Modernisierung bei der Bahn 800 Millionen Euro für schönere Bahnhöfe

Die Bahn investiert in Aufzüge, Rolltreppen, Bahnsteigdächer, Wetterschutzhäuschen und dynamische Schriftenanzeiger - und versucht damit auch, eines der zentralen Probleme im Umgang mit den Reisenden zu lösen: mangelnde Information. Dem Fahrgastverband Pro Bahn ist das allerdings nicht genug.

Von Daniela Kuhr

Acht Millionen Menschen betreten täglich einen der 5400 Bahnhöfe in Deutschland. Mal ist es ein moderner mit schicken Läden drinnen, mal ein Jugendstil-Bau, mal ein gläsernes Kunstwerk - viel zu häufig aber auch einfach nur ein trostloser Ort, bei dem die Reisenden ihren Koffer erst mühsam eine Treppe hinuntertragen müssen, um ihn dann durch eine schäbige Unterführung zu ziehen und zum Bahnsteig zu gelangen.

Es war daher ein Geschenk und eine Herausforderung zugleich: Als der Bund 2009 die beiden Konjunkturpakete beschloss, flossen der Bahn mit einem Mal 325 Millionen Euro für die Modernisierung ihrer Bahnhöfe zu. 325 Millionen Euro, die nicht nur aus heiterem Himmel kamen, sondern die auch innerhalb von zweieinhalb Jahren verplant und verbaut sein mussten. Denn nur so, das war die Vorgabe, konnte das Geld seine konjunkturfördernde Wirkung entfalten.

An diesem Dienstag feiern Bahn-Chef Rüdiger Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Nürnberger Hauptbahnhof den Abschluss des Sonderprogramms. Man habe "eine glatte Punktladung hingelegt", sagte Grube zur Süddeutschen Zeitung. Die Maßnahmen würden "das Reisen mit der Bahn auf Jahre hinaus angenehmer machen", fügte Ramsauer hinzu.

Und auch der Fahrgastverband Pro Bahn lobte das Programm: "Ganz überwiegend sind die Mittel in Maßnahmen geflossen, von denen die Fahrgäste spürbar profitieren werden", sagte ein Verbandssprecher.

Zu dem Geld vom Bund hatte die Bahn noch 27 Millionen Euro hinzugegeben, sodass insgesamt 352 Millionen Euro zur Verfügung standen: Deutschlandweit wurden damit 2100 Bahnhöfe modernisiert - unter anderem indem Aufzüge und Rolltreppen eingebaut, Bahnsteigdächer saniert, Wetterschutzhäuschen errichtet, 2800 neue dynamische Schriftenanzeiger angebracht sowie Unterführungen und Bahnsteige besser beleuchtet wurden. Würde man die neuen beleuchteten Strecken aneinanderreihen, ergäben sie eine Länge von 97 Kilometern.

Bessere Information - weniger Ärger

Aus Sicht von Pro Bahn sind die dynamischen Schriftenanzeiger besonders wichtig. "Dank ihnen sind Reisende nicht mehr allein auf die Lautsprecherdurchsagen angewiesen", sagte der Verbandssprecher.

Seiner Einschätzung nach ist die mangelnde Information der Reisenden bislang einer der entscheidenden Nachteile im Vergleich zum Flugverkehr. "Im vergangenen Winter hatte der Frankfurter Flughafen deutlich mehr Verspätungen als die Bahn, aber weil die Fahrgäste besser informiert wurden, war der Ärger kleiner."

Laut Pro Bahn offenbarte das Sonderprogramm allerdings auch ein Dilemma: "All die Maßnahmen, die jetzt mit den Konjunkturmitteln finanziert wurden, gehören selbstverständlich zu einem guten Service dazu", sagte der Sprecher. Daher frage er sich, wie man solche Maßnahmen in Zukunft finanzieren wolle, wenn es kein Sonderprogramm gebe.

Auch Ramsauer sieht das Problem. Er werde in diesem und nächstem Jahr insgesamt 100 Millionen Euro zusätzlich für Personenbahnhöfe bereitstellen, sagte er. Denn "natürlich gibt es noch einige Bahnhöfe, die in einem jämmerlichen Zustand sind". Doch man habe nicht alle Wünsche auf einmal erfüllen können.

Mehr Schutz vor Wind und Wetter

Bahn-Chef Grube kündigte an, in diesem Jahr zusammen mit Bund und Ländern insgesamt 800 Millionen Euro in die Modernisierung der Bahnhöfe zu stecken. Vorrangiges Ziel sei, so bald wie möglich "auf allen Bahnhöfen mit mehr als 1000 Reisenden pro Tag einen stufenfreien Zugang zu schaffen", sagte er. Nach und nach sollten sie mit modernen Aufzügen und Rolltreppen ausgestattet werden.

Derzeit sind - auch dank der Mittel aus den Konjunkturprogrammen - fast drei Viertel der Bahnhöfe stufenfrei. Zudem solle bis Anfang 2014 die Mehrzahl der Reisenden an den Bahnhöfen "vor Wind und Wetter geschützt sein", sagte Grube. Bis zum Jahr 2017 will er "alle Stationen mit mehr als 50 Reisenden pro Tag mit dynamischen Schriftanzeigern" ausgestattet haben.

Dass die Länder so unterschiedlich von den Konjunkturpaketen profitiert haben, hat seinen Grund: Welcher Bahnhof saniert werden sollte, hatten der damalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und die Bahn gemeinsam festgelegt. "Die beiden entscheidenden Kriterien waren dabei der konkrete Modernisierungsbedarf und die zeitliche Umsetzbarkeit innerhalb des engen Rahmens von 2009 bis 2011", sagte Grube.