Mein Deutschland Der süße Geschmack des Öls

Das arabische Ausland ist für Deutschland in zwei Lager geteilt.

Eine Kolumne von Aktham Suliman

Anders als die arabische hat die deutsche Sprache nur ein Wort für den Rest der Welt. Es ist das "Ausland". Doch Ausland ist für Deutsche nicht gleich Ausland. Es gibt Abstufungen und positive wie negative (Vor-)Urteile. Dies gilt auch für das vom Ausland abgeleitete Wort "Ausländer". Es gibt Ausländer mit "süßem" Akzent, etwa die Amerikaner und die Franzosen, und es gibt die anderen, vor allem die Türken und die Araber. Allerdings reicht es in vielen angeblich italienischen Restaurants in Deutschland, wo die Kellner den Kunden demonstrativ laut mit italienischen Begriffen überhäufen, wenn ein Kunde ein "Al Salamu Alaikum", von sich gibt. Dann bekommt er bestimmt aus allen Ecken des Restaurants ein deftiges arabisches "Alaikum Al Salam, Bruder!" erwidert.

Undatierte Aufnahme einer Erölraffinerie bei Dhahran an der Ostküste Saudi-Arabiens.

(Foto: dpa)

Auch in der Außenpolitik gibt es "süße" Länder und weniger süße. Geschichte, Gegenwart und Interessen bestimmen oft das Bild eines Landes und den politischen und medialen Umgang mit dessen Herrschern und Bewohnern. In den atmosphärischen Wolken des deutschen Bewusstseins gilt das europäische Ausland nicht ganz als Ausland, mit Ausnahme der Griechen - wo sie vor allem währungstechnisch hingehören sollten, darüber herrscht derzeit Unklarheit. Amerika ist zwar Ausland, aber irgendwie sehr nah, trotz Atlantik oder gerade wegen der Nordatlantikallianz. Im Falle Russlands wird es schwieriger. Mal ein Bestandteil von Europa, regiert von Freund Putin, mal sehr weit in Asien gelegen, beherrscht von einem Zaren namens Putin.

Das arabische Ausland seinerseits ist für Deutschland in zwei Lager geteilt. Die Grenzen sind allerdings sehr durchlässig. So gehörten Ägypten und Libyen nach dem arabischen Frühling zu den süßen Demokratien der Region. Nach den jüngsten Protesten gegen einen in Amerika produzierten Anti-Islam-Film, die in Libyen in die Ermordung des US-Botschafters gipfelten, wandelte sich das Bild. Syrien dagegen war nie süß - und wird es wahrscheinlich nie werden. Es gibt aber die ewig Süßen: die Golfstaaten. Fahrverbote für Frauen und öffentlich vollstreckte Todesurteile mit dem Schwert in dem einen Land, das Fehlen von Parteien und Parlamenten in fast allen und die Versklavung von Millionen ausländischen Arbeitskräften in allen Golfländern finden in Deutschland keinen Widerhall, weder politisch noch medial. Offensichtlich verleihen Öl und Gas den darauf schwimmenden beziehungsweise schwebenden Ländern einen Zuckergeschmack.

Aktham Suliman leitet das Büro des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira in Berlin.