Die Bahn investiert in Aufzüge, Rolltreppen, Bahnsteigdächer, Wetterschutzhäuschen und dynamische Schriftenanzeiger - und versucht damit auch, eines der zentralen Probleme im Umgang mit den Reisenden zu lösen: mangelnde Information. Dem Fahrgastverband Pro Bahn ist das allerdings nicht genug.
Acht Millionen Menschen betreten täglich einen der 5400 Bahnhöfe in Deutschland. Mal ist es ein moderner mit schicken Läden drinnen, mal ein Jugendstil-Bau, mal ein gläsernes Kunstwerk - viel zu häufig aber auch einfach nur ein trostloser Ort, bei dem die Reisenden ihren Koffer erst mühsam eine Treppe hinuntertragen müssen, um ihn dann durch eine schäbige Unterführung zu ziehen und zum Bahnsteig zu gelangen.
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5400 Bahnhöfe gibt es in Deutschland. Doch vom Modernisierungsprogramm der Bahn haben die Bundesländer unterschiedlich stark profitiert. (© SZ Grafik)
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Es war daher ein Geschenk und eine Herausforderung zugleich: Als der Bund 2009 die beiden Konjunkturpakete beschloss, flossen der Bahn mit einem Mal 325 Millionen Euro für die Modernisierung ihrer Bahnhöfe zu. 325 Millionen Euro, die nicht nur aus heiterem Himmel kamen, sondern die auch innerhalb von zweieinhalb Jahren verplant und verbaut sein mussten. Denn nur so, das war die Vorgabe, konnte das Geld seine konjunkturfördernde Wirkung entfalten.
An diesem Dienstag feiern Bahn-Chef Rüdiger Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Nürnberger Hauptbahnhof den Abschluss des Sonderprogramms. Man habe "eine glatte Punktladung hingelegt", sagte Grube zur Süddeutschen Zeitung. Die Maßnahmen würden "das Reisen mit der Bahn auf Jahre hinaus angenehmer machen", fügte Ramsauer hinzu.
Und auch der Fahrgastverband Pro Bahn lobte das Programm: "Ganz überwiegend sind die Mittel in Maßnahmen geflossen, von denen die Fahrgäste spürbar profitieren werden", sagte ein Verbandssprecher.
Zu dem Geld vom Bund hatte die Bahn noch 27 Millionen Euro hinzugegeben, sodass insgesamt 352 Millionen Euro zur Verfügung standen: Deutschlandweit wurden damit 2100 Bahnhöfe modernisiert - unter anderem indem Aufzüge und Rolltreppen eingebaut, Bahnsteigdächer saniert, Wetterschutzhäuschen errichtet, 2800 neue dynamische Schriftenanzeiger angebracht sowie Unterführungen und Bahnsteige besser beleuchtet wurden. Würde man die neuen beleuchteten Strecken aneinanderreihen, ergäben sie eine Länge von 97 Kilometern.
Bessere Information - weniger Ärger
Aus Sicht von Pro Bahn sind die dynamischen Schriftenanzeiger besonders wichtig. "Dank ihnen sind Reisende nicht mehr allein auf die Lautsprecherdurchsagen angewiesen", sagte der Verbandssprecher.
Seiner Einschätzung nach ist die mangelnde Information der Reisenden bislang einer der entscheidenden Nachteile im Vergleich zum Flugverkehr. "Im vergangenen Winter hatte der Frankfurter Flughafen deutlich mehr Verspätungen als die Bahn, aber weil die Fahrgäste besser informiert wurden, war der Ärger kleiner."
Laut Pro Bahn offenbarte das Sonderprogramm allerdings auch ein Dilemma: "All die Maßnahmen, die jetzt mit den Konjunkturmitteln finanziert wurden, gehören selbstverständlich zu einem guten Service dazu", sagte der Sprecher. Daher frage er sich, wie man solche Maßnahmen in Zukunft finanzieren wolle, wenn es kein Sonderprogramm gebe.
Auch Ramsauer sieht das Problem. Er werde in diesem und nächstem Jahr insgesamt 100 Millionen Euro zusätzlich für Personenbahnhöfe bereitstellen, sagte er. Denn "natürlich gibt es noch einige Bahnhöfe, die in einem jämmerlichen Zustand sind". Doch man habe nicht alle Wünsche auf einmal erfüllen können.
Mehr Schutz vor Wind und Wetter
Bahn-Chef Grube kündigte an, in diesem Jahr zusammen mit Bund und Ländern insgesamt 800 Millionen Euro in die Modernisierung der Bahnhöfe zu stecken. Vorrangiges Ziel sei, so bald wie möglich "auf allen Bahnhöfen mit mehr als 1000 Reisenden pro Tag einen stufenfreien Zugang zu schaffen", sagte er. Nach und nach sollten sie mit modernen Aufzügen und Rolltreppen ausgestattet werden.
Derzeit sind - auch dank der Mittel aus den Konjunkturprogrammen - fast drei Viertel der Bahnhöfe stufenfrei. Zudem solle bis Anfang 2014 die Mehrzahl der Reisenden an den Bahnhöfen "vor Wind und Wetter geschützt sein", sagte Grube. Bis zum Jahr 2017 will er "alle Stationen mit mehr als 50 Reisenden pro Tag mit dynamischen Schriftanzeigern" ausgestattet haben.
Dass die Länder so unterschiedlich von den Konjunkturpaketen profitiert haben, hat seinen Grund: Welcher Bahnhof saniert werden sollte, hatten der damalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und die Bahn gemeinsam festgelegt. "Die beiden entscheidenden Kriterien waren dabei der konkrete Modernisierungsbedarf und die zeitliche Umsetzbarkeit innerhalb des engen Rahmens von 2009 bis 2011", sagte Grube.
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(SZ vom 31.01.2012/dd)
Träumen, planen, reisen
Was helfen die besten dynamischen Anzeigen, wenn die Daten, mit denen diese Anzeigen gefüttert werden, nicht gepflegt sind.
Wie oft stand schon am Schild dass der Zug in 3-2-1-0 Minuten kommt, und dann blieb die Anzeige 10 Minuten lang auf "0" stehen?
Wie oft habe ich es schon erlebt, dass genau wenn Störungen sind, auf der Anzeigetafel die Information "Störung des Betriebs - bitte achten Sie auf die Durchsagen" zu finden ist. Und diese Durchsagen kommen spärlich, informieren die Kunden auch nicht über Fahrmöglichkeiten sondern sind nur allgemeines "Bla bla - es ist Störung" und oft kommen die Durchsagen dann, wenn am Nebengleis ein anderer Zug vorbeifährt und man nichts versteht, selbst wenn man direkt unter dem Lautsprecher steht.
Wie oft durfte ich die Verspätungs-Salami-Taktik erleben. Erst steht der Zug auf "Pünktlich". Dann - zwei Minuten nach geplanter Anfahrt - "vsl. 5 Minuten Verspätung". Dann weitere 5 Minuten später heißt es "vsl. 10 Minuten Verspätung", dann weitere 5 Minuten später "15 Minuten" etc etc.
Was hilft hier eine dynamische Anzeige, wenn ich
a) nur das Erfahre, was ich eh schon weiß
b) Die Information sich stetig ändert so dass man letztlich doch keine Information hat, auf die man sich verlassen kann.
Rate mal, aus welchem Bundesland der Verkehrsminister kommt. Im übrigen hatte der Mähdorn sein Büro in Berlin.
;-)
... es natürlich für die Bahnkunden ist, wenn marode Bahnhöfe saniert und benutzerfreundlicher gemacht werden - es ist ein Armutszeugnis für die Bahn, dass sie ihr "Kerngeschäft" nur dann erledigt, wenn Konjunkturpakete dafür sorgen, dass der Steuerzahler diese Maßnahmen finanziert.
Dazu passt auch, dass bis vor einigen Jahren ein Bahnhofsvorsteher als obersten Auftrag in seiner Stellenbeschreibung stehen hatte, dass der Bahnverkehr so reibungslos wie möglich laufen muss und Verspätungen möglichst zu vermeiden sind.
Heute gibt es keine Bahnhofsvorsteher mehr, sondern anonyme Bahnmanager, die den einfachen Auftrag haben, so viel Gewinn wie nur irgend möglich zu erwirtschaften. Pünktlichkeit der Züge und Kundenfreundlichkeit haben bei diesem Auftrag keine Priorität.
"Der Kunde ist König?" Nicht bei der Bahn.
... könnte sich die Bahn sparen, wenn die Züge so pünktlich führen, daß – wie früher selbstverständlich – die statische Anzeige des Aushangfahrplans genügte.
daher kommt.
NRW, das mit 18 Mio. Einwohnern (rund 22% der Gesamtbevölkerung) und einem dichten Bahnnetz gerade mal 13% der Investitionen abbekommt.
Dafür bekommt dann aber nicht nur die schönen Verspätungen, sondern auch einen Hauch dritte Welt Feeling ...
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