Reisekolumne "Mitten in ...""Die Bearbeitungszeit beträgt maximal 4 ½ Jahre"

In Rio de Janeiro verlieren junge Eltern den Glauben an die deutsche Effizienz. Und in München geht nachts ein ganz besonderes Stück zu Bruch.

Mitten in ... Rio de Janeiro

Sofern sich die Geburt eines Kindes deutscher Staatsbürger im Ausland "ereignet", so ist eine Nachbeurkundung erforderlich. Sich in Rio ereignende Geburten fallen in die Zuständigkeit des Standesamts I in Berlin. Dieses Amt teilt mit: "Die durchschnittliche Bearbeitungszeit (...) beträgt 33 Monate, maximal 4 ½ Jahre." Und weiter: "Sobald die Urkunden fertig sind, werden Sie unverzüglich von Ihrer Auslandsvertretung informiert." Halten wir fest: Nachdem die Beamten zweidreiviertel bis viereinhalb Jahre lang ohnehin alle Hebel in Bewegung gesetzt haben werden, um den Antrag möglichst fix zu genehmigen, wird es danach erst richtig rasant. Dann wird keine Mittagspause und kein Kaffeekränzchen mehr vergehen, ehe jemand "unverzüglich" zur Hauspoststelle sprintet, um das Dokument nach Brasilien zu schicken. Kein Wunder, dass die deutsche Effizienz dort so berühmt ist.

Boris Herrmann

SZ vom 4. Mai 2018

Bild: Marc Herold 6. Mai 2018, 16:432018-05-06 16:43:04 © SZ/ihe/edi