Sahara Weichen für ein hartes Land

Der Wüstenjüngling ist stolz, dass sein Radio Deutsch spricht. Englisch, Spanisch, Französisch sowieso. "Sieh her", sagt er, "wir wissen über alles Bescheid. Die Bomben im Irak. Der Wahnsinn in Palästina. Die Krisen in Europa. Wir sind über alles informiert. Überall Krieg und Miseren. Warum lernen die Menschen nichts? Wollen nicht alle Frieden auf Erden?"

Ob die Europäer auch beten, möchte der Engel wissen. Ja, aber anders. Bari und seine Familie knien nieder zum Gebet. Ihre Stirnen berühren den Zeltboden. Vor jede Mahlzeit gehört ein Tee. Der erste Tee ist frisch wie das Leben, der zweite süß wie die Liebe und der dritte bitter wie der Tod. Allegorien arabischer Alltagsweisheit. Zum Nachtessen gibt es Kamel. Natürlich bleiben die besten Stücke für die Gäste reserviert.

Endlos lange Strecke

Am nächsten Morgen nimmt Bari uns in die 60 Kilometer entfernte Hafenstadt Nouadhibou mit. Vom Fischereihafen an der Atlantikküste fährt einer der längsten Güterzüge der Welt bis zur Minenstadt Zouérat in der Sahara. Der Wüstenzug karrt auf Mauretaniens einziger Bahnlinie bis zu 21.000 Tonnen Eisenerz an die Küste. Vier Lokomotiven sind notwendig, um mehr als 200 Waggons in Fahrt zu halten.

Wer die Strapazen der endlos langen Strecke auf sich nehmen will, gegen Sandstürme, Hitze und Kälte gewappnet ist und genügend Wasser auch für einen unvorhergesehenen Zwischenstopp mitbringt, darf sich zum Nulltarif auf den Eisenwagen ein lauschiges Plätzchen suchen. Nur selten mischen sich Touristen aus Europa unter das Nomadenvolk und die Minenarbeiter, die auf der einzigen Zugstrecke der Sahara in den leeren Waggons kauern.

Häufiger sind Passagiere aus dem südlichen und westlichen Afrika, die den Erzzug benutzen, um unterwegs vom Wagen zu springen und ihren weiteren Weg durch die Wüste nach Norden zu suchen. Ein gefährliches Unterfangen, um die Grenzstationen und Kontrollposten der Westsahara zu umgehen.

Zwei junge Senegalesen, beide kaum 18Jahre alt, wollen wissen, wie viele Tage es bis nach Spanien sind. Einer hat an einem Lederband ein Gris-Gris um seinen Hals gebunden, ein Amulett, das vor bösen Geistern, Krankheit und Unfällen schützen soll. Spanien ist weit und der Wüstenzug fährt in die falsche Richtung.

Ob ein Talisman genügt für eine Durchquerung der Sahara? Die beiden Jugendlichen scheinen daran zu glauben und halten an ihren Reiseplänen fest. Hinter der großen Wüste liegt Europa und ein besseres Leben.

Informationen

Anreise: Air France von Frankfurt über Paris nach Nouakchott ab 858 Euro, Anschlussflug nach Nouadhibou mit Air Mauritanie.

Wüstenzugfahrt: In der Regel verlässt der Zug in die Sahara zwei Mal täglich Nouadhibou und legt die 700 Kilometer bis Zouérat in zwölf Stunden zurück. Reisende fahren in den Güterwaggons kostenlos, in Personenwagen für wenige Euro.

Weitere Auskünfte: Botschaft der Islamischen Republik Mauretanien, Kommandantenstraße 80, 10117 Berlin, Tel.: 030/206 58 63, Fax: /206 74 750