Streifzug durch Kiew Die Stadt der Goldenen Kuppeln

Trotz der prächtigen Kirchen gehört die Hauptstadt der Ukraine zu den unentdeckten Metropolen. Das sollte sich ändern.

Grün und Gold - das sind die Farben von Kiew. Von den vielen Anhöhen der Stadt fällt der Blick auf von goldenen Kuppeln bekrönte Klöster und Kirchen, die über das grüne Blätterdach der Kastanienhaine herausragen und in der Sonne glänzen. Kiew liegt auf den hügeligen Ufern des Dnjepr, der hier so breit ist wie ein See.

Noch immer gehört die drei Millionen Einwohner zählende Stadt zu den unentdeckten Metropolen. "Viele Deutsche unterscheiden nicht einmal zwischen Russland und der seit 15 Jahren unabhängigen Ukraine", ärgert sich Gennadi, der in Regensburg Jura studiert hat und heute juristischer Berater der Regierung ist. Dabei ist Kiew älter als Moskau.

Das wichtigste Heiligtum Kiews ist das Höhlenkloster. Mit einer brennenden Kerze in der Hand können Besucher die Höhlen besichtigen, in denen Mönche gelebt haben. Später, als der Bau oberirdischer Gebäude erlaubt wurde, dienten die Katakomben nur noch als Begräbnisstätten.

Die mehr als 70 Kirchen und Kloster, die sich auf dem 28 Hektar großen Areal befinden, sind in ihrer heutigen Form zumeist im 18. Jahrhundert entstanden.

Der Stolz aller Ukrainer

Die mit sieben goldenen Kuppeln mit Kreuzen verzierte Maria-Himmelfahrtskathedrale, der Große Glockenturm und die in den neunziger Jahren wieder aufgebaute Uspenski-Kathedrale gehören zu den sehenswertesten Gebäuden.

Wie das Höhlenkloster steht auch die Sophienkathedrale auf der Liste der Weltkulturgüter der Unesco. Nach dem Vorbild der Hagia Sophia in Istanbul errichtet, war sie Hauptkathedrale der Kiewer Rus.

Eine andere bedeutende Sehenswürdigkeit ist die Goldkuppelkirche des Heiligen Michael. Im 12. Jahrhundert entstanden, wurde das Gotteshaus 1937 als "historischer Müll", der den Nährboden für den ukrainischen Nationalismus bilde, abgerissen. Von 1997 bis 2000 wieder aufgebaut, ist der mit einer Zentral- und sechs kleineren goldenen Kuppeln versehene Prachtbau der Stolz aller Ukrainer.

Nicht fehlen darf ein Bummel über den Andreasstieg. Die mit Kopfsteinen gepflasterte Hangstraße hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Kunstmeile entwickelt.

Mit zahlreichen Kunstgalerien, Boutiquen, Kleinkunstbühnen, Restaurants und Cafés versprüht sie einen besonderen Charme, der ihr auch den Beinamen Montmartre von Kiew eingetragen hat.

Zuckerbäckerstil im Herzen der Stadt

Ihren Namen erhielt die steile Straße von der barocken Andreaskirche, die auf dem gleichnamigen Hügel liegt und von deren Terrasse sich ein schöner Blick auf den Fluss und Podol, das das Hafenviertel der Stadt, bietet.

Das Herz der Stadt schlägt auf dem Krestschatik, der Promeniermeile von Kiew. Auf fast zwei Kilometern Länge reihen sich Wohn- und Bürogebäude im stalinistischen Zuckerbäckerstil aneinander, allesamt verschwenderisch mit rotem und grauen Marmor verziert.

Elegante Boutiquen, die internationale Mode, aber auch Kreationen einheimischer Modemacher anbieten, wechseln mit teuren Restaurants und Bars. Am Wochenende wird der Boulevard ganz für den Verkehr gesperrt und verwandelt sich in eine große Fußgängerzone. Die Kiewer zeigen, was sie haben. Sie feiern sich und die neue Zeit.