

Wer das Spiel der Deutschen gesehen hat, muss diesbezüglich Schlimmeres befürchten: Es erinnerte zeitweise eher an die Vergangenheit als an die Zukunft. Deutschland schoss zeitweise plump lange und hohe Bälle nach vorne, reihte Fehlpässe aneinander wie in früheren Rumpelfußball-Zeiten. Erhöhten die Spanier das Tempo, keuchten die deutschen Spieler oft nur hinterher.

"Wir sind nicht in der Lage gewesen, uns Chancen zu erarbeiten und uns vorne durchzusetzen", gab auch Adrion zu und gestand einen "verdienten Sieg" der Spanier ein. Holtby lobte abermals den "super Spirit" innerhalb der Mannschaft, dass das Team weiter versuche, "positiv zu denken", dass jeder einzelne "enorme Erfahrungen aus diesem Turnier" mitnehmen könne. Was man eben so sagt, wenn man vorzeitig gescheitert ist.